Altersarmut und Altersvorsorge
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Die Finanzkrise hat der kapitalgedeckten Altersvorsorge erheblich zugesetzt. Wissenschaftler empfehlen mehr und bessere Regulierung für Pensionsfonds.
Geringere Auszahlungen aus der staatlichen Rente, stattdessen mehr Geld aus steuerlich geförderten betrieblichen Vorsorgekassen: Nach diesem Prinzip haben mehrere EU-Länder um das Jahr 2000 ihre Alterssicherung reformiert; auch die Bundesrepublik. Seitdem ist das neue Arrangement aber durch erhebliche Turbulenzen gegangen.
Pensionsfonds zählten in der Finanzkrise sowohl zu den Leidtragenden als auch zu den Verursachern.
Rentner, die Flaschen aus dem Müll sammeln. Senioren, die um Almosen bitten. Altersarmut ist in der Bundesrepublik sichtbar geworden. Viele Sozialverbände sind alarmiert. Die Politik reagiert langsam.
Wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens der Bevölkerung hat, gilt hierzulande als arm. Damit beginnt Armut bei 935 Euro. Ein männlicher Erstrentner kommt in Westdeutschland derzeit laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung im Schnitt auf 820 Euro.
Hat ein Rentner weniger als 742 Euro zur Verfügung, weist die Deutsche Rentenversicherung auf die Grundsicherung im Alter hin. Diese Sozialleistung eine Art Hartz IV für Senioren wird nach individuellem Bedarf errechnet, Basis ist ein Regelsatz von 364 Euro. 2009 erhielten 400.000 über 65-Jährige diese Unterstützung ein Plus von 55 Prozent binnen sechs Jahren.
"Diese Grundsicherung verhindert aber Armut nicht", sagt VdK- Expertin Anacker. Hinzu komme, dass die große Mehrheit der armen Senioren dieses Geld gar nicht beanspruche.
Am 01.07.2011 sind die Renten um magere 0,99 Prozent gestiegen. Diese Mini-Erhöhung wird jedoch komplett in den Löchern verschwinden, die Preissteigerungen und steigende Kosten für Gesundheit und Pflege in die Portemonnaies der Rentnerinnen und Rentner reißen.
Die Anzahl der Menschen, die auf einem Grundsicherungsniveau von durchschnittlich 658 Euro leben müssen, ist bundesweit seit 2003 um 74 Prozent und in Nordrhein-Westfalen um 84 gestiegen. Und die Zahl der auf Grundsicherungsniveau lebenden Menschen im Rentenalter ist bundesweit um 55 Prozent, in Nordrhein-Westfalen um knapp 50 Prozent gestiegen.
Pensionsfonds: Starke Verluste in der Krise gefährden Altersvorsorge
Die Finanzkrise hat der kapitalgedeckten Altersvorsorge erheblich zugesetzt. Wissenschaftler empfehlen mehr und bessere Regulierung für Pensionsfonds.
Geringere Auszahlungen aus der staatlichen Rente, stattdessen mehr Geld aus steuerlich geförderten betrieblichen Vorsorgekassen: Nach diesem Prinzip haben mehrere EU-Länder um das Jahr 2000 ihre Alterssicherung reformiert; auch die Bundesrepublik. Seitdem ist das neue Arrangement aber durch erhebliche Turbulenzen gegangen.
Die schwedischen Pensionsfonds etwa verloren 2008 durch die Finanzkrise 34,5 Prozent ihres Wertes. Derart rapide Vermögenseinbußen zeigen, wie problematisch eine Privatisierung der Alterssicherung sein kann, sagen Bernhard Ebbinghaus und Tobias Wiß. Der Soziologie-Professor von der Universität Mannheim und sein Co-Autor haben untersucht, wie es um die kapitalgedeckte, betriebliche Zusatzrente nach der Finanzkrise in sechs europäischen Ländern steht. Sie stellten fest: Streng regulierte betriebliche, kapitalgedeckte Zusatzrenten ob unter Kontrolle der Tarifparteien oder staatlicher Aufsicht sind tendenziell besser durch die Krise gekommen. Grundsätzlich sei mehr Regulierung nötig, so die Experten, "um die Interessen von Beschäftigten und Pensionären gegen finanzielle Risiken zu schützen".
Pensionsfonds zählten in der Finanzkrise sowohl zu den Leidtragenden als auch zu den Verursachern.
Alterssicherungs-Fonds aus den OECD-Ländern trugen zum Anschwellen des Finanzvermögens bei und verloren dann im Schnitt zwischen 20 und 25 Prozent ihrer Vermögen.
Böckler Impuls 12/2011 http://www.boeckler.de/32014_114168.html Die bittere Armut der Alten in Deutschland
Rentner, die Flaschen aus dem Müll sammeln. Senioren, die um Almosen bitten. Altersarmut ist in der Bundesrepublik sichtbar geworden. Viele Sozialverbände sind alarmiert. Die Politik reagiert langsam.
Wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens der Bevölkerung hat, gilt hierzulande als arm. Damit beginnt Armut bei 935 Euro. Ein männlicher Erstrentner kommt in Westdeutschland derzeit laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung im Schnitt auf 820 Euro.
Hat ein Rentner weniger als 742 Euro zur Verfügung, weist die Deutsche Rentenversicherung auf die Grundsicherung im Alter hin. Diese Sozialleistung eine Art Hartz IV für Senioren wird nach individuellem Bedarf errechnet, Basis ist ein Regelsatz von 364 Euro. 2009 erhielten 400.000 über 65-Jährige diese Unterstützung ein Plus von 55 Prozent binnen sechs Jahren.
"Diese Grundsicherung verhindert aber Armut nicht", sagt VdK- Expertin Anacker. Hinzu komme, dass die große Mehrheit der armen Senioren dieses Geld gar nicht beanspruche.
"Armut unter älteren Menschen existiert trotz staatlicher Hilfen und findet eher im Verborgenen statt," sagt die Expertin für soziale Fragen, Antje Richter. Armut schließe Senioren aus und isoliere sie.
FTD http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:kein-zahnersatz-kein-urlaub-die-bittere-armut-der-alten-in-deutschland/60076694.html 55 Prozent mehr arme Alte seit 2003 Solidarische Mindestrente einführen!
Am 01.07.2011 sind die Renten um magere 0,99 Prozent gestiegen. Diese Mini-Erhöhung wird jedoch komplett in den Löchern verschwinden, die Preissteigerungen und steigende Kosten für Gesundheit und Pflege in die Portemonnaies der Rentnerinnen und Rentner reißen.
Aus diesem Anlass hat Matthias W. Birkwald, rentenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE, bei der Bundesregierung nachgefragt, wer bereits heute so wenig Rente hat, dass sie oder er nicht davon leben kann.
Die Anzahl der Menschen, die auf einem Grundsicherungsniveau von durchschnittlich 658 Euro leben müssen, ist bundesweit seit 2003 um 74 Prozent und in Nordrhein-Westfalen um 84 gestiegen. Und die Zahl der auf Grundsicherungsniveau lebenden Menschen im Rentenalter ist bundesweit um 55 Prozent, in Nordrhein-Westfalen um knapp 50 Prozent gestiegen.
Angesichts dieser Entwicklung fordert Birkwald ein Gesamtkonzept gegen Altersarmut: "Keine Rentnerin, kein Rentner soll im Alter von weniger als 900 Euro leben müssen. Wir brauchen eine Politik gegen Armut, die zugleich am Arbeitsmarkt und an der Rente ansetzt. Für die Alterssicherung brauchen wir eine solidarische Mindestrente."
Matthias W. Birkwald MdB
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