Mittwoch, 22. Juli 2015

Die Praxis in Hartz IV ist Faschismus ... #ein #Arbeitgeber #gibt #keine #Arbeit. #Er #nimmt #sie,...

 
Die Praxis in Hartz IV ist Faschismus
 
Von Werner Schulten
 
[via scharf-links.de]
 
 

Hier mal ein (un)schönes Beispiel für die Frage: „Was ist asozial?" aus dem Raum Braunschweig: Hartz-Betroffener (nennen wir ihn Herr S.) kriegt vom Jobcenter eine Bewerbung aufs Auge gedrückt, bekommt von der Arbeitgeberin auch einen Vorstellungstermin. Fährt fast 100 km in ein kleines Dorf auf dem platten Land. Klingelt pünktlich an der Türe. Türe wird geöffnet. „Kommen Sie in einer Stunde noch mal wieder." Türe wird wieder zugeknallt. Da ist aber nichts, wo man sich vor Schneesturm und Minusgraden schützen kann. Nach 20 Minuten hält es Herr S. nicht mehr aus und fährt wieder nach Hause.

Anschließend schickt er der Arbeitgeberin, die ihn ja zu diesem Vorstellungstermin geladen, allerdings nicht in die Räumlichkeiten gelassen hat, eine Rechnung über 27 Euro an Reisekosten. Diese weigert sich, zu zahlen, worauf Herr S. Klage beim Arbeitsgericht einreicht.

Und die Arbeitgeberin schreibt Folgendes an das Arbeitsgericht, wobei der Zusatz auf dem Briefkopf der Gartenmanufaktur „Bei uns finden Sie immer etwas Besonderes" eine ganz besondere Bedeutung erhält:

Sehr geehrter Herr Dr.…,

der Ordnung halber möchte ich Ihnen mitteilen, daß ich - Frau … - Antragsgegnerin

bin.

In Ihrer Annahme, daß es der Sache des Arbeitgeber ist, wer das Bewerbungsgespräch führt, stimme ich Ihnen voll und ganz zu; für diese gesunde Einschätzung ersteinmal vielen Dank!

 

Eigentlich wollte ich mich zu diesem "Kasperle-Theater'' von Herrn S. gar nicht äußern, da

ich als soetwas von überflüssig finde, mir von arbeitsscheuen Sozialschmarotzern die Zeit und

die N E R V E N stehlen zu lassen.

Ich muß jeden Tag für mein Geld hart arbeiten und da zählt für mich jede Minute.

Es ist gut, daß wir in einem Land mit dem besten Rechtssystem leben - ich glaube, daß wissen wir alle sehr zu schätzen !?

Was nun hier allerdings seit einem halber Jahr läuft, ist ohne Worte!!

Ich kann hier nur nochmals wie folgt Stellung nehmen:

1. wenn der Herr S. ernsthaft an einer Stelle interessiert gewesen wäre, so wäre es

für einen aufrichtig Arbeitssuchenden selbstverständlich gewesen, noch einige Minuten langer

zuwarten oder ggf!. einen Zweittermin auszumachen

2. wenn der Herr S. nur 10 % von seiner Energie in eine ernsthafte Arbeitssuche investieren

würde, würde er dem Staat nicht auf der Tasche liegen müssen und hier solchen unnötigen Zeitaufwand bei den Gerichten und bei mir verursachen

(vielleicht wäre er ja als RA Gehilfe tauglich .... aber da müsste er ja arbeiten .... !?)

3. im übrigen ist anzmerken, daß Herr S. seine geforderten 27 € jederzeit vom Arbeitsamt

erstattet bekommen worden, wenn der voraussichtliche Arbeitgeber diese Summe nicht

bezahlt (so wurde es mir vom Arbeitsamt mitgeteilt. .. )

Ich bitte doch dieses einmal zu klären, vielleicht hat Herr S. ja diese Summe schon

von der ARGE erhalten ?

Bis dahin viele Grüße vom …

(Anmerkung: Das ist der Originaltext. Nicht, dass noch jemand auf die Idee kommt, der Autor beherrsche die deutsche Sprache nicht.)

 

Ja, das ist asozial! Und leider kein Einzelfall. 10 Jahre Hartz IV haben dazu geführt, dass langzeiterwerbslose Arbeitssuchende wie Dreck behandelt werden und sich noch vor Gericht aufs Übelste beschimpfen lassen müssen. Über römische Dekadenz, Hängematte, wahnwitzige Regelsatzberechnungen einer Uni, sozialdarwinistische Thesen eines Prof. Heinsohn, Vorführung eingekaufter geistig umnachteter „Vorzeige-Hartzern" in sogenannten Talkrunden und breite Diffamierungskampagnen der meisten Medien wurde ein Klima geschaffen, dass nur als Faschismus bezeichnet werden kann. Herabwürdigung und Ausgrenzung einzelner Bevölkerungsgruppen.

