Donnerstag, 13. Juni 2013

Wird die Prozesskostenhilfe doch gekürzt? SPD + Grüne gerieren sie sich doch gerne als ... als Schützer der Demokratie.


 

Wird die Prozesskostenhilfe doch gekürzt?

von Berthold Bronisz

 

[via scharf-links.de]

http://scharf-links.de/41.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=36276&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=4dc5834f1b

 


Sah es im Mai diesen Jahres noch so aus, als wäre die Kürzung der Prozesskostenhilfe gestoppt, sieht es im Juni schon wieder ganz anders aus. Gemeinsam mit den CDU/CSU geführten Landesregierungen haben die von SPD und Grünen regierten Länder am Freitag letzter Woche die Prozesskosten- und Beratungshilfereform, -Gesetz zur Änderung des Prozesskostenhilfe- und Beratungshilferechts-, gestoppt und in den Vermittlungsausschuss überwiesen.

Alleine das Land Brandenburg, welches von DIE LINKE. mit regiert wird, stimmte den Antrag nicht zu. Warum ausgerechnet SPD und Grüne der Überweisung zugestimmt haben ist nicht nachvollziehbar, gerieren sie sich doch gerne als staatstragend und als Schützer der Demokratie.

Mit der Überweisung in den Vermittlungsausschuss wurde der Weg in eine "Zweiklassen-Justiz" geebnet und deutlich gemacht, dass man einen Teil der Gesellschaft schon abgeschrieben hat.

Doch keine Prozesskosten- und Beratungshilfe für viele hunderttausend Menschen?

Recht soll nur der bekommen, der auch das Geld dazu hat. Jene, die man mit Hartz IV in den sozialen Abgrund gestoßen hat, werden mehrheitlich nicht mehr um ihr Recht kämpfen können. Wenn es nach SPD und Grüne geht, sollen sie das augenscheinlich auch nicht.

Bei der Prozesskosten- und Beratungshilfe geht es übrigens nicht nur um Rechtsstreitigkeiten vor den Sozialgerichten. Zwei Drittel der mit Prozesskostenhilfe durchgeführten Verfahren fanden vor Familiengerichten statt.

www.berthold-bronisz.de/index.php/arbeit-und-soziales/195-wird-die-prozesskostenhilfe-doch-gekuerzt


VON: BERTHOLD BRONISZ




--->>> H&M will einen Betriebsrat loswerden, mal wieder [via verdi.de]


H&M will einen Betriebsrat loswerden, mal wieder

 
[via verdi.de]
 
 

 

Der erfahrene Betriebsratsvorsitzende Damiano Quinto arbeitet seit 14 Jahren beim Modekonzern H&M in Trier.

Nun liegt ihm der vierte Antrag zur fristlosen Kündigung vor. In dem Kündigungsschreiben heißt es, er habe als Beisitzer der Einigungsstelle nicht die wirtschaftlichen Interessen der Firma H&M vertreten.

Damiano setzt sich offenkundig für das H&M-Personal ein und bezieht sich in seiner Argumentation ausschließlich auf den festgelegten Manteltarifvertrag.

H&M möchte tarifvertragswidrig total flexible Arbeitnehmer, die auf Abruf sofort in den Betrieb eilen.

Dies möchte Damiano Quinto nicht akzeptieren und setzt sich mit Hilfe von ver.di für ein Arbeitszeitmodell entsprechend den tariflichen Möglichkeiten ein.

 

Links:

Flugblatt mit der Unterschriftenliste

Petition bei change.org an die H&M Geschäftsführung Hamburg zur Rücknahme der beabsichtigten fristlosen Kündigungen

Flugblatt mit Unterschriftenliste für Damiano Quinto



Montag, 10. Juni 2013

Studie zeigt: Zeitungen kuschen häufig bei Berichten über Reichtum [via Rosalux]


Mutlose Medien
[Rosalux - Ausgabe 01 - 2013 - Seite 22]
"Der Journalismus zerbreche sich mehr den Kopf über die Probleme der Reichen
als über die Folgen der Zusammenballung privaten Reichtums für den Rest der Gesellschaft.
Eine Auseinandersetzung mit der Macht privater Großvermögen finde nicht statt."
 



