Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG), Dr. Marcus Neitzert,
06.04.2010 15:13 Physiker mahnen zur Abschaffung der Atomwaffen: Stellungnahme der DPG Die Deutsche Physikalische Gesellschaft ruft die Staatengemeinschaft
dazu auf, die weltweite atomare Abrüstung weiter voranzutreiben. Die Diskussion über den Abbau von Atomwaffen ist in Bewegung geraten:
In dieser Woche unterzeichnen Russland und die USA ein neues
strategisches Abrüstungsabkommen. Angesichts dieser Entwicklung und
vor dem Hintergrund der im Mai in New York stattfindenden
Überprüfungskonferenz des Vertrages über die Nichtverbreitung von
Atomwaffen, an der Delegierte aus über 180 Nationen teilnehmen, ruft
die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) die Staatengemeinschaft
dazu auf, die weltweite atomare Abrüstung weiter voranzutreiben. Als
erste Schritte sollten ein allgemeiner Verzicht auf den Ersteinsatz
von Atomwaffen sowie der längst überfällige Abzug der sogenannten
taktischen Nuklearwaffen aus Deutschland und Europa erfolgen, fordert
die DPG. Die Stellungnahme im Wortlaut: Die Deutsche Physikalische Gesellschaft hat seit über 50 Jahren in
verschiedenen Erklärungen zur Notwendigkeit der atomaren Abrüstung
Stellung genommen und hat sich dabei von der Verantwortung leiten
lassen, die Physikerinnen und Physiker für die Existenz von Atomwaffen
in dieser Welt tragen. Auch heute, in den Tagen vor der
Überprüfungskonferenz zum Nichtverbreitungsvertrag im Mai 2010 in New
York, erscheint es uns notwendig, auf die nach wie vor bestehende
atomare Bedrohung hinzuweisen. Wir können zwar mit einer gewissen Erleichterung feststellen, dass
seit Mitte der 1980er Jahre von den damals vorhandenen über 70.000
Atomwaffen ein Großteil abgebaut worden ist. Dennoch reichen die heute
stationierten Atomwaffen immer noch aus, die moderne Zivilisation
auszulöschen. Auch hat sich an der grundsätzlichen Inhumanität der
Atomrüstungen nichts geändert, denn ihr Einsatz würde militärische
Ziele und die Zivilbevölkerung unterschiedslos treffen und wäre nach
dem Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs generell
unvereinbar mit dem bestehenden humanitären Völkerrecht. Neben der globalen Bedrohung durch die stationierten Arsenale ist die
Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen akut. Es ist zu
befürchten, dass ein regionaler Atomwaffeneinsatz wahrscheinlicher
wird, wenn mehr Staaten oder gar Terrorgruppen über waffenfähiges
Spaltmaterial verfügen. Wir können nicht akzeptieren, dass immer noch an der Weiterentwicklung
von Atomwaffen gearbeitet wird und empfinden diese Aktivitäten als
unvereinbar mit den ethischen Grundsätzen, zu deren Beachtung wir uns
als Wissenschaftler verpflichtet sehen*. Zwanzig Jahre nach dem Ende
des Kalten Krieges ist die Zeit gekommen, die Entwicklung neuer
Atomwaffen und die Vergeudung wertvoller Ressourcen dafür endlich
vollständig einzustellen und international zu ächten. Wir appellieren an die Atommächte, sich ihrer Verantwortung für die
volle Umsetzung des Nichtverbreitungsvertrages zu stellen. In dessen
Artikel VI haben sie sich schon 1970 verpflichtet, "in redlicher
Absicht Verhandlungen zu führen über wirksame Maßnahmen zur Beendigung
des nuklearen Wettrüstens in naher Zukunft und zur nuklearen
Abrüstung." Das kürzlich von den Präsidenten der USA und Russland abgegebene
Bekenntnis zu einer Welt ohne Atomwaffen halten wir für ein
hoffnungsvolles Signal. Als erste Schritte sollten ein allgemeiner
Verzicht auf den Ersteinsatz von Atomwaffen sowie der längst
überfällige Abzug der sog. taktischen Nuklearwaffen aus Deutschland
und Europa erfolgen. Darüber hinaus appellieren wir an die an der Überprüfungskonferenz
teilnehmenden Staaten, die historische Chance zu nutzen und
Verhandlungen über eine Nuklearwaffenkonvention für die Ächtung und
schrittweise, überprüfbare, unumkehrbare und transparente Beseitigung
sämtlicher atomarer Waffen bis zum Jahr 2020 in Gang zu setzen. * STATUTES OF THE INTERNATIONAL UNION OF PURE AND APPLIED PHYSICS
"... to help in the application of physics toward solving problems of
concern to humanity." Arten der Pressemitteilung:
Wissenschaftspolitik Sachgebiete:
Physik / Astronomie
Politik Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/pages/de/news362973 Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter:
http://idw-online.de/pages/de/institution389
Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG), Dr. Marcus Neitzert,
06.04.2010 15:13 Physiker mahnen zur Abschaffung der Atomwaffen: Stellungnahme der DPG Die Deutsche Physikalische Gesellschaft ruft die Staatengemeinschaft
dazu auf, die weltweite atomare Abrüstung weiter voranzutreiben. Die Diskussion über den Abbau von Atomwaffen ist in Bewegung geraten:
In dieser Woche unterzeichnen Russland und die USA ein neues
strategisches Abrüstungsabkommen. Angesichts dieser Entwicklung und
vor dem Hintergrund der im Mai in New York stattfindenden
Überprüfungskonferenz des Vertrages über die Nichtverbreitung von
Atomwaffen, an der Delegierte aus über 180 Nationen teilnehmen, ruft
die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) die Staatengemeinschaft
dazu auf, die weltweite atomare Abrüstung weiter voranzutreiben. Als
erste Schritte sollten ein allgemeiner Verzicht auf den Ersteinsatz
von Atomwaffen sowie der längst überfällige Abzug der sogenannten
taktischen Nuklearwaffen aus Deutschland und Europa erfolgen, fordert
die DPG. Die Stellungnahme im Wortlaut: Die Deutsche Physikalische Gesellschaft hat seit über 50 Jahren in
verschiedenen Erklärungen zur Notwendigkeit der atomaren Abrüstung
Stellung genommen und hat sich dabei von der Verantwortung leiten
lassen, die Physikerinnen und Physiker für die Existenz von Atomwaffen
in dieser Welt tragen. Auch heute, in den Tagen vor der
Überprüfungskonferenz zum Nichtverbreitungsvertrag im Mai 2010 in New
York, erscheint es uns notwendig, auf die nach wie vor bestehende
atomare Bedrohung hinzuweisen. Wir können zwar mit einer gewissen Erleichterung feststellen, dass
seit Mitte der 1980er Jahre von den damals vorhandenen über 70.000
Atomwaffen ein Großteil abgebaut worden ist. Dennoch reichen die heute
stationierten Atomwaffen immer noch aus, die moderne Zivilisation
auszulöschen. Auch hat sich an der grundsätzlichen Inhumanität der
Atomrüstungen nichts geändert, denn ihr Einsatz würde militärische
Ziele und die Zivilbevölkerung unterschiedslos treffen und wäre nach
dem Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs generell
unvereinbar mit dem bestehenden humanitären Völkerrecht. Neben der globalen Bedrohung durch die stationierten Arsenale ist die
Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen akut. Es ist zu
befürchten, dass ein regionaler Atomwaffeneinsatz wahrscheinlicher
wird, wenn mehr Staaten oder gar Terrorgruppen über waffenfähiges
Spaltmaterial verfügen. Wir können nicht akzeptieren, dass immer noch an der Weiterentwicklung
von Atomwaffen gearbeitet wird und empfinden diese Aktivitäten als
unvereinbar mit den ethischen Grundsätzen, zu deren Beachtung wir uns
als Wissenschaftler verpflichtet sehen*. Zwanzig Jahre nach dem Ende
des Kalten Krieges ist die Zeit gekommen, die Entwicklung neuer
Atomwaffen und die Vergeudung wertvoller Ressourcen dafür endlich
vollständig einzustellen und international zu ächten. Wir appellieren an die Atommächte, sich ihrer Verantwortung für die
volle Umsetzung des Nichtverbreitungsvertrages zu stellen. In dessen
Artikel VI haben sie sich schon 1970 verpflichtet, "in redlicher
Absicht Verhandlungen zu führen über wirksame Maßnahmen zur Beendigung
des nuklearen Wettrüstens in naher Zukunft und zur nuklearen
Abrüstung." Das kürzlich von den Präsidenten der USA und Russland abgegebene
Bekenntnis zu einer Welt ohne Atomwaffen halten wir für ein
hoffnungsvolles Signal. Als erste Schritte sollten ein allgemeiner
Verzicht auf den Ersteinsatz von Atomwaffen sowie der längst
überfällige Abzug der sog. taktischen Nuklearwaffen aus Deutschland
und Europa erfolgen. Darüber hinaus appellieren wir an die an der Überprüfungskonferenz
teilnehmenden Staaten, die historische Chance zu nutzen und
Verhandlungen über eine Nuklearwaffenkonvention für die Ächtung und
schrittweise, überprüfbare, unumkehrbare und transparente Beseitigung
sämtlicher atomarer Waffen bis zum Jahr 2020 in Gang zu setzen. * STATUTES OF THE INTERNATIONAL UNION OF PURE AND APPLIED PHYSICS
"... to help in the application of physics toward solving problems of
concern to humanity." Arten der Pressemitteilung:
Wissenschaftspolitik Sachgebiete:
Physik / Astronomie
Politik Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/pages/de/news362973 Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter:
http://idw-online.de/pages/de/institution389
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