 

Mir ist nicht bekannt, wie hoch der Job dotiert war, aber angesichts des Verhaltens dieser Arbeitgeberin liegt es nahe, anzunehmen, dass er weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn gelegen hätte. Hat doch die Bundesregierung ein Gesetz erlassen, in dem Langzeiterwerbslose nicht nur zu Menschen zweiter Klasse degradiert werden, sondern gleich aus der Gesellschaft ausgegliedert werden, indem ihnen der für jede und jeden zustehende Mindestlohn per Gesetz vorenthalten bleibt.

Ja, das ist Faschismus. Und nein, ein Arbeitgeber gibt keine Arbeit. Er nimmt sie, und bei „Arbeitgebern" wie dieser besteht der Lohn für die vom „Arbeitnehmer" gegebene Arbeit in einem Tritt in den Allerwertesten.







#Gesundheitskarte: #Massive #Datenschutz-Lücke [via Nachdenkseiten]

 
Gesundheitskarte: Massive Datenschutz-Lücke
 
[via Nachdenkseiten]
 
 
 

Effizient, modern, sicher – so wird die elektronische Gesundheitskarte (eGK) gerne dargestellt. Doch ihr Sicherheitskonzept wird durch eine massive Datenschutz-Lücke ausgehebelt. Nach Recherchen des ZDF heute-journals sind sensible Patientendaten von Millionen Deutschen nicht sicher.

Stehen Sie kurz vorm Burnout? Waren Sie mal drogenabhängig? Oder nehmen Sie Psychopharmaka?
 
Antworten auf diese Fragen sind leicht zu finden, wenn man Einblick in Ihre Patientenakte erhält.
 
Dort stehen hochsensible Daten, die zum Beispiel für Kollegen oder Vorgesetzte sehr interessant sein können. Mit krimineller Energie ist es unter Umständen sehr einfach, an solche Informationen heranzukommen.
Quelle: ZDF
 


via Nachdenkseiten --->>> Die Dressur zum Gehorsam ... wirksame "Identifikation mit dem Aggressor"

 

Das Rätsel der „freiwilligen Knechtschaft"

[via Nachdenkseiten]
 
 

Als Nachtrag zu meinem Text „Von Grillen und Ameisen" gehe ich der Frage nach, wie man es sich erklären kann, dass Massen von Menschen politischen Kräften folgen, die ihnen Schaden zufügen. Die Dressur zum Gehorsam in der frühen Kindheit und die ein Leben lang wirksame „Identifikation mit dem Aggressor" verhindern die Entwicklung der Fähigkeit zu Mitgefühl und Solidarität– mit uns und anderen.

Von Götz Eisenberg.



Das „falsche Selbst" und die Wendung gegen das (eigene und fremde) Glück

„Unserem Glück auszuweichen haben wir alles unternommen."

(Vlado Kristl)

„Früh in der Kindheit", berichtet Theodor W. Adorno in seinem Buch Minima Moralia, „sah ich die ersten Schneeschaufler in dünnen schäbigen Kleidern. Auf meine Frage wurde mir geantwortet, das seien Männer ohne Arbeit, denen man diese Beschäftigung gäbe, damit sie sich ihr Brot verdienten. Recht geschieht ihnen, dass sie Schnee schaufeln müssen, rief ich wütend aus, um sogleich fassungslos zu weinen."

Der kleine Theodor reagiert zunächst ganz im Sinne der Erwachsenenwelt, deren Urteile und Vorurteile er sich zu eigen gemacht hat. Die Schneeschaufler trifft seine mitleidlose Wut. Dann aber kriegt er die Kurve und er beginnt zu weinen – aus Scham wegen seiner Anpassung und aus Mitleid mit den frierenden Menschen. Der kleine Junge schlägt sich auf die Seite der gequälten Männer, in deren Leiden er sich wiedererkennt.

