Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Hans-Böckler-Stiftung, Rainer Jung, 11.07.2011 12:19WSI: In 18 von 27 EU-Ländern drohen 2011 ReallohnverlusteIn zwei von drei EU-Ländern drohen den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern
in diesem Jahr Reallohnverluste. Im Durchschnitt der Europäischen Union dürften die Löhne pro Arbeitnhemer daher 2011 nach Abzug der Teuerung um 0,8 Prozent sinken. In Deutschland dürfte die Entwicklung 2011 zwar positiver ausfallen als bei den meisten Nachbarn. Allerdings ist auch hier nach Abzug der in diesem Jahr relativ hohen Preissteigerung lediglich eine Stagnation der Löhne absehbar. Das zeigt der neue Europäische Tarifbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. In Europa gingen daher von der Lohnentwicklung "derzeit kaum positive Impulse aus, um die strukturellen ökonomischen Probleme zu überwinden und eine nachhaltige Wachstumsstrategie einzuleiten", schreibt WSI-Tarifexperte Dr. Thorsten Schulten in der neuen Ausgabe der WSI Mitteilungen.Angesichts von Reallohnverlusten und Sparprogrammen in vielen Ländern
warnt der Wissenschaftler vor einer "europaweiten Lohnsenkungsspirale".
Die Entwicklung könnte sich noch verschärfen, weil sich die europäischen
Regierungen im so genannten "Euro-Plus-Pakt" auf eine hoch problematische
restriktive Lohnpolitik festgelegt hätten, so Schulten. In dem früher
"Pakt für den Euro" genannten Übereinkommen haben die europäischen Staats-
und Regierungschefs Ende März unter anderem moderate Lohnsteigerungen und
eine Verlagerung der Lohnbildung in die Betriebe als Wege zur Steigerung
der Wettbewerbsfähigkeit formuliert. Zudem solle durch
Arbeitsmarktreformen mehr "Flexibilität" erreicht werden. Kritiker warnen
vor Eingriffen in die Tarifautonomie.Bereits 2010 sind die realen Löhne pro Kopf in 13 EU-Staaten gesunken,
macht der WSI-Experte deutlich. Am höchsten waren die Verluste in
Griechenland mit 8,2 Prozent. Für dieses Jahr rechnet die EU-Kommission in
ihrer Wirtschaftsprognose, die Schulten ausgewertet hat, sogar in 18 der
27 Mitgliedsländer mit Reallohnverlusten (siehe Grafik; Link unten).
Hauptgründe für die verbreiteten Reallohnverluste sind die Preissteigerung
von drei Prozent im EU-Durchschnitt und vergleichsweise schwache
Lohnzuwächse, insbsondere in den südeuropäischen Staaten.Für Deutschland prognostiziert die EU-Kommission für 2011 ein minimales
reales Lohnwachstum von 0,1 Prozent. Die im mehrjährigen Vergleich relativ
kräftige Entwicklung der nominalen Bruttolöhne von 2,7 Prozent würde
danach von der Inflation weitgehend aufgezehrt. 2010 waren die Löhne in
Deutschland zum ersten Mal seit 2003 real gewachsen - um ein Prozent. Die deutschen Tariflöhne haben nach den Daten des WSI, die aufgrund
unterschiedlicher Methodik etwas höher ausfallen als die Tarifzahlen der
Bundesbank, 2010 real um 0,6 Prozent und 2009 um 2,4 Prozent zugelegt."Deutschland konnte seine langjährige lohnpolitische Schlusslichtposition
zwar einstweilen abgeben. Dies lag jedoch weniger an einer besonders
expansiven Lohnpolitik als vielmehr daran, dass in den meisten übrigen EU-
Staaten die gesamtwirtschaftliche Lohnentwicklung noch schwächer ausfiel",
resümiert WSI-Forscher Schulten den aktuellen Trend. Der Wissenschaftler hält es für sinnvoll, weitere Lohnkürzungen in den Krisenstaaten zu stoppen. Sonst sei die binnenwirtschaftliche Stagnation in diesen Ländern
nicht zu überwinden, schreibt Schulten. In den wirtschaftlich starken EU-
Staaten und insbesondere in Deutschland könne eine deutlich stärkere
Lohnentwicklung in den nächsten Jahren dazu beitragen, die wirtschaftliche
Dynamik in Europa zu erhöhen.Arten der Pressemitteilung:
ForschungsergebnisseSachgebiete:
Gesellschaft
Politik
WirtschaftWeitere Informationen finden Sie unter http://www.boeckler.de/pdf/pm_wsi_2011_07_11.pdf - PM mit Grafik und Ansprechpartnern http://www.boeckler.de/32015_114177.html - Druckfähige Version der Grafik
http://www.boeckler.de/pdf/wsimit_2011_07_schulten.pdf - Der Europäische Tarifbericht in den WSI Mitteilungen 7/2011
Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/de/news432506 Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter:
http://idw-online.de/de/institution621
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