Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Zentrum für Zeithistorische Forschung, Julia Fohmann, 11.07.2011 16:23Neue Ausgabe der Zeithistorische ForschungenDer Sound (in) der ZeitgeschichteZeitgeschichte kann man hören: Wichtige historische Ereignisse und
Entwicklungen sind häufig mit Stimmen, Geräuschen, Klängen oder Musik
verbunden. Goebbels' Frage "Wollt ihr den totalen Krieg?", Kennedys Satz
"Ich bin ein Berliner" oder das Lied "Wind of Change" der Scorpions sind
nur drei bekannte Beispiele. Auch weniger spektakuläre Klänge können für
die Geschichtswissenschaft aufschlussreiche Dokumente sein etwa die
Geräusche einer Stadt oder der Lärm einer Fabrik. Das aktuelle Heft der
Zeitschrift "Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History"
(2/2011) widmet sich dem Thema "Politik und Kultur des Klangs im 20.
Jahrhundert".Neuerdings interessiert sich die Geschichtswissenschaft verstärkt für den
"Sound" in allen seinen Formen. Während die Erforschung von Bildquellen
mit ihren Entstehungs-, Verwendungs- und Wirkungszusammenhängen inzwischen
weitgehend etabliert ist, gibt es für die Interpretation von Tondokumenten
in der Geschichtswissenschaft bisher noch kaum praktische Erfahrungen und
methodische Standards. In populären Formaten der Geschichtskultur hingegen
in Filmen, Radiosendungen, Computerspielen etc. werden Klänge gezielt
eingesetzt, um Atmosphären und Emotionen zu erzeugen oder zu vermitteln.
Die Beiträge des Themenhefts verdeutlichen nun mit Fallstudien zur
Zeitgeschichte, dass Klänge bei weitem nicht nur Hintergrundgeräusche
darstellen. Die Autorinnen und Autoren spüren den politischen und
kulturellen Kontexten und Effekten nach, die in verschiedenen Phasen des
20. Jahrhunderts mit bestimmten Sounds verbunden waren.Yaron Jean befasst sich vor allem für die Zeit des Ersten Weltkriegs mit
der Lautstärke von Waffen. Während zuvor lange gegolten hatte, dass
besonders bedrohliche Waffen auch besonders laut waren, markierten der
Einsatz von Schalldämpfern für Schusswaffen und der Gaskrieg wichtige
Zäsuren. Einem friedlicheren Thema geht Lars Amenda nach: Er beschreibt,
wie die Geräuschkulisse des Hafens in der Stadt Hamburg über Jahrzehnte
als Anker für Lokalpatriotismus und maritime Identität diente und zwar
selbst dann noch, als die ökonomische Bedeutung des Hafens rückläufig war.
Christian Schmidt-Rost zeigt in seinem Aufsatz zum Swing und Jazz in der
DDR und der Volksrepublik Polen, wie unterschiedlich die beiden Staaten
mit dieser zunächst als "imperialistisch" abgelehnten Musik umgingen.
Dabei richtet er ein spezielles Augenmerk darauf, wie Hörerinnen und Hörer
über Radio, Schallplatten und Live-Konzerte Zugang zum Jazz erhielten. Um
das Musikhören als soziales Ereignis sowie als politisches Streitthema
geht es auch bei Detlef Siegfried, der die mobilisierende Kraft der
elektroakustisch verstärkten Musik für die Aufbruchstimmung um 1968
herausarbeitet. Die heute etwas skurril anmutende Frage, ob eine bestimmte
Musik als 'Lärm' oder als 'Kultur' einzustufen sei, beschäftigte damals
mehrfach die Gerichte; aus historischer Perspektive kann dies als
symptomatisch gelten für die allmähliche Erweiterung des
bildungsbürgerlichen Kulturbegriffs.In der Rubrik "Debatte" führen der Soziologe Dominik Schrage, der
Medienwissenschaftler Daniel Gethmann und die Musikwissenschaftlerin
Annegret Fauser jeweils fachspezifische Herangehensweisen für eine
Klanggeschichte des 20. Jahrhunderts vor, weisen aber auch auf fruchtbare
interdisziplinäre Zugänge hin. Wie reizvoll solche Ansätze sein können,
zeigen mehrere Beiträge in der Rubrik "Quellen" über Theodor W. Adorno
als Rundfunkredner, über Schallplatten als zeitgeschichtliche Dokumente
sowie über die Archivierung und Interpretation früherer Klänge aus der
Lebens- und Arbeitswelt des Ruhrgebiets. Nicht zuletzt findet sich in der
Rubrik "Neu gehört" eine Besprechung des aufsehenerregenden
Radio-Hörspiels "War of the Worlds" von Orson Welles aus dem Jahr 1938.