Reif und erwachsen werden bedeutet für die meisten Kinder und Jugendlichen, sich die beschädigte Existenz des durchschnittlichen Erwachsenen zu eigen zu machen. Unter dem Druck elterlicher Strafandrohungen und Strafen identifiziert sich das Kind mit den Normen und Werten der Erwachsenen. Ein Kind kann ohne das Wohlwollen und die Zuwendung der Erwachsenen nicht existieren, zu groß ist seine Angst vor Liebesverlust und Verlassenheit. Arno Gruen beschreibt diesen Vorgang in seinem neuen Buch Wider den Gehorsam so: „Wenn ein Kind von demjenigen, der es schützen sollte, körperlich und/oder seelisch überwältigt wird und das Kind zu niemandem fliehen kann, wird es von Angst überwältigt. Eine Todesangst sucht das Kind heim. Es kann nicht damit leben, dass die Eltern sich von ihm zurückziehen. Ohne Echo für seine ihm eigene Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit kann ein Kind nicht überleben. Es übernimmt, um seine Verbindung aufrechtzuerhalten, die Erwartungen der Eltern. Auf diese Weise wird das seelische Sein eines Kindes in seiner autonomen Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit geradezu ausgelöscht." Das Kind unterwirft sich den elterlichen Erwartungen und wird – brav. Es lässt die Erwachsenen in sich wachsen, statt seines eigenen Selbst. Es kann nun ein Leben lang nicht aufhören, die Gefühle seiner Eltern anstelle seiner eigenen zu haben.

Sein Körper wird ihm zum Fremd-Körper, die eigenen Impulse werden ihm fremd, bis es sie schließlich als bedrohlich erlebt und abwehrt. Es entwickelt notgedrungen das, was der englische Psychoanalytiker D. W. Winnicott und nach ihm Alice Miller als „falsches Selbst" bezeichnet haben. Zu viele Bestandteile des Ich erweisen sich als Nicht-Ich, als fremd-entfremdende Introjekte, so dass der auf diese Weise herangewachsene Mensch zu keinem gelassenen Umgang mit dem Anderen finden kann und sich die Einfühlung in fremdes Elend versagt. Er verschließt sein Herz gegen Mitleid und andere weiche Regungen und macht sich zum Anwalt seiner Zerstörung. Der Konformismus, der sich auf der Basis einer „Identifikation mit dem Aggressor" entwickelt, ist mit Feindseligkeit und Bösartigkeit kontaminiert. Wo Ich-Einschränkung und Wunschvernichtung in früher Kindheit, in Schule und Beruf Verletzungen zufügten und Narben hinterließen, entwickelt sich panikartige Angst vor dem Anspruch auf Glück, auf Formen von Unabhängigkeit, den man in sich selbst unter Schmerzen begraben musste. Alles, was in der Außenwelt und bei anderen an aufgegebene eigene Glücksansprüche und Hoffnungen erinnert, wird abgelehnt, im Extremfall gehasst und verfolgt. No Pity for he Poor nennt der erwachsen gewordene Theodor W. Adorno die dem „autoritären Charakter" eigene Verhärtung gegen die Leiden der Armen und Erfolglosen, der auch er in der oben geschilderten Kindheitsepisode einen Augenblick lang Raum gegeben hatte.

Für einen Moment ist es in der Schwebe, auf welche Seite sich ein Mensch in seiner Entwicklung schlägt. Der privilegiert aufwachsende Adorno entscheidet sich für die eigenen Glücksansprüche und das Lebendige, die meisten anderen wählen unter äußerem Druck den Weg der Anpassung und der Assimilation ans Tote. "Der Weg des Faschismus ist der Weg des Maschinellen, Toten, Erstarrten, Hoffnungslosen. Der Weg des Lebendigen ist grundsätzlich anders, schwieriger, gefährlicher, ehrlicher und hoffnungsvoller", schrieb Wilhelm Reich in seiner Massenpsychologie des Faschismus. Schon Mitte des 16. Jahrhunderts hatte der eng mit Montaigne befreundete französische Jurist und Autor Etienne de la Boétie sich über die Tyrannenverehrung seiner Mitmenschen gewundert und sie „Freiwillige Knechtschaft" genannt: „Diesmal möchte ich nur erklären, wie es geschehen kann, dass so viele Menschen, so viele Dörfer, Städte und Völker manchesmal einen einzigen Tyrannen erdulden, der nicht mehr Macht hat, als sie ihm verleihen, der ihnen nur insoweit zu schaden vermag, als sie es zu dulden bereit sind, der ihnen nichts Übles zufügen könnte, wenn sie es nicht lieber erlitten, als sich ihm zu widersetzen."

