Dienstag, 15. März 2011

#Kontamination von #Fischen #Reaktorungl

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für
Ländliche Räume, Wald und Fischerei, Dr.  Michael Welling, 14.03.2011
14:30

Information zur möglichen Kontamination von Fischen als Folge des
Reaktorunglücks in Japan

Die Ereignisse im japanischen Kernkraftwerk Fukushima werfen – neben den
möglichen Auswirkungen auf die Menschen – auch die Frage auf, ob und
inwieweit Fische im Pazifischen Ozean durch radioaktive Stoffe, die auf
das Meer verdriftet werden, belastet werden. In Deutschland ist das Johann
Heinrich von Thünen-Institut (vTI) nach dem Strahlenschutzvorsorgegesetz
von 1986 als Leitstelle für die Überwachung der Umweltradioaktivität in
Fischen und Fischereiprodukten zuständig.

In dieser Funktion beobachten die Wissenschaftler im vTI die Lage in Japan
besonders aufmerksam. Nach den bisher vorliegenden Meldungen, die auch
beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU,
<
www.bmu.de>) veröffentlicht sind, wurde bei drei Blöcken des
Kernkraftwerks Fukushima eine sogenannte Druckentlastung (Venting) des
Reaktors durchgeführt. Dabei sind flüchtige radioaktive Stoffe in die
Umwelt gelangt, die zu einer kurzzeitig deutlich erhöhten
Ortsdosisleistung geführt haben. Durch Verteilung der Radionuklide mit dem
Wind ist die Ortsdosisleistung inzwischen wieder gesunken.

Zu den freigesetzten Radionukliden gehören hauptsächlich die leicht
flüchtigen Edelgase Xenon (Xe-133, Xe-135) und Krypton (Kr-85), sowie
radioaktives Iod (I-131). In der Nähe des Reaktors sollen zudem geringe
Aktivitäten von radioaktivem Cäsium (Cs-134, Cs-137) gefunden worden sein.

Die Wissenschaftler des vTI gehen derzeit davon aus, dass durch die
vorherrschende Windrichtung vor allem die Edelgase und das Iod auf den
Pazifischen Ozean südöstlich von Japan verdriftet werden. Dort werden sie
sich zunächst im Meerwasser niederschlagen. Über das Meerwasser können
Meeresorganismen, so auch Fische und Wasserpflanzen, mit den Radionukliden
in direkten Kontakt kommen. Hierbei wird aber nur Iod aufgenommen, da es
sich bei den Xenon- und Krypton-Isotopen um wenig reaktive Edelgase
handelt, die von Organismen nicht verstoffwechselt werden. Zudem sind die
aus dem Wasser in die Fische transferierten Iod-131-Aktivitäten aufgrund
der starken Verdünnung im Pazifischen Ozean als sehr gering einzuschätzen.

Das Iod-Isotop I-131 ist ein Beta-Strahler mit einer Halbwertszeit von
rund 8 Tagen, was zur Folge hat, dass das freigesetzte Iod nach rund 80
Tagen in nicht radioaktives und inertes Xenon-131 zerfallen ist.

Eine Gefährdung der deutschen Verbraucher durch Fisch aus Japan, der mit
Iod kontaminiert ist, kann daher zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen
werden. Sollte es in den kommenden Tagen jedoch zu einer Freisetzung von
größeren Aktivitäten an radioaktivem Cäsium kommen, muss eine Neubewertung
der Situation vorgenommen werden.

Zur Cäsium-Belastung von Fischen liegen den vTI-Wissenschaftlern
umfangreiche Datensätze aus der Zeit des Reaktorunglücks in Tschernobyl
vor. Anhand dieser Daten können, im Falle einer größeren Freisetzung, die
Kontaminationen in Fischen aus betroffenen Gebieten gut abgeschätzt
werden.

Ansprechpartner:
Dr. Ulrich Rieth
Johann Heinrich von Thünen-Institut
Institut für Fischereiökologie
Marckmannstraße 129b, Haus 4, 20539 Hamburg
Tel.: 040 42817-611
E-Mail: <
ulrich.rieth@vti.bund.de>

Arten der Pressemitteilung:
Forschungsergebnisse

Sachgebiete:
Ernährung / Gesundheit / Pflege
Meer / Klima
Physik / Astronomie
Tier- / Agrar- / Forstwissenschaften
Umwelt / Ökologie







Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/de/news413214

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter:
http://idw-online.de/de/institution1208












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