Sonntag, 3. Juni 2012

-->> #Niedriglohnbranchen und #Hochlohnbranchen: #Enorme #Lohnunterschiede [via Nachdenkseiten]


Niedriglohnbranchen und Hochlohnbranchen: Enorme Lohnunterschiede

[via Nachdenkseiten]

http://www.nachdenkseiten.de/?p=13408#h05
 

Kurz gefasst:

  • Die Analyse von Niedriglöhnen in Deutschland, ihrer Struktur und Entwicklung, macht deutlich, dass sich niedrige Stundenentgelte auf bestimmte Branchen konzentrieren: Niedriglöhne finden sich vor allem in Niedriglohnbranchen. In diesen Niedriglohnbranchen befindet sich das gesamte Entgeltgefüge auf einem unteren Niveau. Insgesamt wird nur sehr wenig verdient, dies gilt nicht nur für Beschäftigte mit fehlender oder niedriger Qualifikation, sondern auch für Beschäftigte mit einem beruflichen Abschluss und einer anspruchsvollen Tätigkeit.
  • Das Gastgewerbe und der Handel zählen eindeutig zu den Niedriglohnbranchen. Im Gastgewerbe wird über alle Tätigkeiten und Qualifikationen hinweg im Schnitt gerade einmal ein Stundenlohn von 10,91€ erzielt, im Handel sind es 17,25€.
  • Demgegenüber fallen die höchsten durchschnittlichen Bruttostundenlöhne mit 20,11€ im (stark exportorientierten) produzierenden Gewerbe an. Die Werte variieren hier zwischen 16,39€ im Baugewerbe und 25,98€ in der Energieversorgung. Damit liegt das Entgeltniveau in der Energieversorgung um fast 140 % höher als im Gastgewerbe.
  • Im Bereich der nicht-marktbestimmten Dienstleistungen liegen die Branchenstundenlöhne mit 17,89€ im Gesundheits- und Sozialwesen sowie 21,67€ im Bereich von Erziehung und Unterricht deutlich enger bei einander.
  • Diese enorme Spannweite der Verdienste lässt sich nicht allein durch unterschiedliche Anforderungen der Tätigkeiten und das Qualifikationsniveau der Beschäftigten erklären. Hinzu kommt, dass in den Niedriglohnbranchen überwiegend Frauen beschäftigt sind (geschlechtertypische Bewertung der Arbeit) und Teilzeitarbeit sowie geringfügige Beschäftigung eine hohe Bedeutung haben.
  • Einen weiteren Teil zur Erklärung der Diskrepanzen tragen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und institutionellen Gegebenheiten der einzelnen Branchen bei. In diesen Branchen herrschen kleinbetriebliche Strukturen vor und die gewerkschaftlichen und betrieblichen Interessenvertretungen (Betriebsräte) sind nur schwach entwickelt.

Quelle:

Sozialpolitik aktuell in Deutschland [PDF - 135 KB]

Anmerkung WL: Auf

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Spanien, Griechenland, Argentinien und die Mär vom "Sparen" Kapitalistischer Markt ist Politik. [via Graswurzelrevolution]


Markt und Politik

Spanien, Griechenland, Argentinien und die Mär vom "Sparen"

 
[via Graswurzelrevolution]
 
http://www.graswurzel.net/369/markt.shtml
 

Kapitalistischer Markt ist Politik. Nichts an ihm ist naturwüchsig, naturgesetzlich oder durch politische Entscheidungen nicht zu verändern. Diese banale Wahrheit auszusprechen erscheint heute wichtiger denn je.

Der Kulturwissenschaftler Joseph Vogel nennt den Glauben an den sich selbst und die Gesellschaft regulierenden Markt "die letzte Metaphysik der Moderne". (1) "Ein Wettbewerbsmarkt", schreibt die Nobelpreisträgerin für Wirtschaftswissenschaften Elinor Ostrom, "[...] ist selbst ein öffentliches Gut [...]. Ohne zugrunde liegende öffentliche Institutionen, die ihn aufrechterhalten, kann kein Markt lange existieren". (2)

Wie sehr das Funktionieren eines kapitalistischen Marktes von einer ihn stützenden institutionalisierten Ordnung abhängig ist, lässt sich leicht veranschaulichen. Man stelle sich nur einmal vor, der gesetzliche Schutz des privaten Eigentums würde aufgehoben. Es gibt keinen grundsätzlichen Gegensatz zwischen Staat und Markt.

Statt dessen herrscht ein komplexes Wechselverhältnis.

Stuart Hall hat darauf hingewiesen, dass beispielsweise im thatcheristischen England die Liberalisierung der Märkte den "starken Staat" nicht schwächte, sondern voraussetzte. (3)

Dabei sitzt die Politik - in diesem Falle idealtypisch als Mittlerin öffentlicher Interessen zu verstehen - gegenüber der Wirtschaft eigentlich immer am längeren Hebel. Sie schafft und sichert jene Verhältnisse, die zu ihrem Funktionieren notwendig sind. Den angeblich unverrückbaren Mechanismen des Marktes liegen politische Entscheidungen zu Grunde, für die Verantwortliche zu benennen sind. Wirtschaftswissenschaften sind, trotz ihrer starken Verankerung in Empirie und Mathematik, Geisteswissenschaften. Dies wird schon allein an der Geschwindigkeit deutlich, mit der sich ihre grundlegenden Parameter im Verlauf der letzten Jahrzehnte gewandelt haben. Nicht dem wagemutigsten Quantenphysiker wäre es eingefallen, in einem vergleichbaren Tempo Naturgesetze über den Haufen zu werfen.