Auch der junge Max Horkheimer macht in den 20er und frühen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts die traurige Erfahrung, dass die Masse der Menschen sich mit ihren Unterdrückern identifiziert, statt sich mit denen zu solidarisieren, die sich gegen sie auflehnen. In seinem Buch Dämmerung schreibt er: „Auch dass die beherrschten Klassen, von den fortgeschrittensten Gruppen abgesehen, der Verlogenheit ihrer Vorbilder folgen, ist zwar schwer verständlich, aber doch hinreichend allgemein bekannt. Besteht doch die Abhängigkeit dieser Klassen nicht allein darin, dass man ihnen zu wenig zu essen gibt, sondern dass man sie in einem erbärmlichen geistigen und seelischen Zustand hält. Sie sind die Affen ihrer Gefängniswärter, beten die Symbole ihres Gefängnisses an und sind bereit, nicht etwa diese ihre Wärter zu überfallen, sondern den in Stücke zu reißen, der sie von ihnen befreien will." Genau das können wir im Moment erneut beobachten: Statt sich im Schicksal der Griechen wiederzuerkennen und zu rufen: „Wir sind alle Griechen!", identifiziert sich die Masse der Menschen in Nordeuropa mit denen, die den Griechen das Fell über die Ohren ziehen und sie ihrem Diktat unterwerfen wollen.

Lawrence Le Shan, der Pionier der psychologischen Krebsforschung, hat eine Methode entwickelt, um seine Patienten mit den abgewiesenen Teilen ihres Selbst in Berührung zu bringen. In ihrer ständigen Selbstzurückweisung und Selbstbestrafung erblickt er einen wesentlichen karzinogenen Faktor. Ständig hallen die Entwertungen und Verurteilungen der Eltern in den seelischen Innenräumen der Patienten nach, die sie häufig nicht nur akzeptiert, sondern sogar gutgeheißen haben. Gehorsam und loyal halten sie ihren Peinigern die Treue und geben sich selbst die Schuld.

Le Sahn schildert in seinem Buch Psychotherapie gegen den Krebs (Stuttgart 1982) eine Sequenz aus der Therapie mit Arlene.

„Ich bat sie, sich an einer Vorfall in ihrer Kindheit zu erinnern, bei dem sie ihrer Meinung nach höchst ungerecht behandelt worden und sehr gekränkt gewesen war. Sie erinnerte sich an ein solches Geschehen und konnte es sich in allen Einzelheiten ins Gedächtnis zurückrufen. Am Ende hatte sie allein in ihrem immer gelegen und geweint. Arlene konnte diese Szene ganz deutlich vor sich sehen und wusste sogar noch, welches Kleid sie an jenem Tag angehabt hatte. Nun bat ich sie, sich vorzustellen, dass wir hier im Sprechzimmer eine Zeitmaschine hätten. Sie sollte sich hineinbegeben und – die erwachsene Frau, die sie heute war – in jenes Zimmer und in jenen Augenblick ihrer Kindheit zurückreisen.

Le Shan: Jetzt betreten Sie – so wie Sie heute sind – das Zimmer, in dem die kleine Arlene weinend auf ihrem Bett liegt. Sie gehen hinein, und das Kind sieht zu Ihnen auf. Was tun Sie?

Arlene: Ich würde ihr eins draufgeben!!"

Das Erschrecken Arlenes über diese spontane Reaktion bildete den ersten Schritt in Richtung einer neuen Einstellung zu den zurückgewiesenen Teilen ihres Selbst.
Sozialpsychologisch gewendet bedeutet die Le Shan'sche Methode der Zeitmaschine: Der Weg zur Solidarität mit anderen führt über die Wiederentdeckung der Leiden des Kindes, das wir einmal waren und das wir auf dem Weg zum Erwachsenwerden zum Verschwinden und Verstummen bringen mussten. Die Dressur zum Gehorsam in der frühen Kindheit und die ein Leben lang wirksame Identifikation mit dem Aggressor verhindern die Entwicklung der Fähigkeit zu Erbarmen und Mitgefühl – mit uns und anderen.

Der Neoliberalismus fördert die zwischenmenschliche Verfeindung

„Zwei Jungen begegnen irgendwo in den amerikanischen Wäldern einem aggressiven Grizzlybären. Während der eine in Panik gerät, setzt sich der andere seelenruhig hin und zieht sich seine Turnschuhe an. Da sagt der in Panik Geratene: ‚Bist du verrückt? Niemals werden wir schneller laufen können als der Grizzlybär.' Und sein Freund entgegnet ihm: ‚Du hast Recht. Aber ich muss nur schneller laufen können als du.'"