Damit die Leserinnen und Leser dieser und weiterer Beiträge den Sound der
Zeitgeschichte selbst hören können, bietet die Website der Zeitschrift
neben Texten und Bildern an vielen Stellen auch Tondokumente."Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History" wird am
Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (<http://www.zzf-pdm.de>)
herausgegeben von Konrad H. Jarausch, Christoph Kleßmann und Martin Sabrow
in Verbindung mit Zeitgeschichte-online (<http://www.zeitgeschichte-
online.de>). Die Zeitschrift erscheint gedruckt im Verlag Vandenhoeck &
Ruprecht (<http://www.v-r.de>) und zugleich im Open Access (<http://www
.zeithistorische-forschungen.de>).Bei redaktionellen Fragen wenden Sie sich bitte an:
Dr. Jan-Holger Kirsch
Zentrum für Zeithistorische Forschung
Redaktion Zeitgeschichte-online
Am Neuen Markt 1
D-14467 Potsdam
Tel.: ++49 (0)331/28991-18
E-Mail: kirsch@zeitgeschichte-online.de
Internet: <http://www.zeithistorische-forschungen.de>Abonnements, Einzelhefte und Rezensionsexemplare sind erhältlich bei:
InTime Services GmbH, Leserservice Vandenhoeck & Ruprecht
Bajuwarenring 14
D-82041 Oberhaching
Tel.: ++49 (0)89/87806881-6
Fax: ++49 (0)89/85853-62811
E-Mail: v-r@intime-media-services.deArten der Pressemitteilung:
Wissenschaftliche PublikationenSachgebiete:
Geschichte / Archäologie
Gesellschaft
Kulturwissenschaften
PolitikZu dieser Mitteilung finden Sie Bilder unter der WWW-Adresse:
http://idw-online.de/de/image146822
Cover "Zeithistorische Forschungen" 2/2011: "Politik und Kultur des Klangs im 20. Jahrhundert"Die gesamte Pressemitteilung inkl. Bilder erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/de/news432615Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter:
http://idw-online.de/de/institution1252
Zentrum für Zeithistorische Forschung, Julia Fohmann, 11.07.2011 16:23Neue Ausgabe der Zeithistorische ForschungenDer Sound (in) der ZeitgeschichteZeitgeschichte kann man hören: Wichtige historische Ereignisse und
Entwicklungen sind häufig mit Stimmen, Geräuschen, Klängen oder Musik
verbunden. Goebbels' Frage "Wollt ihr den totalen Krieg?", Kennedys Satz
"Ich bin ein Berliner" oder das Lied "Wind of Change" der Scorpions sind
nur drei bekannte Beispiele. Auch weniger spektakuläre Klänge können für
die Geschichtswissenschaft aufschlussreiche Dokumente sein etwa die
Geräusche einer Stadt oder der Lärm einer Fabrik. Das aktuelle Heft der
Zeitschrift "Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History"
(2/2011) widmet sich dem Thema "Politik und Kultur des Klangs im 20.
Jahrhundert".Neuerdings interessiert sich die Geschichtswissenschaft verstärkt für den
"Sound" in allen seinen Formen. Während die Erforschung von Bildquellen
mit ihren Entstehungs-, Verwendungs- und Wirkungszusammenhängen inzwischen
weitgehend etabliert ist, gibt es für die Interpretation von Tondokumenten
in der Geschichtswissenschaft bisher noch kaum praktische Erfahrungen und
methodische Standards. In populären Formaten der Geschichtskultur hingegen
in Filmen, Radiosendungen, Computerspielen etc. werden Klänge gezielt
eingesetzt, um Atmosphären und Emotionen zu erzeugen oder zu vermitteln.