Das gegenwärtig dominierende neoliberale Modell kann, so der Sozialhistoriker Edward P. Thompson, auf empirisch belastbare Grundlagen ohnehin nicht verweisen. Ihm zugrunde liegt (mit Adam Smith' "Wealth of Nations" ['Wohlstand der Nationen']) keine wissenschaftliche Untersuchung, sondern ein "großartiger, sich selbst bestätigender Essay über Logik". (4)

Die öffentliche, anonymisierende Rede von den "Finanzmärkten", die gottgleich das Schicksal der Menschen bestimmen und gegen deren Urteil es keine Berufung geben könne, ist Teil (und Bedingung) eines Mythos von "politikfernen Wirtschaftskreisläufen", mit dessen Hilfe Verantwortlichkeiten verwischt und politische Handlungsmöglichkeiten verschleiert werden.

Die gegenwärtigen Ereignisse in Spanien und Griechenland sind hierfür ein anschauliches Beispiel. Mit ermüdender Hartnäckigkeit wird von PolitikerInnen und "Experten" jeglicher Couleur immer wieder heruntergebetet, beide Länder müssten "sparen", um wirtschaftlich auf die Beine zu kommen. Dabei wird, geleitet von Milton Friedmans Monetarismus, in Wahrheit nicht ein wirtschaftliches, sondern vor allem ein politisches Modell durchgesetzt, das die Profite einer stetig schrumpfenden Zahl von Menschen und Einrichtungen absichern soll.

Nationale Gesellschaften werden nur mehr nach ihrer "Profitabilität" bzw. "Solvenz" gegenüber den Gläubigern eingeordnet. Demokratische Selbstbestimmungsrechte dagegen werden mit Füßen getreten. (5)

Die Griechenland von den Mächtigen der Europäischen Union (EU) offen aufgezwungenen und von Spaniens neuer konservativer Regierung jüngst "freiwillig" verkündeten Sparmaßnahmen (vor allem im sozialen Bereich) werden die Wirtschaft beider Länder nicht stabilisieren. Sie sind im Gegenteil Teil einer Abwärtsspirale, die die griechische und spanische Volkswirtschaft noch tiefer in die Krise ziehen wird.

"Selbst die Ratingagenturen", schreibt Herbert Schui in einem lesenswerten Beitrag für die Blätter für deutsche und Internationale Politik, "nennen diese Negativspirale unverblümt beim Namen. Im Mai 2010 stufte Moody's Griechenland herab und begründete das mit den Risiken des Spar- und Restrukturierungsprogramms.

Ähnlich argumentierte Fitch bei der Herabstufung Spaniens 2010: Das Sparprogramm würde das Wachstum der spanischen Wirtschaft mittelfristig dämpfen". (6)

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Auslöser für die Schuldenkrise war nicht die "Fehlkonstruktion" der EU, sondern eine verfehlte Steuerpolitik.

Besser- und Großverdiener wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker entlastet. Dies führte jedoch nicht zu Mehrinvestitionen- und Ausgaben der so Begünstigten, sondern nur zum Anwachsen ihrer Sparguthaben.

Konsequenterweise stiegen die Staatsausgaben, um den Verlust an Steuereinnahmen zu kompensieren. Gleichzeitig führte das Sinken des Lohnanteils am Volkseinkommen zu einem Absinken der Kaufkraft, und dies wiederum zu weiteren Verlusten an Steuereinnahmen: ein Teufelskreis. Werden in einer solchen Situation staatliche Sozialleistungen gekürzt - eine Maßnahme, die die verlorengegangenen Steuereinnahmen ohnehin nicht ersetzen kann - wird der Abwärtstrend beschleunigt, anstatt sich zu verlangsamen: "Die Politik des schlanken Staates, der niedrigen Lohnkosten und der fetten Gewinne führt [...] aus zwei Gründen zwingend zu Staatsdefiziten: Erstens können die Ausgaben gar nicht in dem Umfang gesenkt werden, der für eine Entschuldung möglich wäre. Zweitens schrumpft infolge sinkender Staatsausgaben das Bruttosozialprodukt, was wiederum zu geringeren Steuereinnahmen führt. Da sich dies Jahr für Jahr wiederholt, steigt die Schuldenquote kontinuierlich an - und zwar rascher als das Bruttosozialprodukt". (7)

Durchgesetzt werden mit einer solchen Politik ausschließlich kurzfristige Interessen der Banken in den Gläubigerländern und ein autokratisches Weisungsgefüge, in dem das Sozialleben eines Schuldnerstaates nur mehr zur Tilgung der Schulden existenzberechtigt ist. Wirtschaftlich macht die Politik des radikalen Sparens nicht den geringsten Sinn. "Mit der Austeritätspolitik", so der emeritierte Politikwissenschaftler Elmar Altvater, "gibt es keinen Weg aus der Krise". (8)

Was geschehen kann, wenn sich ein Land den Geboten der neoliberalen Makroorganisationen des reichen Westens und Nordens verweigert, beweist - paradoxerweise - Argentinien. (9)

Man möge die folgenden Ausführungen nicht als Idealisierung der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und (erst recht nicht) ökologischen Situation des Landes missverstehen.

Es geht lediglich darum, zu zeigen, dass die angeblich unhintergehbaren Gesetze des Marktes, die Merkel, Sarkozy, Rösler und andere vielfältig im Munde führen, weder unhintergehbar noch wirtschaftlich sind. Sie sind der Versuch, verschärfte Ausbeutung im Interesse einer globalen Minderheit langfristig sicherzustellen.