(Robert Stern)

Es gibt gesellschaftliche Großwetterlagen, die im Sinne eines öffentlichen Klimas Haltungen wie die eben beschriebene treibhausmäßig fördern. Es macht einen nicht zu unterschätzenden Unterschied, ob man in einer Gesellschaft aufwächst und lebt, in der Schwachen und weniger Leistungsfähigen solidarisch beigesprungen und unter die Arme gegriffen wird, oder in einer, in der sie der Verelendung preisgegeben und als sogenannte Loser zu Objekten von Hohn und Spott werden. Unter günstigen lebensgeschichtlichen Bedingungen erworbene Fähigkeiten wie die, sich in andere einfühlen zu können und sich von ihrem Leid berühren zu lassen, bedürfen dauerhafter äußerer Stützung, sonst bilden sie sich zurück und zerfallen schließlich. Die Eigenschaften und Haltungen, die einen in der Konkurrenz weiterbringen: kalte Schonungs- und Skrupellosigkeit, Anpassungsbereitschaft, Wendigkeit, eine gewisse Gewieftheit etc. überwuchern diejenigen, die dem im Wege stehen und die man bislang als die eigentlich menschlichen angesehen hat. Der Andere, der Mitmensch, wird unter solchen Bedingungen zum feindlichen Konkurrenten, zum Überzähligen, schließlich zum Gegen- oder Nicht-Menschen, dem jede Einfühlung verweigert und Unterstützung aufgekündigt wird. Man gewöhnt sich daran, dass das Glück der einen mit dem Leid der anderen zusammen existiert: Glück ist, wenn der Pfeil den Nebenmann trifft. Jede Gesellschaft produziert ihr gemäße Charaktere, lebt von ihnen und reproduziert sich durch sie. Erich Fromm hat für die gemeinsame Charakter-Matrix einer Gruppe den Begriff „Gesellschafts-Charakter" geprägt.

Dabei geht er davon aus, dass der grundlegende Faktor bei der Bildung des „Gesellschafts-Charakters" die Lebenspraxis ist, wie sie durch die Produktionsweise und die sich daraus ergebende gesellschaftliche Schichtung zustande kommt. „Der Gesellschafts-Charakter ist jene besondere Struktur der psychischen Energie, die durch die jeweilige Gesellschaft so geformt wird, dass sie deren reibungslosem Funktionieren dient." Der seit den 1980er Jahren hegemonial gewordene Neoliberalismus hat den Sozialstaat geplündert und planiert. Er hat einen sozialen und moralischen Darwinismus etabliert, der den Kampf eines jeden gegen jeden ins Recht setzt, den Werten eines absolut asozialen Individualismus zum Durchbruch verholfen hat und das Gros der Bevölkerung dazu verurteilt, in einem Universum permanenter Verteidigung und Aggression zu leben. Wer Mitgefühl zeigt, droht aus dem Markt geworfen zu werden und einen sozialen Tod zu sterben. Insofern dürfen wir uns nicht wundern, dass die vom Sozialstaat propagierte Kultur des menschlichen Entgegenkommens und der Solidarität von einer Kultur der wechselseitigen Verfeindung und des Hasses abgelöst wird. Empathie und Mitgefühl befinden sich in den Gesellschaften des losgelassenen Marktes im freien Fall, weil sie von außen keine Stützung mehr erfahren, sondern mehr und mehr als Störfaktoren und Hindernisse im individuellen Fortkommen betrachtet werden.

Eine solidarische, egalitäre Gesellschaft – mit Freundlichkeit als vorherrschendem Kommunikationsstil – würde den Menschen nicht mehr so viel Bosheit einpressen, sondern Raum und Zeit für eigene Entwicklungen einräumen. Ihr Hauptaugenmerk gälte der Schaffung neuer verlässlicher Räume, in denen es Kindern möglich wäre, unter Bedingungen raum-zeitlicher Konstanz und leiblicher Anwesenheit ihrer Bezugspersonen ihre psychische Geburt zu vollenden und sich zu Menschen in einer menschlichen Gesellschaft zu entwickeln.

Eine Gesellschaft, die ihre soziale Integration und den zwischenmenschlichen Verkehr auf Formen solidarischer Kooperation gründet, statt auf der letztlich a-sozialen Vergesellschaftung durch Markt und Geld, wird auch andere psychische Strukturen und andere Formen der Vermittlung von Psychischem und Gesellschaftlichem hervorbringen, für die uns Heutigen die richtigen Begriffe fehlen. Allenfalls wird man sagen können, dass der individuelle Selbstwert einen ausgeprägten Bezug zur Gemeinschaft aufweisen würde, in der der Einzelne in echter Solidarität aufgehoben wäre. Unter solch utopischen Bedingungen aufgewachsenen Menschen würde weniger Bosheit eingepresst, so dass sie nicht mehr genötigt wären, diese im sozialen Vorurteil gegen Minderheiten zu richten. Sie könnten sich diesen einfühlsam und solidarisch zuwenden.




