»In Ziegenhals sollte keine Ruhe einkehren«
[Junge Welt v. 14.09.2011]
http://www.jungewelt.de/2011/09-14/025.php
Freundeskreis der Thälmann-Gedenkstätte hat sein Inventar zurück.
Nun werden neue Räume gesucht. Ein Gespräch mit Max Renkl
Interview: Markus BernhardtMax Renkl ist Vorsitzender des Vereins »Freundeskreis Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals«
Nach langem Ringen hat der »Freundeskreis Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals e.V.« das Inventar aus dem Sporthaus Ziegenhals, in dem die KPD-Führung 1933 die sogenannte »illegale Tagung« durchführte, wieder bekommen. Das Gebäude selbst wurde im vergangenen Jahr trotz massiver Proteste abgerissen. Können Sie sich über die Rückgabe noch freuen? Natürlich. Dieses Etappenziel konnte nur erreicht werden, weil so lange und mit vielen Menschen um diesen Gedenkort gekämpft wurde. Es sollte keine Ruhe in Ziegenhals einkehren, auch nicht nach dem Abriß. Vielen geht es doch so: Das Lenin-Denkmal wurde geschliffen, den Palast der Republik haben sie uns genommen, aber Ziegenhals bleibt unsere Sache, und wir geben es nicht kampflos auf. Der Verkauf der Immobilie mit Gedenkstätte durch die Treuhand, der Abriß des Denkmals, das stinkt doch alles zum Himmel. Die Rückgabe des Inventars gibt uns weiteren Ansporn.
Was führte zu der Rückgabe?
Lange Verhandlungen. Schließlich konnten wir im August einen Vertrag mit der Stadt Königs Wusterhausen unterzeichnen. Darin ist die Übergabe des Inventars geregelt. Dazu gehört, daß die Gegenstände und alle Ausstellungsstücke nur für folgenden Zweck verwendet werden dürfen: sie der Öffentlichkeit und der Forschung zugänglich zu machen. Dieser Passus ist uns wichtig, weil er in Zukunft verhindern hilft, daß Leute sich das Inventar aneignen, um es entweder zu Geld zu machen oder in irgendwelchen Räumen verstauben zu lassen.
Was ist so wichtig an den Gegenständen?
Es ist die »Ziegenhalser Tagung« selbst, die ihren Wert ausmacht. Die KPD, die entschlossen die Keime des deutschen Faschismus bekämpfte, trat eine Woche nach der Machtübertragung an Hitler im Sporthaus Ziegenhals zusammen, um den Sturz der Faschisten zu organisieren. Die Rede Thälmanns dort, seine letzte vor ZK-Genossen der KPD, sticht heraus durch die gründliche Analyse, was nun kommen würde, und enthielt die dringende, bedingungslose Forderung: Einheit aller Antifaschisten, Generalstreik, entschlossener Massenkampf gegen das Naziregime. Thälmann übt in der Rede auch Selbstkritik an den eigenen Fehlern und gibt an, wie sie überwunden werden können. Gerade deshalb diente sie als inhaltliche Vorlage für spätere Beschlüsse der KPD und der KI. Dazu kommt die konspirative Organisierung sowie der Abbruch der Tagung, da auf dem Nachbargrundstück ein SA-Mann beobachtet wurde, so daß sich einige Tagungsteilnehmer mit dem Boot »Charlotte« in Sicherheit brachten. All das macht die Ausstrahlung und Bedeutung von Ziegenhals und dem dazugehörigen Inventar aus.
Ihr Verein hat immer besonders betont, daß das Gedenken an Thälmann und das Erinnern an den antifaschistischen Kampf der KPD an authentischem Ort passieren muß ...
Ja, daran halten wir fest: Der einzig würdige Platz für die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte ist der authentisch-historische Ort. Die Seestraße 27 in Niederlehme-Ziegenhals bleibt für uns Mahn- und Gedenkstätte, mit drei jährlichen Kundgebungen und Veranstaltungen. Niederlehme liegt mitten in der Flugschneise des geplanten Großflughafens. Was uns als Gedenkstätte nicht stört, macht andere Bauvorhaben de facto unmöglich. Umliegende Grundstücke gehen seit Jahren nicht weg, daher denken wir, daß es Chancen gibt, zumindest einen Teil des Grundstücks zurückzubekommen. Darauf werden wir uns jetzt konzentrieren.
Jetzt suchen Sie erst mal Räumlichkeiten, um die Ausstellung an anderem Ort zu zeigen. Gibt es schon Ergebnisse bzw. was genau suchen Sie?
Wir gehen davon aus, daß sich in dem kommenden Jahr entscheiden könnte, wie es auf dem Grundstück weitergeht. Bis dahin und nach neun Jahren unter Verschluß wollen wir die Ausstellung endlich wieder der Öffentlichkeit zeigen. Wir suchen also in und um Berlin eine Zwischenlösung. Diese sollte mindestens 15 bis 20 Quadratmeter groß, gut zugänglich und erreichbar sein. Wichtig wäre, daß dort eine feste Ausstellung installiert werden kann. Für eine solche Lösung und zur Weiterführung unseres Kampfes sammeln wir jetzt verstärkt Spenden.
- Freundeskreis »Ernst-Thälmann-Gedenkstätte«, Kontonr.: 3302254, BLZ 12070000, Deutsche Bank
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