Samstag, 8. Juni 2013

gleich 15:05 Uhr auf #wdr5 "Unterhalung am Wochenende" u. a. mit Helmut Schleich und Max Uthoff [d. Radioanempfehlung]


 
Unterhaltung am Wochenende
 
Sendung vom 08.06.2013,
 
15:05 bis 16:55 Uhr
 
[via wdr5.de]
 
 

 

Unterhaltung am Wochenende

WDR-Kabarettfest aus Bonn mit Martin Zingsheim, Max Uthoff, Helmut Schleich und pro:c-dur

Die Mischung macht's: hochpolitisches Kabarett, satirische Höhenflüge, große Bühnenkunst und ultramoderne Klassiker präsentiert das WDR-Kabarettfest aus dem Bonner Pantheon, wie immer moderiert von Tobias Mann.

Mit dabei in der Juni-Ausgabe sind aus Bayern die Kabarettisten Helmut Schleich und Max Uthoff, zwei Spitzenkräfte ihrer Zunft. Für die Musik sorgen Martin Zingsheim mit bösen Liedern am Flügel sowie das Duo pro:c-dur mit Timm Beckmann und Tobias Janssen, am Geflügel und an der Gitarre, die mal eben die gesamte klassische Musik neu erklären: ob E oder U - ihre Inszenierungen machen einfach nur Spaß - auch im Radio.

Aufnahme vom 03. Juni 2013 aus dem Pantheon in Bonn

Redaktion:

Anja Iven



Erster niedersächsischer Ministerpräsident...Kopf profitierte von dem Vermögen ermordeter Juden [via Nordwestradio]


Nordwestradio Journal

Hinrich Wilhelm Kopf und die Nazis

 
[via Nordwestradio]
 
 

 

Erster niedersächsischer Ministerpräsident mit dunkler Vergangenheit

Er war der erste Ministerpräsident Niedersachsens und eine Identifikationsfigur der Sozialdemokratie: Hinrich Wilhelm Kopf. Jetzt hat eine Historikerin sein Leben vor 1945 genauer beleuchtet und Erschreckendes gefunden. Kopf hatte an Enteignungen während der Nazi-Zeit mitgewirkt und dabei gut verdient. Die niedersächsische SPD möchte sein Leben nun neu bewerten.

 

Nach der Vorstellung der Biografie "Hinrich Wilhelm Kopf – ein konservativer Sozialdemokrat" der Historikerin Teresa Nentwig schlussfolgerte die Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtages Gabriele Andretta: "Man wird das Leben von Hinrich Wilhelm Kopf neu bewerten müssen". Es bestehe kein Zweifel mehr daran, dass Kopf sich in den Diensten des verbrecherischen NS-Regimes schuldig gemacht habe.

Kopf profitierte von dem Vermögen ermordeter Juden

Nentwig hatte recherchiert, dass Hinrich Wilhelm Kopf während der deutschen Besatzung Polens von 1939 bis 1944 als Mitarbeiter der nationalsozialistischen Behörde "Haupttreuhandstelle Ost" an der Verwertung des Vermögens der verfolgten und ermordeten jüdischen Bevölkerung Polens beteiligt war und von dieser Arbeit auch persönlich profitiert hat.

Dunkle Vergangenheit, [2:02] http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/nordwestradio_journal/audio112840-popup.html


Biografie beleuchtet Hinrich Wilhelm Kopf und sein Leben vor 1945

Modder: "Kopfs Leben neu bewerten"

Die Fraktionsvorsitzende der SPD im niedersächsischen Landtag, Hanne Modder.

"Mitläufer wie Hinrich Wilhelm Kopf haben dazu beigetragen, dass das nationalsozialistische Unrechtsregime alle Bereiche des Lebens durchdringen und in den besetzten Gebieten während des Zweiten Weltkrieges eine brutal-effiziente Verwaltung aufbauen konnte", sagt Johanne Modder, SPD-Fraktions-vorsitzende im niedersächsischen Landtag. Kopf habe über seine enge Verstrickung in die NS-Verwaltung nach dem Krieg die Unwahrheit gesagt.