Freitag, 17. Juli 2015

Es gibt in Deutschland weder jetzt noch in naher Zukunft einen Fachkräftemangel! [Unsere 95. Thesen]

 
 
 
 
 

 
 

Unsere 95 Thesen
 
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52. Es gibt in Deutschland weder jetzt noch in naher Zukunft einen Fachkräftemangel!

Unsere 95 Thesen

 
[via Junge Welt]
 



--->>> ..... #wie #weit #sich #der #Staat #inzwischen #vom #Grundgesetz #entfernt #hat

 
Gelungener Auftakt zwischen Adlon und Brandenburger Tor
 
Von Diana Aman
 
[via scharf-links.de]
 
 

Am 15. Juli war Ralph Boes nach bereits 2 Wochen Hungern erstmals öffentlich am Pariser Platz anzutreffen. Im Geiste einer Kunstperformance sitzt Ralph Boes nun jeden Abend zwischen 19 – 22 Uhr an einem Tisch mit zwei Stühlen – bereit zum Gespräch. Der erste Tag war ein großer Erfolg. Viele Passanten  haben die Gelegenheit genutzt und ihre Fragen gestellt.

Das Adlon im Blick, das Brandenburger Tor im Rücken und rechts die Akademie der Künste, umringt von Schaulustigen, Unterstützern und Medien, auf dem Tisch eine stilvolle Wasserkaraffe, zwei Gläser und Ralph Boes mit seinem markanten roten Schal.

In diesem Ambiente kam es zu zahlreichen Gesprächen mit interessierten Bürgern, die von Ralph Boes erfahren konnten, warum er schon über zwei Wochen im Sanktionshunger ist und was das bedeutet.
Da das Jobcenter dem bewusst widerständigen Ralph Boes seit über 3 Jahren die Leistungen verweigert, zieht er die Konsequenzen. Das, was tausendfach hinter verschlossenen Türen geschieht, macht Ralph Boes öffentlich.

Er prangert die Kürzungspolitik des Sozialsystems an und hat nur durch Darlehen von Unterstützern überleben können. Nachdem das Sozialgericht Gotha, die durch Boes in Auftrag gegebene Richtervorlage, welche die Verfassungswidrigkeit der Sanktionen in SGBII belegt,  nach Karlsruhe weitergereicht hat, um den Sachverhalt durch das Bundesverfassungsgericht prüfen zu lassen, sieht Boes keine Legitimation mehr, Darlehen anzunehmen.


Er ist bereit sein Leben einzusetzen, um aufzuzeigen, wie weit sich der Staat inzwischen vom Grundgesetz entfernt hat.


Im Zuge der Aktion sollen auch verantwortliche Politiker und der ehemalige Geschäftsführer der Arbeitsagentur, Heinrich Alt, zum Gespräch an Ralph Boes' Tisch geladen werden.




Warum schweigen die Lämmer? - Demokratie, Psychologie und Empörungsmanagement. [via Nachdenkseiten]

 

Warum schweigen die Lämmer? – Demokratie, Psychologie und Empörungsmanagement.

 
[via Nachdenkseiten]
 
 

Hinter diesem Titel verbirgt sich der bemerkenswerte Vortrag des Kieler Psychologieprofessors Dr. Rainer Mausfeld. Es lohnt sich, diesen Vortrag anzuhören/anzuschauen, und es empfiehlt sich, Freunde, Nachbarn und Familie zur Diskussion einzuladen. Mausfeld nimmt uns, soweit noch vorhanden, die letzten Illusionen zum Zustand der Demokratie, zum Missbrauch unserer Sympathie für Demokratie und zur Gewalttätigkeit unserer westlichen „Werte"gemeinschaft. Desillusionierung schadet nicht. Außerdem: Der Vortrag ist aktuell – wegen Griechenland, wegen der spürbaren Bereitschaft zu militärischen Auseinandersetzungen, wegen der alltäglichen Gewalt. Wir bieten Ihnen nicht nur die Links zum Vortrag, auf die anschließende Diskussion und auf ein Interview mit Professor Mausfeld bei Phoenix – zum leichteren und nachhaltigen Umgang mit dem Vortrag bieten wir hier [PDF – 352 KB] http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/150715-zusammenfassung-warum-schweigen-die-laemmer-1_.pdf auch noch eine Zusammenfassung und Handreichung, die die NachDenkSeiten-Leserin S.H. dankenswerter Weise zusammengestellt hat. Albrecht Müller.