Die Beiträge des Themenhefts verdeutlichen nun mit Fallstudien zur
Zeitgeschichte, dass Klänge bei weitem nicht nur Hintergrundgeräusche
darstellen. Die Autorinnen und Autoren spüren den politischen und
kulturellen Kontexten und Effekten nach, die in verschiedenen Phasen des
20. Jahrhunderts mit bestimmten Sounds verbunden waren.Yaron Jean befasst sich vor allem für die Zeit des Ersten Weltkriegs mit
der Lautstärke von Waffen. Während zuvor lange gegolten hatte, dass
besonders bedrohliche Waffen auch besonders laut waren, markierten der
Einsatz von Schalldämpfern für Schusswaffen und der Gaskrieg wichtige
Zäsuren. Einem friedlicheren Thema geht Lars Amenda nach: Er beschreibt,
wie die Geräuschkulisse des Hafens in der Stadt Hamburg über Jahrzehnte
als Anker für Lokalpatriotismus und maritime Identität diente und zwar
selbst dann noch, als die ökonomische Bedeutung des Hafens rückläufig war.
Christian Schmidt-Rost zeigt in seinem Aufsatz zum Swing und Jazz in der
DDR und der Volksrepublik Polen, wie unterschiedlich die beiden Staaten
mit dieser zunächst als "imperialistisch" abgelehnten Musik umgingen.
Dabei richtet er ein spezielles Augenmerk darauf, wie Hörerinnen und Hörer
über Radio, Schallplatten und Live-Konzerte Zugang zum Jazz erhielten. Um
das Musikhören als soziales Ereignis sowie als politisches Streitthema
geht es auch bei Detlef Siegfried, der die mobilisierende Kraft der
elektroakustisch verstärkten Musik für die Aufbruchstimmung um 1968
herausarbeitet. Die heute etwas skurril anmutende Frage, ob eine bestimmte
Musik als 'Lärm' oder als 'Kultur' einzustufen sei, beschäftigte damals
mehrfach die Gerichte; aus historischer Perspektive kann dies als
symptomatisch gelten für die allmähliche Erweiterung des
bildungsbürgerlichen Kulturbegriffs.In der Rubrik "Debatte" führen der Soziologe Dominik Schrage, der
Medienwissenschaftler Daniel Gethmann und die Musikwissenschaftlerin
Annegret Fauser jeweils fachspezifische Herangehensweisen für eine
Klanggeschichte des 20. Jahrhunderts vor, weisen aber auch auf fruchtbare
interdisziplinäre Zugänge hin. Wie reizvoll solche Ansätze sein können,
zeigen mehrere Beiträge in der Rubrik "Quellen" über Theodor W. Adorno
als Rundfunkredner, über Schallplatten als zeitgeschichtliche Dokumente
sowie über die Archivierung und Interpretation früherer Klänge aus der
Lebens- und Arbeitswelt des Ruhrgebiets. Nicht zuletzt findet sich in der
Rubrik "Neu gehört" eine Besprechung des aufsehenerregenden
Radio-Hörspiels "War of the Worlds" von Orson Welles aus dem Jahr 1938.
Damit die Leserinnen und Leser dieser und weiterer Beiträge den Sound der
Zeitgeschichte selbst hören können, bietet die Website der Zeitschrift
neben Texten und Bildern an vielen Stellen auch Tondokumente."Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History" wird am
Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (<http://www.zzf-pdm.de>)
herausgegeben von Konrad H. Jarausch, Christoph Kleßmann und Martin Sabrow
in Verbindung mit Zeitgeschichte-online (<http://www.zeitgeschichte-
online.de>). Die Zeitschrift erscheint gedruckt im Verlag Vandenhoeck &
Ruprecht (<http://www.v-r.de>) und zugleich im Open Access (<http://www
.zeithistorische-forschungen.de>).Bei redaktionellen Fragen wenden Sie sich bitte an:
Dr. Jan-Holger Kirsch
Zentrum für Zeithistorische Forschung
Redaktion Zeitgeschichte-online
Am Neuen Markt 1
D-14467 Potsdam
Tel.: ++49 (0)331/28991-18
E-Mail: kirsch@zeitgeschichte-online.de
Internet: <http://www.zeithistorische-forschungen.de>Abonnements, Einzelhefte und Rezensionsexemplare sind erhältlich bei:
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Geschichte / Archäologie
Gesellschaft
Kulturwissenschaften
PolitikZu dieser Mitteilung finden Sie Bilder unter der WWW-Adresse:
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Cover "Zeithistorische Forschungen" 2/2011: "Politik und Kultur des Klangs im 20. Jahrhundert"Die gesamte Pressemitteilung inkl. Bilder erhalten Sie unter:
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