Die neuen Erkenntnisse der Wissenschaftlerin Teresa Nentwig müssten dazu führen, dass sich die historische Kommission für Niedersachsen und Bremen jetzt ausführlich mit der Bewertung der Person Kopf und seines Lebens auseinandersetzt. Nordwestradio-Moderator Tom Grote sprach mit Johanne Modder.

Gespräch Johanne Modder, [5:27]  http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/nordwestradio_journal/audio112838-popup.html
Muss die Biografie Hinrich-Wilhelm Kopfs neu bewertet werden?





Freitag, 7. Juni 2013

Wie Großkonzerne politische Entscheidungen attackieren - mehr um 20:15 Uhr in #MONITOR auf #tagesschau24

 

 


Geheimes Parallelrecht

Wie Großkonzerne politische Entscheidungen attackieren

 
Bericht: Stephan Stuchlik, Frauke Steffens
 
Monitor Nr. 648 vom 06.06.2013
 
Wiederholung am 07.06.2013 um 20:15 Uhr auf tagesschau24
 
[via wdr.de]
 
 

 

Georg Restle: "Und jetzt zu einer Geschichte, die sich wortwörtlich im Verborgenen abspielt. Es geht um den Einfluss großer multinationaler Konzerne, die Entmachtung der Politik und um geheime Verfahren, die uns Steuerzahler sehr viel Geld kosten können. Klingt wie eine Verschwörungstheorie, ist aber politische Realität. Die Rede ist von so genannten „Investitionsschutzabkommen". Internationale Verträge, mit denen Großkonzerne ihre Interessen gegenüber Staaten, an Gerichten vorbei, durchsetzen können. Oft geht es dabei um Milliardenbeträge, um die hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. Die Öffentlichkeit bekommt davon meist nichts mit. Und selbst Politiker staunen, wie ihnen hier die Macht des Handelns aus der Hand genommen wird. Stefan Stuchlik und Frauke Steffens bringen Licht ins Dunkel."

Prozesse im Hinterzimmer. Firmen gegen Staaten. Großkonzerne wie Chevron, Philip Morris und Vattenfall. Es geht um Milliarden und um große Politik. Kaum jemand weiß von diesen geheimen Verfahren, zu denen die Öffentlichkeit keinen Zugang hat. Die Verhandlungsgrundlage: So genannte Investitionsschutzabkommen. Sie weiß, was sich dahinter verbirgt: Pia Eberhardt forscht seit Jahren über solche internationalen Verträge. Auch Deutschland hat diese Verträge abgeschlossen, eigentlich um deutsche Firmen im Ausland vor Enteignung zu schützen.


Pia Eberhardt, Corporate Europe Observatory (CEO): „Um solche Diskriminierung oder direkte Enteignung, also die Wegnahme von einer Fabrik, was man sich das vorstellt, geht es heute überhaupt nicht mehr in diesem Verfahren. Das war vielleicht mal früher die Idee, aber was wir haben, ist ein völlig mutiertes Rechtssystem, das sich heute eben nutzen lässt, richtig zur Bekämpfung von demokratischer Politik im öffentlichen Interesse. Darum geht's."


Ein mutiertes Rechtssystem, die Folgen mussten die Bürger der Stadt Hamburg erleben. 2009 - die halbe Stadt geht gegen das Kohlekraftwerk Moorburg auf die Straße. Die Grünen machen Wahlkampf gegen das Kraftwerk und kommen in die Regierung. Jetzt haben sie das Umweltressort und wollen strenge Umweltauflagen erlassen. Vattenfall zieht die Karte mit dem Geheimverfahren, drei Anwälte treffen sich in Paris, der Anwalt von Vattenfall fordert 1,2 Milliarden Euro Schadensersatz, Deutschland gibt nach, das Kraftwerk Moorburg geht mit weniger Umweltauflagen ans Netz. Die Regierung in Hamburg wird über die Pariser Entscheidung nur in Kenntnis gesetzt. Auch der Staatssekretär ist vollständig überrumpelt. Die politischen Entscheidungen des Senats: wertlos.