Legen Sie diesen Text neben den Bildschirm, wenn Sie sich den Vortrag anschauen, dann können Sie gleich anstreichen, was Ihnen als besonders wichtig erscheint. Und Sie können Fehlendes ergänzen. Deshalb ist am Ende dieser Einführung die Handreichung auch noch in Word angehängt. Hier finden Sie übrigens auch noch eine Datei mit Quellen [PDF – 385 KB] http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/150715-quellen-aus-zum-vortrag%E2%80%93warum-schweigen-die-laemmer-1.pdf aus und zu dem Vortrag, ebenfalls zusammengestellt von unserer NachDenkSeiten-Leserin.

Professor Mausfeld benutzt viele Fremdwörter. Das sollte Sie nicht allzu sehr schrecken. Sie werden im Gesamtkontext verständlich. Das Verständnis wird dadurch erleichtert, dass immer wieder Belege, Zitate, Erläuterungen eingeblendet werden.

Der Vortragende bringt nicht nur Neues. Vielen Leserinnen und Lesern der NachDenkSeiten ist vieles geläufig. Es geht bei ihm zum Beispiel auch um Methoden der Meinungsmache, denen bei uns eine Serie von Beiträgen gewidmet ist. Als Autor des Buches „Meinungsmache. Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen" traf ich beim Hören des Vortrages ohnehin auf viel Bekanntes. Aber das muss nicht stören.

Diskussion im kleinen Kreis

Der Vortrag dauert über 1 Stunde. Sie müssen sich also ein bisschen Zeit nehmen. Aber es lohnt sich. Und nutzen Sie, wie oben schon erwähnt, diesen Vortrag zur Einladung an Ihren Freundeskreis. Eine andere Leserin der NachDenkSeiten machte gestern gerade drastisch darauf aufmerksam, wie angepasst und unkritisch das deutsche Bildungsbürgertum mit den aktuellen Ereignissen und der täglichen Manipulation umgeht, so zumindest ihre Erfahrung, der ich nicht widersprechen konnte.

Sie können mit Ihrer Einladung an Ihren Freundeskreis neben her auch noch für die Nutzung der NachDenkSeiten werben. Wie Sie wissen, sind die NachDenkSeiten auf dieses Weitersagen angewiesen.

Kurze Inhaltsangabe

Zum Inhalt des Vortrags zitiere ich aus der Zusammenfassung von Maskenfall: http://www.maskenfall.de/?p=9017#more-9017

„Seit der Antike wird betont, daß Demokratie nur in dem Maße funktionieren könne, wie es gelinge, der Bevölkerung die politische Rolle eines bloßen Zuschauers zuzuweisen. Da die Masse ‚irrational' sei, bedürfe die Demokratie einer Lenkung durch eine Elite ‚verantwortlicher Führer'. Dieser Elite komme die Aufgabe zu, die ‚irrationale Herde' zu leiten, ihr Schweigen zu deuten und im Sinne eines Erhalts der jeweils herrschenden Ordnung zu lenken. Folglich sei ‚Stabilität' in einer Demokratie nur mit Hilfe geeigneter Techniken zur Lenkung der öffentlichen Meinung zu gewährleisten. 

Staaten können mit Billigung und Unterstützung der Mehrzahl ihrer Bürger schlimmste Greueltaten – wie Folter, gezielte Tötungen und Völkermord – begehen. Daher stellt sich die Frage, warum dies in Demokratien nicht zu Empörungsreaktionen mit politischen Konsequenzen führt. Denn wir verfügen über ein natürliches moralisches Empfinden, so daß sich ein ‚Schweigen der Mehrheit' nur in dem Maße erreichen läßt, wie sich derartige Verbrechen moralisch unsichtbar machen lassen. Am Beispiel einiger unstrittiger und gut dokumentierter Fakten werden Techniken und Strategien aufgezeigt, wie sich schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen für die Bevölkerung moralisch unsichtbar machen lassen und wie sich die aus Sicht der jeweils herrschenden Eliten gewünschte politische und moralische Apathie der Bevölkerung erreichen läßt."

Anhang:

Zusammenfassung und Handreichung des Vortrags von Professor Mausfeld durch eine Leserin der NachDenkSeiten:

Warum schweigen die Lämmer? – Demokratie, Psychologie und Empörungsmanagement.
Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements
Vortrag an der Christian Albrechts Universität Kiel, am 22.06.2015:
Prof. Dr. Rainer Mausfeld

Worum es geht bei diesem Thema:

Wie identifiziert man stillschweigende Prämissen in der Begrifflichkeit, mit der man ein Phänomenbereich konzeptualisiert?