2001 war Argentinien das Armenhaus Lateinamerikas: Ein Staat, der, erdrückt von über 100 Milliarden Dollar (!) Auslandschulden im wahrsten Sinne des Wortes Konkurs anmelden musste. Der Zusammenbruch der argentinischen Wirtschaft ging einher mit sozialen Protesten, wie man sie in dieser Wucht lange nicht mehr gesehen hatte. Die Bevölkerung der Städte schlug wutentbrannt auf ihre leeren Pfannen und Töpfe, Straßenschlachten tobten, innerhalb von 6 Wochen gaben sich 6 (!) Ministerpräsidenten die Klinke in die Hand. "¡Que se vayan todos!" ['Sie sollen alle verschwinden!'] war der Schlachtruf einer Bevölkerung, die nicht länger gewillt war, Ausbeutung, Autokratismus, Gewalt, Misswirtschaft und Korruption tatenlos hinzunehmen.

2003 verweigerte der linksperonistische Präsident Nestor Kirchner schließlich jede weitere Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfond (IWF). 2005 unterbreitete seine Regierung den privaten Gläubigern ein Angebot: Sie sollten entweder auf 75% ihrer Ansprüche verzichten - oder völlig leer ausgehen.

Diese Zwangsumschuldung reduzierte die Auslandsschulden des Landes quasi über Nacht von 100 auf 20 Milliarden Dollar. Sie machte Argentinien aber auch zum schwarzen Schaf der internationalen Finanzmärkte - und das im Grunde bis heute. Geschadet hat das seiner Wirtschaft nicht - im Gegenteil.

Heute besitzt Argentinien eine sich selbst tragende Wirtschaft mit einem durchschnittlichen Wachstum von 7-8% Prozent.

Vier Millionen Arbeitsplätze wurden unter der Regierung Kirchner geschaffen. Intensive Sozialleistungen des Staates senkten die Zahl der Armen um gut zwei Drittel - eine Entwicklung, die wiederum dem argentinischen Einzelhandel sehr zugute kommt. 3,7 Millionen Kinder armer Eltern erhalten nach wie vor eine staatliche Unterstützung von umgerechnet 45 Euro pro Monat, einzig geknüpft an die Bedingung regelmäßigen Schulbesuchs und ebensolcher Impfungen. (10)

Argentinien ist, bei allen Einschränkungen, ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie man einer am Boden liegenden Wirtschaft auf die Beine helfen kann, indem man soziale Ausgaben erhöht, statt sie zu reduzieren.

Dass die Situation Argentiniens mit der Spaniens oder Griechenlands nicht ohne weiteres vergleichbar ist, tut hier wenig zur Sache.

Es geht um etwas anderes: Der Widerstand gegen die Dominanz einer neoliberalen Herrscherelite in Politik und Wirtschaft muss ein politischer sein.

Er darf sich von angeblichen "Zwängen des Marktes" nicht irre machen lassen.

Die im sogenannten "Washington-Konsens" beschlossene Profitmaximierung der Gläubigerländer war eine politische Entscheidung - sie kann und muss politisch bekämpft und rückgängig gemacht werden. Es ist nicht nötig, nur auf die Wall Street zu starren.

Vor der eigenen Haustür kann politischer Druck aufgebaut, können ausbeuterische Zyklen durchbrochen und Alternativen öffentlich erprobt werden.

Die rücksichtslose Ausbeutung und Zerstörung gesellschaftlicher Strukturen ist eine bewusst gemachte und vorangetriebene Politik, für die Verantwortliche zu benennen und zur Verantwortung zu ziehen sind. Vor allem aber ist sie eben dies: eine Politik. Die kann man ändern.

Joseph Steinbeiß

Anmerkungen

(1) Zit. n. Gebauer, Thomas, "Enthemmte Ökonomie. Über die Amoralität der herrschenden Vernunft", in: medico international rundschreiben 1, 2012, S. 4-5, hier S. 5.

(2) Ostrom, Elinor, Die Verfassung der Allmende. Jenseits von Staat und Markt, Tübingen (Mohr Siebeck) 1999, S. 19.

(3) Vgl. Hall, Stuart, "Eine permanente neoliberale Revolution?", in: Das Argument 294, Jg. 53, Heft 5, 2011, S. 651-672, hier insb. S. 657f.

(4) Thompson, Edward P., "Die 'moralisch Ökonomie' der englischen Unterschichten im 18. Jahrhundert", in: ders., Plebeische Kultur und moralische Ökonomie. Aufsätze zur englischen Sozialgeschichte des 18.und 19. Jahrhunderts, ausgewählt und eingeleitet von Dieter Groh, Frankfurt/M., Berlin (Ullstein) 1980, S. 67-130, hier S. 82.

(5) Zur Situation in Griechenland und Spanien vgl. u.a. Cáceres, Javier, "27 Milliarden Euro in einem Jahr. Mit beispiellosen Sparmaßnahmen will Premier Rajoy Spaniens Schuldenberg abtragen", in: Süddeutsche Zeitung (SZ), 31.März/1. April 2012, S. 8; Kaimaki, Valia, "'Aux banques ils donnent de l'argent, aux jeunes ils offrent...des balles'. Révolte d'une génération grecque désespérée", in: Le monde diplomatique, Janvier 2009, S. 4-5.

(6) Schui, Herbert, "Methode Merkozy: Wie Europa zu Tode gespart wird", in: Blätter für deutsche und Internationale Politik, Januar 2012, S. 66-74, hier S. 68.

(7) Ebenda.

(8) "Sparend in die Krise" [Interview mit Elmar Altvater], in: medico international, a.a.O., S. 9-11, hier S. 10.

