Überall braun
Standpunkt von Markus Drescher
Fast 20 Jahre lang gefiel sich der Westen der Bundesrepublik in der Rolle des erhobenen Zeigefingers gen neue Bundesländer: Nazis sind ein Ost-Problem.
Das sind sie zweifellos genauso wie ein West-Problem. Dort gab und gibt es keinen Deut weniger rassistische, antisemitische, homophobe, alt- und neonazistische Einstellungen.
Doch den braunen Peter allein Ostdeutschland zuzuschreiben ist bequem, wenn es darum geht, sich die eigene Weste weiß zu schummeln. Das ist nicht nur gut fürs Image, sondern auch den Geldbeutel.
Wo es keine Nazis gibt, braucht es keine Ausgaben für Landesprogramme gegen Rechtsextremismus und Beratungsstellen für Betroffene rechter Gewalt.
Manchem passte diese geografische Aufteilung aber auch ins ideologische Konzept nach dem Motto: Natürlich gibt es im Westen kein Nazi-Problem, hier herrschen schließlich seit 1945 Demokratie und soziale Marktwirtschaft.
Im Osten hingegen gab es 40 Jahre lang sozialistische Diktatur. Kein Wunder also, dass sich die Ossis zum »Totalitarismus« hingezogen fühlen. Nazis und Kommunisten sind doch sowieso fast das Gleiche.
War es nach der Wende tatsächlich der Osten, der erst lernen musste, sich gegen Nazis zu wehren eine Aufgabe, die auch so schnell nicht beendet sein wird , ist es jetzt der Westen, der sich eingestehen muss: Mit dem Finger auf andere zu zeigen und vom eigenen Nazi-Problem abzulenken, reicht bei Weitem nicht aus.
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