Christian Maaß, ehemaliger Staatsrat Umweltbehörde Hamburg Rechte: WDR 

Christian Maaß, ehemaliger Staatsrat Umweltbehörde Hamburg

Christian Maaß, ehemaliger Staatsrat Umweltbehörde Hamburg: „Es ist eine ziemlich absurde Situation. Wenn man wie ich über Jahre Umweltrecht studiert hat und angewendet hat, die Rechtsprechung kennt, denkt man eigentlich, man weiß so ziemlich genau, um was es geht und was man machen kann und was man nicht machen kann. Und dann kommen Sie auf einmal…, dann werden Sie vor ein Schiedsgericht gezerrt, wo drei Leute - von denen einer jeweils auch von den Parteien benannt wird - auf einmal darüber entscheiden sollen, ob das, was Sie gemacht haben, rechtmäßig ist oder nicht."


Und deshalb ist das möglich: Vattenfall genießt als ausländisches Unternehmen Sonderschutz und kann vor ein Schiedsgericht mit drei Anwälten ziehen. Ein paralleles Recht. Ein deutsches Unternehmen müsste parlamentarische Entscheidungen über reguläre Gerichte anfechten. Ein ausländisches Unternehmen kann mithilfe der Investitionsschutzabkommen eine Abkürzung nehmen.


Im Parallelrecht entscheidet ein drei-Personen-Schiedsgericht, Widerspruch nicht mehr möglich. Und so sehen die Schutzverträge aus: drei Seiten DIN A4, alles dehnbare Paragraphen. Die Bundesrepublik Deutschland etwa garantiert anderen Ländern, dass ihre Firmen, etwa Vattenfall, „vollen Schutz" bekommen und „gerecht und billig" behandelt werden. Mit solchen Paragraphen versuchen Firmen weltweit, politische Entscheidungen anzufechten.

Pia Eberhardt, Corporate Europe Observatory (CEO) Rechte: WDR 

Pia Eberhardt, Corporate Europe Observatory (CEO)

Pia Eberhardt, Corporate Europe Observatory (CEO): „Man hat im Investitionsschutzabkommen sehr viel weitgehenderen Eigentumsschutz. Man hat auch keinen Verweis auf so was wie ein öffentliches Interesse, was deutsche Gerichte durchaus berücksichtigen in ihrer Rechtsprechung. Also die Rechtsgrundlage ist anders. Dann haben wir ja in nationalen Gerichten zum Beispiel öffentliche Anhörungen im Gerichtsverfahren. Die sind in der Regel nicht öffentlich in Investor-Staat-Verfahren, sondern finden hinter verschlossenen Türen in irgend einem Hotelzimmer in London, Washington oder Paris statt."

Und es werden ständig mehr.

1995 gab es weltweit nur drei dieser Milliardenverfahren, im Jahr 2012 schon 50, insgesamt 419. Der ehemalige Verfassungsrichter Prof. Winfried Hassemer hat massive Bedenken gegen die Praxis dieser Schiedsverfahren.

Prof. Winfried Hassemer, ehemaliger Verfassungsrichter: „Es geht darum, dass der Verdacht nicht abzuweisen ist, dass es nur eine ganz kleine Gruppe von Leuten gibt, die das eigentlich entscheiden und die dann das Ganze auch nicht öffentlich machen. Und es geht halt darum, dass man den Verdacht nicht los wird, dass hier Leute am Werk sind, die befangen sind. Also, die ein bestimmtes Interesse daran haben, dass ein bestimmtes Verfahren so und nicht anders verläuft."

Firmen greifen politische Entscheidungen in Hinterzimmern an, ein Riesengeschäft für Anwaltskanzleien. Die neue Studie zeigt, wie klein der Kreis derer ist, die überhaupt in diesen Milliardenverfahren mitwirken: Nur 15 Schiedsrichter weltweit entscheiden 55 Prozent aller Verfahren. Und sie wechseln dabei noch ständig die Seiten. In einem Verfahren vertritt ein Anwalt noch den beklagten Staat, im nächsten ist er Schiedsrichter, im dritten Verfahren vertritt er das klagende Unternehmen. Zumeist siegen die Firmen.