(9) Vgl. Ling, Martin, "Erfolgsgeschichte mit Kehrseite. Argentiniens Wirtschaft prosperiert seit dem Staatsbankrott im Jahr 2001", in: Lateinamerika-Nachrichten 451, Januar 2012, S. 34-38.

(10) Vgl. Schulten, Johannes, "Vermeintlicher Linksruck", in: Lateinamerika-Nachrichten 450, Dezember 2011, S. 21-22, hier S. 22.



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--->>> Fetisch "Märkte" Über die politische Funktion von Begrifflichkeiten [via Links Netz]


Fetisch "Märkte"

Über die politische Funktion von Begrifflichkeiten

Joachim Hirsch

 
[via Links Netz]
 
http://www.links-netz.de/K_texte/K_hirsch_maerkte.html
 

Kaum eine Nachrichtensendung oder Politikerrede, in der nicht die "Märkte" beschworen werden. Sie gelten mittlerweile als die Angelpunkte des Weltgeschehens. Das klingt nach fernen Gottheiten oder zumindest nach dunklen Schicksalsmächten und hat auf jeden Fall etwas Beschwörendes an sich. Natürlich ist dabei nicht die Rede von dem Super- oder Wochenmarkt nebenan. Es geht um die Finanzmärkte, also die, auf denen Geld-, Kapital- und Finanzprodukte gehandelt werden, weltweit und grenzenlos. Im Gegensatz zu Äpfeln und Bananen sind diese nicht sichtbar, sondern verbergen sich hinter komplizierten Zahlen- und Datenansammlungen. Zu diesen Märkten hat der gemeine Mensch nur über Börsenmakler oder Bankberater Zutritt, die einem in der Regel faule Produkte andrehen. Das trägt dazu bei, dass die Märkte als eine höhere Macht erscheinen, der Opfer gebracht werden müssen, um sie gnädig zu stimmen. Seit sich die marktgängige ökonomische Wissenschaft in eine etwas atavistisch anmutende Glaubenslehre verwandelt hat und ziemlich stark dem Totemismus anhängt, ist diese quasi religiöse Vorstellungswelt nicht eigentlich verwunderlich.

Nun sind Märkte, dem würden wohl auch noch Ökonomen zustimmen, keine mit eigenem Willen begabte Subjekte mit Gefühlen und Befindlichkeiten (scheu, verunsichert, enttäuscht usw.). Sie sind vielmehr gesellschaftliche Einrichtungen, in denen durchaus konkrete Menschen verkehren. Diese Institutionen beruhen auf Eigentums- und Rechtsverhältnissen, die gewaltförmig – durch den Staat – gesichert werden. Die Personalisierung, die in der üblichen Verwendung des Begriffs mitschwingt, soll eben dies verschleiern. Waren müssen, wie schon Marx feststellte, zum Markt getragen werden. Finanzprodukte ebenfalls.

Auch auf den Finanzmärkten wird das getan, um Kapital zu verwerten und Profite zu machen. Man könnte diejenigen, die die "Märkte" bevölkern, durchaus beim Namen nennen. Allerdings wäre das mit dem Risiko verbunden, ihre Verhaltensweisen und Interessen offen zu legen und damit den quasi religiösen Fetisch zu entschleiern. Und man müsste dann vielleicht auch erwähnen, was diese Subjekte anrichten, nämlich nicht nur Finanzkrisen, sondern massive Privatisierungen mit elenden Folgen für die Betroffenen: Arbeitslosigkeit, Zwangsmigration, Lebensmittelspekulationen, Landraub und einiges andere mehr. Eben dieser Marx hat die Kapitalisten einmal als Charaktermasken des Kapitals bezeichnet, womit er ausdrücken wollte, dass sie nur die Rolle spielen, die ihnen das Kapitalverhältnis aufzwingt. Das ist nicht ganz richtig. Zwar müssen die Kapitalisten Profite machen, damit sie selbst und das ganze System nicht untergehen, aber dabei gibt es durchaus Spielräume und Grenzen, z.B. durch staatliche Kontrollen und Regulierungen. Gerade diese haben sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert.

Ein Grund dafür ist die sogenannte "Globalisierung" – noch einer dieser Begriffe, mit denen die neoliberale Kapitaloffensive nach der großen Krise der siebziger Jahre verschleiert wird. Dahinter steht die Tatsache, dass es dem zunehmend international operierenden Kapital gelungen ist, sich den Beschränkungen zu entziehen, denen es unterworfen war, als die Nationalstaaten noch eine gewisse Kontrolle ausübten und Regierungen wenigstens ansatzweise demokratisch verantwortlich waren. Die Kontrollen wurden durch die Regierungen selbst abgeschafft und die "Märkte" haben dann dafür gesorgt, dass es auch mit der Demokratie ziemlich bergab gegangen ist. Die global tätigen Unternehmen brauchen sich daher um das Schicksal der Gesellschaften nicht mehr zu kümmern, die sie als Standorte aussuchen. Dass sie damit auf längere Sicht ihre eigenen Existenzgrundlagen untergraben und soziale Krisen bisher nicht gekannter Art heraufbeschwören, steht auf einem anderen Blatt. In den Vierteljahresbilanzen taucht das nicht auf. Der Rest ist eben auch Schicksal.

