900000 Langzeitarbeitslose ohne Perspektive
Bundesagentur schreibt jeden fünften Hartz-IV-Bezieher ab.
Kritik an geplanten Kürzungen
[Junge Welt vom 16.09.2011]
http://www.jungewelt.de/2011/09-16/053.php
Fast 900000 langzeitarbeitslose Hartz-IV-Bezieher gibt es in Deutschland. Und nach Ansicht der Bundesagentur für Arbeit (BA) werden sie wohl »selbst in ferner Zukunft« keinen Job finden. Die Chancen auf eine Vermittlung in den Arbeitsmarkt stehen für diese Menschen sehr schlecht, heißt es in einer am Donnerstag verbreiteten Studie der Behörde in Nürnberg.
Die Zahl der erfaßten Langzeitarbeitslosen habe sich in den vergangenen fünf Jahren zwar von 1,7 Millionen auf 886000 im Juni 2011 halbiert. Der Sockel der verfestigten Arbeitslosigkeit bröckele, erklärte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. »Wir kommen nun an den harten Kern. Ab jetzt wird jeder Schritt schwerer und die Herausforderung immer größer«, so Alt weiter. »Es bleiben diejenigen zurück, bei denen sich durch verschiedenste Problemlagen eine erfolgreiche Integration in naher, vielleicht auch in weiter Zukunft nicht abzeichnet.«Für den Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit machte er vor allem die Zunahme von Zeitarbeit, befristeter Beschäftigung und den angewachsenen deutschen Niedriglohnsektor verantwortlich.Nach seiner Rechnung benötigten etwa 20 Prozent der knapp zwei Millionen Arbeitslosen im Hartz-IV-System 80 Prozent der Mittel. »Je verfestigter die Arbeitslosigkeit ist, umso mehr müssen wir für Qualifizierung, Trainings, Schuldner- oder Suchtberatung ausgeben.«Das BA-Vorstandsmitglied sieht daher mit Sorge, daß Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Mittel für Arbeitsmarktprogramme in den kommenden Jahren in Milliardenhöhe kürzen will.Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte die Regierung auf, auf die geplanten Kürzungen zu verzichten. Die aktuelle Arbeitsmarktpolitik sei »Ausdruck beachtlicher sozialer Ignoranz«, erklärte deren Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. Reformideen des Bundesarbeitsministeriums im Bereich der Unterstützung für Hartz-IV-Empfänger nähmen eine »Ausgrenzung« von Menschen in Kauf. (AFP/reuters/jW)
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