Montag, 12. September 2011

#Biogas #ist #kein #Heilsbringer [via Neues Deutschland]

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Biogas ist kein Heilsbringer

NABU-Studie in Schleswig-Holstein belegt unerwünschte Nebenwirkungen


Vom Landwirt zum Energiewirt – Agrarwirtschaft im Wandel: Statt Kühe füttern immer mehr Bauern Biogasanlagen. Der NABU in Schleswig-Holstein spricht in diesem Zusammenhang lieber von Agrogasanlagen, weil das Etikett »Bio« eigentlich positiv besetzt sei und die bäuerliche Entwicklung in Sachen Biomasse der Ökobilanz zunehmend Schaden zufüge, besonders zu sehen beim einseitigen Maisanbau.
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Energiemaisfeld bei Bremervörde
Foto: dpa/C. Jaspersen

Was für den Geldbeutel lukrativ sein mag, nämlich der Abschied von Rinderstall und Weideflächen zugunsten der Biogaserzeugung, birgt Risiken und Nebenwirkungen für die Umwelt. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer jetzt vom Naturschutzbund (NABU) Schleswig-Holstein vorgestellten Studie. Darin wurden insbesondere Auswirkungen auf die Böden, das Wasser, die Tier- und Pflanzenvielfalt vor Ort und die Fernwirkungen durch Agrarimporte analysiert.

Im Zuge der Energiewende tut sich mit der Stromerzeugung aus Biogas ein neues Feld auf. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz erhalten Landwirte je nach Anlagengröße bis zu zwölf Cent für die Kilowattstunde Strom. Die Errichtung solcher Anlagen, von denen sich knapp ein Drittel der bundesweit über 6000 in Bayern befinden, wird ebenfalls subventioniert.

Eine Schlüsselrolle bei den hierzulande angebauten nachwachsenden Rohstoffen spielt bislang der Mais. Ein Hektar Energiemais wird laut NABU derzeit mit 2000 Euro pro Jahr subventioniert. Der Haken dabei: Mais-Monokulturen erstrecken sich in Deutschland laut NABU inzwischen über eine Fläche von fast 800 000 Hektar. Vor sechs Jahren waren es noch 70 000 Hektar.

Mais für den Futtertrog dagegen ist weiter auf dem Rückzug. Die schwindende heimische Futtermittelproduktion wird durch Sojaimporte aus Südamerika kompensiert, was in Brasilien und Argentinien zur Umwandlung von Weideland und Urwäldern in Ackerland führt. Das wiederum verschlechtert die Klima- und Treibhausbilanz auf dem anderen Kontinent.

Für die Agrogasproduktion wird in Schleswig-Holstein kilometerweit Mais aus Mecklenburg-Vorpommern und aus Dänemark herangekarrt. Bei den wenigsten Anlagen erfolgt eine sinnvolle Abwärmenutzung. Für den NABU steht fest: Durch beide Faktoren ist der Energiegewinn kaum größer als der Energieverbrauch. Zu den Folgen einer »Vermaisung« der Landschaft zählt überdies die steigende Nitratbelastung von Grundwasser, Flüssen, Bächen und Seen – eine künftige Problemzone, weil die EU-Wasserrahmenrichtlinien immer schärfer werden. Mehr Maiskulturen bedeuten ferner, dass Wildschweinbestände Überhand nehmen, während Populationen von Storch, Star, Rebhuhn, Greifvögeln, Feldlerche, Wachtel und Kiebitz zurückgehen. Es finden sich zudem weniger Wildkräuter.

Der Biogas-Boom hat dafür gesorgt, dass die Pacht- und Kaufpreise für landwirtschaftliche Flächen gewaltig in die Höhe geschnellt sind. Das bedroht die Existenz vieler Milchviehhalter ähnlich stark wie die zu niedrigen Milchpreise.

Weitere Informationen: schleswig-holstein.nabu.de

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