Die Regierungen, eben diesen "Märkten" unterworfen, bemühen sich, diese gnädig zu stimmen, und dies regelmäßig gegen die Interessen der Bevölkerungsmehrheit. Jedenfalls sind die "Märkte" inzwischen wichtiger als Wahlen, die die Züge mehr oder weniger spannender sportlicher Inszenierungen angenommen haben. Wer sie gewinnt, ist ziemlich egal, weil ja letztendlich die "Märkte" entscheiden. Dass die politische Wissenschaft die herrschenden Zustände inzwischen als "Postdemokratie" bezeichnet, zeugt immerhin von einer gewissen Erkenntnisfähigkeit. Es sind vor allem die auf den internationalen Finanzmärkten tätigen Unternehmen, die mit Hilfe ihrer Dependancen, wie etwa der von ihnen bezahlten Ratingagenturen, das Sagen haben.

Wenn das nicht ausreicht und die Staaten doch einmal nicht nach ihrem Willen funktionieren, werden Regierungen eingesetzt, die "technokratisch" genannt werden und demokratischer Legitimation überhaupt entbehren. Das Finanzkapital bestückt diese mit ihrem eigenen Personal, wie jetzt im Falle Griechenlands oder Italiens. Offen autoritäre Regime oder gar Militärdiktaturen werden im Zeitalter der "Postdemokratie" nicht mehr gebraucht. Dass das Führungspersonal internationaler Institutionen wie der Europäischen Zentralbank von Finanzkonzernen gestellt wird, ist ohnehin selbstverständlich. Da braucht auf demokratische Verfahren schon gar keine Rücksicht genommen werden. Goldmann-Sachs und andere richten das.

Angesichts dieser Entwicklung ist des öfteren von einer "Finanzialisierung" des Kapitalismus die Rede. Auch dieser Begriff verbirgt etwas. Die neoliberale Offensive hat dazu geführt, dass die Masseneinkommen weltweit sanken und die Profite explodierten. Dies wiederum hatte zur Folge, dass sich Investitionen im produktiven Sektor angesichts zunehmender "Marktsättigungen" nicht mehr so gut lohnen. Die neoliberale Deregulierung hat aber die Möglichkeit eröffnet, dies durch Finanzspekulationen auszugleichen. Nun werden im Finanzsektor allerdings keine Werte geschaffen, die Profite sind also fiktiv. Es sei denn, man lässt die Bevölkerung für die dadurch entstandenen Schuldenblasen bezahlen. Und das geschieht, wenn Banken oder Staaten auf Kosten der Steuerzahler "gerettet" werden sollen. Die daraus resultierende öffentliche Sparpolitik führt dazu, dass die Krise fortdauert und sich der neoliberale Kreisel weiter dreht.

Es wäre also durchaus hilfreich, wenn statt von "Märkten" einmal wieder von Kapitalverwertung, Profitinteressen oder internationalen Kapitalverflechtungen und den dabei maßgebenden Akteuren geredet würde. Nicht zuletzt um ins Bewusstsein zu rücken, dass es nicht um geheimnisvolle Mächte oder einen Selbstlauf der Ökonomie geht, sondern um Gewaltverhältnisse und Politik, und dass es darauf ankommt, diese zu verändern. Statt sich von einem Fetisch beherrschen und dumm machen zu lassen. Das geschieht indessen kaum.

Man darf ja nicht diejenigen verärgern, von denen man als PolitikerIn abhängig ist oder die einem als JournalistIn den Arbeitsplatz "sichern". Der Neoliberalismus ist zwar ökonomisch und politisch gescheitert, zumindest was seine anfänglichen Versprechungen angeht. Davon ist inzwischen auch nicht mehr die Rede, weil im allgemeinen Bewusstsein ja nun die "Märkte" herrschen, eine Tatsache, die alternativlos sei, wie auch die Kanzlerin gerne betont. Die ideologische Macht des Neoliberalismus ist zwar angeschlagen, bleibt aber immer noch wirksam, wie nicht nur der alltägliche Blick in die Nachrichten und die einschlägigen Politikerreden zeigen. Auch das alltägliche Bewusstsein und Handeln wird ganz deutlich davon bestimmt.

Die "Märkte" sorgen ganz "ideologiefrei" dafür, dass die neoliberale Politik weiter und mit verstärkter Kraft fortgesetzt wird. Die Krise, die ja kein Betriebsunfall und nur der Ausdruck der Widersprüche ist, die dem Kapitalverhältnis grundsätzlich innewohnen, wird also weitergehen. Das ist der Effekt, den "Rettungsschirme" und Ähnliches haben.

Vgl. dazu auch den Beitrag von Heinz Steinert Krise? welche Krise? wessen Krise? – Metaphern und Modelle und was daraus folgt, Dezember 2010.


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--->>> #Argentinien #teilverstaatlicht #größten #Öl- und #Gaskonzern [via Lateinamerika Nachrichten]


YPF ist unser!

Argentinien teilverstaatlicht größten Öl- und Gaskonzern

 
[via Lateinamerika Nachrichten]
 
http://www.lateinamerika-nachrichten.de/index.php?/artikel/4303.html
 

Die Teilverstaatlichung des argentinischen Ölkonzerns YPF ist besiegelt. Argentinien übernahm gegen den Willen des bisherigen Mehrheitsaktionärs, des spanischen Erdölkonzerns Repsol, 51 Prozent der Anteile. In Spanien und der EU stößt dieses Vorgehen auf heftige Kritik – in Argentinien auf große Zustimmung. An den Auswirkungen der Rohstoffförderung für Anwohner_innen und Umwelt dürfte sich dadurch wenig ändern.

Jubel und tosender Applaus brachen am Abend des 3. Mai im argentinischen Kongress aus, während außerhalb des Parlamentes Feuerwerkskörper zündeten und Menschenmassen ausgelassen feierten. Grund der Freude war die Verabschiedung des Gesetzes zur Enteignung des spanischen Mineralölkonzerns Repsol, der Anteile von 57,43 Prozent an dem einstigen argentinischen Staatsunternehmen YPF (Yacimientos Petrolíferos Fiscales) hielt. Die argentinische Regierung übernimmt nun 51 Prozent der Repsol-Aktien und damit die Mehrheitseigentümerschaft an YPF.


