Die Vermessung der Globalisierung
[Nachdenkseiten]
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Globalisierung: Seit das Wort in den 80er Jahren in den allgemeinen Sprachgebrauch überging, war es stets sowohl ein zu erklärendes Problem als auch seine eigene Erklärung ein Rätsel und eine Prophezeiung.
Globalisierung: Seit das Wort in den 80er Jahren in den allgemeinen Sprachgebrauch überging, war es stets sowohl ein zu erklärendes Problem als auch seine eigene Erklärung ein Rätsel und eine Prophezeiung.
Die Literatur zum Thema war voller Verwunderung oder Verzweiflung, ja sogar Entsetzen und vermittelte den schwindelerregenden Eindruck des Blicks über den Rand eines Abgrunds ins Ungewisse. Das vertrackte kleine Suffix "-isierung" deutet auf einen Prozess hin noch nicht Geschichte und vielleicht sogar jenseits aller Geschichte.
Das Wort impliziert die Vorstellung eines Ziels auf das historische Vorgänge zusteuerten oder aber die triumphale Verkündigung eines post-historischen Zeitalters, in dem Bewegung alles ist, aber nichts sich jemals ändert.
Tagesspiegel http://www.tagesspiegel.de/zeitung/die-vermessung-der-globalisierung/4582514.html Anmerkung Orlando Pascheit: Die Ausführungen der beiden Autoren in diesem Auszug sind etwas abstrakt, aber es ist zu vermuten, dass ihr Buch als Ganzes konkreter ausfällt. Sympathisch fällt die Formulierung auf, dass die globalisierte Welt, in der wir heute leben, "ein vollständig von Menschenhand geschaffenes Artefakt ist." Seit langem ist es ein Anliegen der NachDenkSeiten aufzuzeigen, dass die heutige Form der Globalisierung nicht vom Himmel gefallen ist und nicht Sachzwängen gleich Naturgesetzen gehorcht, sondern Menschenwerk ist, d.h. von interessierten Parteien in's Werk gesetzt wurde. Hinzu kommt, dass die Kapitalfraktionen dem Begriff Globalisierung häufig instrumentalisieren, um auf die Arbeitnehmerseite Druck auszuüben.
Traurig, aber wahr ist es, dass manch ein Politiker willentlich oder auch unwissentlich, solche Scheinargumentation aufgreift. Vor längerer Zeit hat ein bekannter Berliner Politiker in einer Talkshow doch tatsächlich behauptet, dass die Löhne in Berlin unter dem Druck der Löhne in Peking stünden. Andererseits wäre es verheerend, die besondere Qualität der heutigen Form der Globalisierung zu leugnen.
Sonst endet der Streit darüber wie in einer Brechtschen Parabel über einen Philosophenstreit im alten China: "Bei der Diskussion der Frage 'Ist der Gelbe Fluss wirklich, oder existiert er nur in den Köpfen' wurde der Kongress der Weisen vom Hochwasser überrascht und kam um."
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