Die jüngste UN-Statistik zeigt, im Jahr 2012 wurden 70 Prozent aller Fälle für die Unternehmen entschieden. Jetzt soll auch die große politische Richtungsentscheidung, der Atomausstieg, vor einem geheimen Schiedsgericht verhandelt werden. Eine Entscheidung, hinter der die Mehrheit der Bevölkerung steht, eine politisch getroffene Entscheidung, vom Parlament beschlossen, von der Kanzlerin verkündet. Dagegen ist wieder der ausländische Konzern Vattenfall, er kann seine Atomkraftwerke nicht weiter betreiben. Vattenfall fordert eine

Zitat: „Entschädigung für die Schließung der deutschen Kraftwerke und Einrichtung eines Schiedsgerichts."

Eines dieser geheimen Schiedsgerichte also.

Zwei alte Meiler betreibt Vattenfall, Krümel und Brunsbüttel, beide haben sich schon lange amortisiert, Technik aus den 70er Jahren, jetzt will Vattenfall mindestens 3,7 Milliarden Euro Schadensersatz, in einem Hinterzimmer-Verfahren. Vattenfall wählt also den schnelleren und aussichtsreicheren Weg über das Schiedsverfahren, während deutsche Energieversorger wie E.on oder RWE vor dem Verfassungsgericht klagen müssen. Vattenfalls Anwalt Richard Happ will nicht vor deutsche Gerichte.

Richard Happ, Rechtsanwalt Kanzlei Luther: „Sie müssen erst einmal vors Verfassungsgericht ziehen, Sie müssen Recht bekommen. Und dann müssen Sie hoffen, dass das Verfassungsgericht eine Entschädigungsregel anordnet und dann muss das Parlament eine Entschädigungsregel verabschieden und erst wenn das verabschiedet worden ist, kriegen Sie vielleicht irgendwann Geld."

Franziska Keller, B'90/Die Grünen, MdEP Rechte: WDR 

Franziska Keller, B'90/Die Grünen, MdEP

Franziska Keller, B'90/Die Grünen, MdEP, Ausschuss für internationalen Handel: „Für mich ist es das Schockierende, dass es eine breite gesellschaftliche Mehrheit gibt und gab für den Atomausstieg und es gab eine parlamentarische Mehrheit dafür. Es gibt ein Gesetz zum Atomausstieg und jetzt kommt Vattenfall daher und sagt, nee, das wollen wir so nicht und wir verklagen Deutschland auf einem völlig intransparenten Weg. Die meisten Bürgerinnen und Bürger in Deutschland haben sicher davon noch nicht mal was mitbekommen und können unglaublich viel Geld verlangen von Deutschland."

Sie versucht, in Brüssel die Geheimverfahren abzuschaffen: Franziska Keller vom Ausschuss für internationalen Handel. Ihrer Erfahrung nach spricht sich bei den EU-Verhandlungen aber eine Nation eindeutig und immer für das parallele Recht aus: die Bundesrepublik Deutschland.

Franziska Keller, B'90/Die Grünen, MdEP, Ausschuss für internationalen Handel: „Die Bundesregierung sieht sich anscheinend als Vertreterin der großen industriellen Interessen Deutschlands, wie sie das verstehen. Es geht hier nicht um die Bürgerinnen und Bürger Europas, es geht nicht um kleine Unternehmen, es geht hier nur um die großen Unternehmen, ohne zu beachten, dass ihnen diese Investitionsschutzabkommen auch ganz leicht selbst auf die Füße fallen können."

Die Firmen bedanken sich für die deutsche Politik. Amerikanische Unternehmen denken schon darüber nach, in Europa gegen Fracking-Verbote vorzugehen. Natürlich mit geheimem Schiedsverfahren.

Georg Restle: "Ein Grundpfeiler der Demokratie ist die Transparenz politischer Entscheidungen; ein Grundsatz des Rechtsstaats die Öffentlichkeit des Verfahrens. Solche Abkommen und solche Hinterzimmer-Deals haben damit nichts mehr zu tun. Vielleicht denken unsere Bundesminister mal daran, auf was sie da eigentlich ihren Amtseid geschworen haben, wenn sie künftig ein solches Abkommen unterzeichnen."