Repsol ist nicht das erste Unternehmen, das unter der Präsidentschaft von Cristina Fernández de Kirchner enteignet wurde. Im Jahr 2008 löste die Regierung zehn private Pensionsfonds auf und überführte sie in das staatliche Rentensystem. Im selben Jahr enteignete sie die spanische Investorengruppe Marsans, die 95 Prozent der Anteile an dem Luftfahrunternehmen Aerolíneas Argentinas hielt. Doch die Teilverstaatlichung von YPF ist von weit höherer politischer Bedeutung, da es das größte Unternehmen des Landes mit rund 46.000 Beschäftigten ist. 1922 als Staatsunternehmen des Öl- und Gassektors gegründet, wurde YPF in den 1990er Jahren unter der Regierung des rechtsperonistischen Präsidenten Carlos Menem schrittweise privatisiert. 1999 schließlich übernahm Repsol 97,81 Prozent der YPF-Anteile, von denen es später rund 40 Prozent wieder abstieß. Zuletzt übernahm die argentinische Petersen-Gruppe mit Unterstützung der Kirchners zwischen 2007 und 2012 gut 25 Prozent der Anteile.


In Argentinien trifft die Teilverstaatlichung auf große Zustimmung. Drei Viertel der Bevölkerung wie auch große Teile der Opposition unterstützen diese Maßnahme. So stimmten dem Enteignungsgesetz 63 der 72 Senator_innen und 208 der 246 Repräsentant_innen des Abgeordnetenhauses zu. Es ist damit seit 2003, als Cristina Fernández Ehemann Néstor Kirchner die Präsidentschaft übernahm, das Gesetzesvorhaben mit der größten parlamentarischen Zustimmung – ein wichtiger Erfolg des kirchneristischen Flügels der peronistischen Partei (Partido Justicialista), auf den sich der Großteil der Regierungskoalition stützt. Für Verwunderung sorgte Ex-Präsident Carlos Menem, der sich ebenfalls für die Wiederverstaatlichung aussprach: "Der Fehler von Repsol war, dass sie nicht in Argentinien investiert haben. Alle Gewinne haben sie außer Landes geschafft", begründete der heute 82-jährige Senator seinen Sinneswandel. Doch diese Biegsamkeit ist kein Menemsches Privileg. Auch Fernández und ihr 2010 verstorbener Gatte Néstor Kirchner unterstützten seinerzeit die YPF-Privatisierung – sie als Abgeordnete, er als Gouverneur der Provinz Santa Cruz.


Nun hat der Wind gedreht. Auslöser der Verstaatlichung ist die massive Zunahme der argentinischen Energieimporte, vor allem Erdgas, die die Deviseneinnahmen des Landes schrumpfen lassen. 2011 wies die Handelsbilanz mit Brennstoffen erstmals seit 17 Jahren ein Defizit auf, das dramatisch zu wachsen droht. Allein zwischen 2010 und 2011 verdoppelte sich die Importrechnung für Brennstoffe von 4,5 auf 9,4 Milliarden US-Dollar; 2004 hatte sie noch eine Milliarde US-Dollar betragen. Die Energieimporte fressen einen großen Teil des argentinischen Handelsüberschusses auf, der 2011 rund 10,3 Milliarden US-Dollar erreichte.


Die Regierung macht Repsol als einen Hauptverantwortlichen des Energiemangels aus. Als Mehrheitseigentümer hätten die Spanier_innen YPF eine radikale Politik der Renditesteigerung verordnet, die an der Erschließung neuer Öl- und Gasvorkommen sparte und bewusst die Brennstoffversorgung des Landes verknappte, um Preissteigerungen herbeizuführen. Im Ergebnis sanken YPF's Öl- und Gasreserven, doch die Gewinne mehrten sich dank der Preisinflation, was üppige Dividenzahlungen an die Aktionäre erlaubte. Nach Regierungsangaben schrumpften YPF's Ölreserven in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent, die Gasreserven um 55 Prozent. Dank der "räuberischen Politik" von Repsol habe YPF über die Jahre zwar erhebliche Gewinne eingefahren, da aber 85 Prozent davon an die Aktionäre flossen, seien Investitionen weitgehend ausgeblieben. Zu allem Überfluss habe das Unternehmen Schulden in Höhe von neun Milliarden US-Dollar angehäuft. Ziel der Regierung ist es nun, den Kapitalabfluss einzudämmen und YPF's Investitionen in die Öl- und Gasförderung zu erhöhen.


Auf spanischer Seite indes war die Empörung groß. Industrieminister José Manuel Soria bezeichnete die Enteignung als "feindliche Entscheidung, die sich gegen die spanische Regierung richtet". Antonio Brufau, Präsident von Repsol, drohte, die "absolut illegitime" Enteignung werde "nicht ungesühnt" bleiben. Repsols Aktienpaket sei 10,5 Milliarden US-Dollar wert – eine Summe, die der Konzern bei seinen Entschädigungsforderungen zugrunde legen werde. Spaniens Außenminister José Manuel García-Margallo forderte, Argentinien von den Verhandlungen über ein Assoziationsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur (diesem Staatenbund gehören Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay an) auszuschließen.


