Donnerstag, 17. März 2011

Auge um Auge? In einer besseren Welt von Susanne Bier [via Neues Deutschland]


Auge um Auge?

In einer besseren Welt von Susanne Bier

(Neues Deutschland)
http://www.neues-deutschland.de/artikel/193314.auge-um-auge.html

Susanne Biers neuer Film – ein Höhepunkt ihres Filmschaffens bisher – erhielt eben den Oscar für den besten ausländischen Film. »In einer besseren Welt« festigt ihren Ruf, gegenwärtig einer oder der beste Filmregisseur Dänemarks zu sein. Wie schon in den beiden vorangegangenen Filmen »Brothers – Zwischen Brüdern« und »Nach der Hochzeit« benutzt Susanne Bier einen fern vom dänischen Alltag liegenden Schauplatz:

Ein Teil der Handlung spielt dieses Mal irgendwo in Afrika. Zunächst ist man im Zweifel, ob Vertreter der internationalen Vereinigung Ärzte ohne Grenzen im Mittelpunkt stehen oder ob es Elias ist, der Sohn des Arztes Anton, der in der Schule im heimischen Dänemark gemobbt wird.

Anton (Mikael Persbrandt) ist seinem Ärzteeid gefolgt und rettet einem Kriegsherren das Leben, der selbst ungezählte Opfer auf seinem Gewissen hat. Bei seiner Rückkehr in das provinzielle Svendborg muss er konstatieren, dass er einst auszog in die Welt, sie zu heilen und er darüber seine Familie vergessen hat.

Die Ehe mit Marianne (Trine Dyrholm, Foto r.) ist gescheitert und sein Sohn (Markus Rygaard) seit dem Tod seiner Mutter langsam, aber sicher auf die schiefe Bahn gekommen, ohne es eigentlich zu wollen.

Psychologisch außer Balance geraten, ist er eine tickende Bombe, die sich nicht nur gegen seinen Vater wendet, sondern auch in steigendem Maße gegen seine Umwelt. In seinem neuen Schulkameraden Christian (William Jøhnk Nielsen) hat er einen Freund gefunden, der mit ihm durch Dick und Dünn gehen wird. Und bald startet eine Gewaltspirale.

Buch und Schauspielerteam sind gut genug, um eine Reihe Konflikte zu tragen, die jeder für sich schon einen Film abgeben würden. Die Themen sind so alt, wie die Menschheit sich mit ethischen Fragen herumschlägt.

Soll Auge um Auge vergolten werden oder eher die rechte Wange hingehalten, wenn die linke geschlagen wurde, um eine bessere Welt zu schaffen? Was ist uns am nächsten, was muss gerettet werden – am liebsten den ganzen Erdball oder, falls das nicht geht, wenigstens die eigene Familie?

Susanne Bier manövriert in einem Minenfeld von Problemen und Haltungen und überlädt den Film trotzdem nicht. Auch wenn einige Szenen, die Hoffnung vermitteln sollen, etwas zu idyllisch geraten sind – das Schauspielerensemble, bis hin zu den bestens besetzten Nebenrollen – wie Ulrich Thomsen als Christians Vater Claus (Foto) – und den Kinderdarstellern, ist hervorragend. Andreas Knudsen


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