Hartz 5 - Ein Hartz IV-Roman [die Leseanempfehlung via scharf-links.de]


Hartz 5 - Ein Hartz IV-Roman
 

von Peter Hetzler

 

[via scharf-links.de]

 

http://scharf-links.de/41.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=36081&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=2e6a55914e


So einen Hartz IV-Roman gab es noch nie. Hier lernt man nicht nur die kafkaesk anmutenden und teilweise entwürdigenden Bedingungen kennen, denen Hartz IV-Bezieher unterworfen sind. Hier gibt es auch die Erwerbsloseninitiative „Hartz 5", deren Mitglieder die Jobcenterbürokratie mit unkonventionellen Methoden und anarchischem Witz aufmischen.

Ein informativer, authentischer und unterhaltsamer Roman über eines der großen sozialen Probleme unserer Zeit – und ein diebisches Lesevergnügen. Der 1955 geborene Autor ist Journalist (Schwerpunkt Sozialpolitik) und Mitarbeiter einer Erwerbslosengruppe. Viele der geschilderten Situationen haben sich so oder ähnlich tatsächlich zugetragen.

Leseprobe Peter Hetzler | Hartz 5 – Ein Hartz IV-Roman | Kapitel 1 1 Sie kamen am frühen Morgen und klingelten sich in ihren Schlaf. SanSan drehte sich um, aber sie klingelten weiter. Es nervte. Es drängte. Es klingelte Sturm. Wer konnte das sein? Um diese Uhrzeit??? Gefühlsmäßig schätzte sie die Zeit auf fünf. Maximal. Aber die Zeiger des Weckers, den sie anblinzelte, standen auf zehn nach sieben. Es klingelte wieder. Scheiße, dachte sie, als sie in Pulli und Jeans krabbelte: Wer, verdammt, konnte das sein?

Ihren Anblick im Spiegel ignorierte sie. Mit ihren schulterlangen braunen Haaren, die ihr ungekämmt ins Gesicht fielen, sah sie ziemlich verwuselt aus. Kaum hatte sie geöffnet, standen sie in der Wohnung. „Guten Tag, sind Sie Frau Sanders – Sandra Sanders?" fragte der Mann. SanSan blinzelte. Müde. „Steht an der Klingel, oder?" „Da steht SanSan." „Ist die Abkürzung." „Schön, Frau Sanders. Mein Name ist Winter, Bernhard Winter, und das", er zeigte auf das schüchterne kleine Ding, das irgendwie neben ihm zu verschwinden schien, „ist Frau Maiwald. Wir kommen vom Jobcenter und wollten sehen, ob bei Ihnen alles in Ordnung ist."

Er wedelte mit einem Ausweis, auf dem SanSan ohne Brille nichts erkennen konnte. Sie war noch halb in ihrem Traum. Da hatte sie gerade ein ziemlich gut aussehender Typ angegraben. Anscheinend stand er auf braunhaarige Frauen Anfang vierzig, die ein bisschen molliger um die Hüften waren, denn er hatte seine warmen Hände gerade mit sanftem Lächeln … „Ja, dann wollen wir mal." Winter war in der Küche, bevor SanSan in der Gegenwart angekommen war. Er sah nicht aus wie der feingliedrige Lover aus ihrem Traum. Mehr wie Masse ohne Profil. „Was soll das?" SanSan schlurfte unentschlossen hinter ihm und Maiwald her. „Wissen Sie eigentlich, wie spät es ist?" „Es ist schon nach sieben, und Sie sollten auf Arbeitssuche sein, statt untätig im Bett zu liegen." Winter hielt ein Glas mit Nussnougatcreme in der einen und ein Honigglas in der anderen Hand. „Nutella und Langnese-Honig. Können Sie sich von Ihrem Arbeitslosengeld Markenprodukte leisten, Frau Sanders?" SanSan lehnte sich gegen den Rahmen der Küchentür. Sie schüttelte den Kopf.