Auch das Europaparlament gab Spanien Rückendeckung. Konservative, Sozialdemokraten und Liberale brachten eine Resolution ein, die die "einseitige und willkürliche Entscheidung" Argentiniens geißelte, da diese "einen Angriff auf die Ausübung des freien Unternehmertums" darstelle. Die EU-Kommission ist aufgefordert, auf Ebene der Welthandelsorganisation und der G20 zu intervenieren. Maßnahmen wie die "teilweise Aussetzung der einseitigen Zollpräferenzen", die die EU im Rahmen ihres Allgemeinen Präferenzsystems gewährt, sollen geprüft und verabschiedet werden.


Doch faktisch hat Spanien kaum Möglichkeiten, effektiv gegen Repsols Enteignung vorzugehen. Die WTO hat in diesen Fällen keine Kompetenz, und eine einseitige Aussetzung von Handelspräferenzen oder ein Ausschluss Argentiniens von den EU-Mercosur-Verhandlungen wäre nur mit Zustimmung anderer EU-Mitglieder möglich, wofür es derzeit keine Anzeichen gibt. Die einzig realistische Maßnahme, die Repsol im Fall scheiternder Entschädigungsverhandlungen ergreifen könnte, wäre eine Klage vor dem Weltbank-Schiedsgericht für Investitionsstreitigkeiten ICSID – ein Weg, den das bilaterale Investitionsschutzabkommen zwischen Argentinien und Spanien vorsieht. Gleichwohl kann sich Repsol auch in diesem Fall keine großen Hoffnungen machen, denn diese Verfahren sind langwierig und der Erfolg ist mehr als ungewiss. Voraussichtlich wird sich Repsol darauf berufen, dass die Enteignung diskriminierend sei, da die ebenfalls private argentinische Unternehmensgruppe Petersen ihre Anteile behalten darf.


Argentinien ist das mit über 40 Fällen meist beklagte Land vor dem ICSID. In zehn Verfahren erging bisher ein Urteil, vier davon verlor Argentinien. Die in den verlorenen Fällen festgesetzten Entschädigungen belaufen sich auf rund 400 Millionen US-Dollar, doch hat die Regierung bisher in keinem Fall gezahlt. Sie begründet das damit, dass die Kläger die Vollstreckung der Urteile bisher nicht vor argentinischen Gerichten eingefordert hätten. Die Kläger halten dagegen, dass das ICSID doch gerade die nationale Gerichtsbarkeit aushebeln solle.


Was in der argentinischen Öffentlichkeit bisher eine sehr untergeordnete Rolle spielt, ist die soziale und ökologische Dimension der YPF-Verstaatlichung. Lange vor der Privatisierung des Unternehmens setzten sich Bauernhöfe, Viehbetriebe und Indigene gegen den Verlust ihrer Territorien und die erheblichen Umweltschäden durch dessen Öl- und Gasförderung zur Wehr – Kämpfe, die sich bis heute fortsetzen. So etwa in Loma de Lata in der Provinz Neuquen, wo YPF das größte Öl- und Gasfeld Argentiniens ausbeutet. Nachdem die zahlreichen Öllecks Böden und Grundwasser in dem Gebiet der Mapuche-Gemeinschaften Paymenil und Kaxipayin verseucht hatten, stellten Untersuchungen erhebliche Belastungen der Indigenen mit Schwermetallen fest. Mehrere Klagen wurden seither gegen YPF und andere Ölfirmen angestrengt, unter anderem von Mapuche-Gemeinden und von der Vereinigung ASSUPA, die patagonische Kleinbauern, Viehbetriebe und Indigene vertritt. Die von den Klägern geforderten Entschädigungen erreichen Milliardenbeträge.


Die Regierung kündigte nun an, dass auch die Umweltschäden bei der Berechnung einer etwaigen Entschädigung von Repsol berücksichtigt werden sollen. Dies löste jedoch Kritik in den Reihen der Indigenen aus. Die Mapuche-Gemeinschaft Kaxipayin etwa denunzierte "die Scheinheiligkeit der Regierenden", denn Repsol sei nicht der einzige Schuldige an den Umweltbelastungen. Während die Mapuche gegen diese Zerstörungen ankämpften, hätten Zentral- und Provinzregierungen die extraktivistischen Aktivitäten stets verteidigt. "Das einzige, was wir von YPF und dem Staat erhalten haben, sind Anschuldigungen, Repressionen, Diskriminierung und Ignoranz."


Die Konföderation der Mapuche von Neuquen kritisiert ferner die Pläne der Regierung, "die Ausbeutung nichtkonventioneller Öl- und Gasquellen mit Hilfe des Fracking durchzuführen". Tatsächlich besteht die Gefahr, dass diese überaus umweltschädliche Bohrtechnik verstärkt angewendet werden könnte, nachdem YPF und andere Firmen große Vorkommen an Schiefergas entdeckt haben. Beim Fracking (Hydraulic Fracturing) werden große Mengen Wasser, Sand und toxische Chemikalien in Bohrlöcher gepresst, um Risse in öl- oder gashaltige Gesteinsschichten zu treiben. Die US-Energiebehörde EIA (Energy Information Administration) schätzt, dass Argentinien die drittgrößten technisch förderbaren Schiefergasvorkommen der Welt besitzt. Besonders aussichtsreiche Lagerstätten finden sich danach in den Gesteinsformationen Vaca Muerta und Los Molles in der Provinz Neuquen. Repsol-Präsident Bufau mutmaßte, dass die kürzliche Entdeckung der Vaca Muerta-Vorkommen durch YPF – diese werden auf 22,8 Milliarden Barrel Öläquivalent geschätzt – einer der wesentlichen Gründe der Verstaatlichung sei.
Sollte Argentinien die erheblichen Mittel, die für die Förderung des Schiefergases erforderlich sind, tatsächlich mobilisieren können, woran derzeit noch viele Kommentator_innen zweifeln, drohen den Gemeinden in den Fördergebieten weitere Belastungen. Denn dass die Teilverstaatlichung von YPF zu einer verantwortungsvolleren Ressourcenpolitik führen könnte, dafür gibt es bisher keine Anzeichen. Die Zielvorgaben im Enteignungsgesetz zumindest beschränken sich auf die Maximierung von Investitionen, um nicht nur die Selbstversorgung mit Brennstoffen, sondern auch exportierbare Überschüsse zu erreichen. Schritte zur Reduzierung der Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern hingegen sind eine Leerstelle.

Text: // Thomas Fritz
Ausgabe: Nummer 455 - Mai 2012


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Repsol-Verstaatlichung: EU setzt Argentinien unter Druck
 
[via hintergrund.de]
 
http://www.hintergrund.de/201205252078/kurzmeldungen/aktuell/repsol-verstaatlichung-eu-setzt-argentinien-unter-druck.html
 

 
 
Vor dem Hintergrund der Verstaatlichung der argentinischen Tochter des spanischen Ölkonzerns Repsol verklagt die EU Argentinien vor der Welthandelsorganisation WTO. Das teilte die EU-Kommission am Freitag in Brüssel mit.

Der Schritt kommt nicht überraschend, da die übrigen Regierungen Madrid bereits im Fall Repsol ihre Unterstützung zugesagt hatten. Zur Begründung sagte EU-Handelskommissar Karel De Gucht: "Das Handels- und Investitionsklima in Argentinien verschlechtert sich. Das lässt mir keine andere Wahl, als Argentiniens protektionistische Einfuhrregeln anzugreifen."

 


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--->>> Grüne Prioritäten: Mehr Entwicklungshilfe dafür keine Erhöhung der Hartz IV-Sätze [via gegen-hartz.de]


Grüne: Weniger Hartz IV mehr Entwicklungshilfe

Grüne Prioritäten: Mehr Entwicklungshilfe dafür keine Erhöhung der Hartz IV-Sätze

[via gegen-hartz.de]
 

 

Laut eines Berichts des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" planen die Grünen im Falle einer rot-grünen Regierungskoalition eine Ausweitung der Entwicklungshilfe zu Ungunsten von Hartz IV-Beziehern.

Um die höheren Kosten gegenzurechnen, soll auf eine Erhöhung der Hartz IV-Regelsätze "vorerst verzichtet werden". Das Magazin beruft sich dabei auf einen Zwischenbericht der grünen Projektgruppe "Prioritäten", die eigens für die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen einen Strategiebericht im Falle eines Wahlsieges erstellte.

Im Wahlprogramm der Grünen ist aber zu lesen, dass die derzeitigen Regelleistungen für Hartz IV-Bezieher zu niedrig bemessen seien und auf mindestens 420 Euro erhöht werden müssten, um eine Existenzsicherung der Betroffenen zu gewährleisten.

 Im Falle von Rot-Grün wird der Beschluss zugunsten anderer Projekte gekappt.

Für die Entwicklungskosten soll der Staat nach Vorstellungen der Projektgruppe allein im Jahre 2014 rund 1,7 Milliarden Euro beispielsweise für internationale Klima- und Entwicklungsprojekte zusätzlich ausgeben.

Bis zum Jahre 2017 soll nach Vorstellungen der grünen Arbeitsgruppe Deutschland rund 0,7 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für die Hilfe von Entwicklungsländer ausgeben. Um eine Finanzierbarkeit zu gewährleisten, soll im Gegenzug auf die Erhöhung der Hartz IV-Regelsätze auf 420 Euro pro Person, wie auf dem Parteitag der Grünen im Jahre 2007 beschlossen, verzichtet werden.

Stattdessen wolle man im Falle einer Beteiligung an einer Bundesregierung den Hartz IV-Eckregelsatz von 374 auf 391 Euro nur leicht anheben. Eine Anhebung, die weitestgehend mit einer generellen Anpassung aufgrund steigender Inflationsraten sowieso vorgenommen wird.

Für das Haushaltsjahr 2014 sollen zusätzlich 12 Milliarden Euro zusätzlich ausgegeben werden. Im Gegensatz dazu sollen Subventionen "von Klima- und Ökologisch schädlichen Projekten gestoppt, das Ehegatten-Splitting abgeschafft und der Reichen-Spitzensteuersatz wieder auf 49 Prozent angehoben werden". (sb)


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Kritik der AufmerksamkeitsDefizitKultur um 11:04 Uhr - heute 03.06. - auf sr2 [für #Wunderkinder in #Dresden u. #Wien (lol)]


Sonntag, 03.06.2012
11.05 bis 12.00 Uhr

[Fragen an den Autor]
 
via sr2 und DRadioWissen
 

http://www.sr-online.de/sr2/1334/

Bild: Buchcover
Buchcover: Beck

Hyperaktiv!

Kritik der AufmerksamkeitsDefizitKultur

Sind fehlende Aufmerksamkeit und Hyperaktivität ein Problem von Kindern oder ein Kennzeichen unserer ganzen Gesellschaft?

Wenn beim Gehen oder Autofahren telefoniert wird, wenn Kinder erleben,

wie zwischen ihnen und den Eltern oft ein geheimnisvoller Bildschirm ist,

der offensichtlich größte Bedeutung hat, kann das ohne Folgen bleiben?

Passt sich das Gehirn nicht völlig richtig an, wenn es möglichst schnell hin und her schaltet?

Führt "zappen" nicht folgerichtig zum Zappeln?

Moderation: Jürgen Albers


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