Das war nicht wahr, oder? „Ich habe Ihnen eine Frage gestellt, Frau Sanders." Winter sah sie fordernd an. „Und ich habe Ihnen keine Antwort gegeben." SanSan wollte es nicht glauben. „Es geht Sie doch wohl nichts an, was ich mir morgens aufs Brot schmiere, oder?" „Da irren Sie sich, Frau Sanders." Winter öffnete den Kühlschrank. „Eier von freilaufenden Hühnern. Wovon bezahlen Sie das, Frau Sanders? Sie wissen, dass Sie jeden Verdienst angeben müssen?" „Ich weiß vor allem, dass ich diese Nummer hier gerade ziemlich widerlich finde." Langsam kroch Wut in ihr hoch. „Was soll das?" „Wie ich schon sagte, Frau Sanders." Winter schloss die Kühlschranktür. „Wir sind Sozial-Detektive und besuchen im Auftrag des Jobcenters Hartz IV-Empfänger, um Sozialbetrug aufzudecken." „Ach – und wieso kommen Sie da zu mir?" „Routine, Frau Sanders, reine Routine. Wir schauen überall mal rein." Er deutete auf Litschi-und Pitahayafrüchte in der Obstschale. „Die sehen auch nicht billig aus. Wo haben Sie die denn her?" „Die wachsen bei mir im Garten." „Die wachsen in Ihrem Garten?" echote Winter. „Diese Früchte?"

Er hielt eine Pitahaya hoch und drehte sie prüfend hin und her. „Wie heißen die denn?" „Die heißen Werdummfragtkriegtdummeantworten, und ich habe sie geschenkt bekommen. Und jetzt möchte ich Sie bitten, meine Wohnung zu verlassen. Das ist mir echt zu blöd, hier." „So geht das nicht, Frau Sanders." Winter legte die Pitahaya in die Schale zurück. „Wenn Sie Nebeneinkünfte haben, muss das angegeben werden. Frau Maiwald", er drehte sich zu seiner Kollegin, „notieren Sie: Frau Sanders wird aufgefordert, Ihrem Fallmanager eine Liste mit allen im vergangenen Monat geschenkt bekommenen Lebensmittel aufzustellen.

Und wir", wandte er sich wieder an SanSan, „sind noch nicht fertig. Wir müssen auch die anderen Räume ansehen." „Aber ich bin mit Ihnen fertig." SanSan war jetzt wach. „Also raus, oder ich erstatte Anzeige wegen Hausfriedensbruch." Winter war schon auf dem Weg zu ihrem Schlafzimmer. „Wir haben das Recht, Ihre Wohnung zu inspizieren, Frau Sanders, das können Sie uns nicht verbieten", tönte er aus dem Flur. SanSan war schneller. Sie drückte sich an ihm vorbei, zog die Schlafzimmertür, die er öffnete, so schnell wieder zu, dass sie Winter, der den Kopf bereits halb im Zimmer hatte, gegen die Stirn knallte.

Er schrie. Maiwald starrte SanSan erschrocken an. „Und jetzt raus hier. Alle beide. Sofort." SanSan hatte den Flur durchquert und hielt die Wohnungstür auf.

Einen Moment lang passierte nichts. Maiwald starrte Winter an. Winter starrte SanSan an.

Dann schob sich Winter, mit der linken Hand die Stirn reibend, in den Flur, Maiwald folgte, und als SanSan die Tür hinter ihnen ins Schloss fallen ließ, hörte sie Winter im Hausflur krakeelen: „Das wird Ihnen noch leid tun, Frau Sanders. Das wird Ihnen noch sehr leid tun."

Copyright: © Peter Hetzler 2013 Weiterlesen in: Peter Hetzler: Hartz 5 – Ein Hartz IV-Roman Printausgabe: 153 Seiten, Paperback, 9,90 Euro, ISBN 978-3-7322-3790-6, Books on Demand E-Book: 5,49 Euro, ISBN 9783848282784

Bestellen kann man Buch und E-Book in jedem Buchladen und Online-Buchshop (Lieferzeit ca. 1 Woche)

Rezensionsexemplare für Journalisten & Blogger:
www.bod.de/index.php?id=3144
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VON: PETER HETZLER