Wir wollen versuchen, stillschweigende Prämissen in der Art von Begrifflichkeit zu identifizieren, mit der wir politische Phänomene konzeptualisieren.

Wie kann man Sinn- bzw. Bedeutungszusammenhänge durch Fragmentierung unsichtbar machen?

  • Wer will Sachverhalte unsichtbar machen?
  • Wer macht Sachverhalte für wen unsichtbar?

Menschenbild und Regierungsform

  • Thukydides (454-399 v.u.Z.)

Das Paradoxon der Demokratie

  • Aristoteles (384-322 v.u.Z.)
  • James Madison (1751-1836; von 1809-1817 vierter Präsident der USA, einer der Gründerväter der US-amerikanischen Verfassung)
    • gleicher Grundgedanke: Die Minorität der Reichen muss vor der Majorität der Armen geschützt werden
    • Lösungsvorschlag von Madison: „repräsentative Demokratie", durch die sich geeignete oligarchische Strukturen zur Sicherung der Eigeninteressen der „minority of the opulent" etablieren lassen

‚Demokratie' als „notwendige Illusion"

Westliche Demokratien sind tatsächlich Oligarchien

  • USA (Samuel Huntington/1975, Washington Times/2014, Arndt Oetker/2002, Süddeutsche Zeitung/2015, Martin Gilens u. Benjamin I. Page/2014)
  • Europa => Das neoliberale Programm ist nicht mehr demokratisch abwählbar(The Wall Street Journal/2013)

Neoliberalismus und Demokratie sind miteinander unverträglich (Milton Friedman/1990, Demokratie als Geschäftsrisiko für multinationale Konzerne)

Ideal einer „spectator democracy" (Zuschauer-Demokratie/Illusion von Demokratie => Trilaterale Kommission/1975)

  • notwendige Voraussetzung: eine weitgehend entpolitisierte und von Apathie und Zynismus befallene Bevölkerung
  • geeignete Techniken: Apathie-Induktion (durch Sorgen um finanziellen Lebensunterhalt, Ängste/‚fear-mongering', Konsumismus, Techniken des Meinungsmanagements, Techniken des Empörungsmanagements)

„It is therefore, on opinion only that government is founded." David Hume
Demokratie und Meinungsmanagement

  • Harold D. Lasswell (1902-1978)
  • Edward L. Bernays (1891-1995), Propaganda/1928, (1949 von der American Psychologial Association für seine Beiträge zur Entwicklung von Techniken der Meinungsmanipulation geehrt)
  • Meinungsmanagement durch Herstellen einer Illusion der Informiertheit => Paul F. Lazarsfeld (1901-1976) => Massenmedien als soziale Narkotika
  • affektive Techniken des Meinungsmanagements ‚narcotics'
  • affektive Techniken des Meinungsmanagements ‚fear-mongering' => Fearmongering has played an importand role in U.S. foreign policy over the past seventy years" => John J. Mearsheimer => laut Mausfeld einer der renommiertesten US-amerikanischen Politologen
  • kognitive Techniken des Meinungsmanagements: wichtiger als die affektive Steuerung sind natürlich Meinungen => Meinungen sind stabiler als Affekte, also hat man Techniken entwickelt, wie man Meinungen in geeigneter Weise Steuern kann:
    • deklariere Fakten als Meinungen
    • fragmentiere die Darstellung eigentlich zusammenhängender Fakten dergestalt, dass der Sinnzusammenhang (z.B. geschichtliche Kontinuität) verlorengeht
    • dekontextualisiere Fakten: dadurch werden Fakten aus dem Zusammenhang gerissen, der allein ihr Verständnis erlaubt und werden zu isolierten „Einzelfällen" ohne moralische und politische Implikationen
    • rekontextualisiere Fakten: dadurch werden Fakten in einen fremden Sinnzusammenhang eingebettet, der sie als etwas anderes erscheinen lässt, als das, was sie tatsächlich sind, so dass z.B. Folter und schwere Menschenrechtsverletzungen ihre natürliche Empörungsfunktion verlieren
  • Meinungsmanagement „Psychologik" sozialer Urteilsbildung
    • eine ganze Reihe von psychologischen Studien zeigen: je öfter eine Aussage wiederholt wird, umso höher ist der gefühlte Wahrheitsgehalt, selbst dann, wenn sie vorher vom Experimentator als falsch deklariert wurde! Beispiele: „die reformunfähigen und -unwilligen Griechen" bis hin in Zusammenhang mit der Krim die Bezeichnung „Annexion".
    • je weniger wir uns in einem Bereich auskennen, um so stärker neigen wir dazu, alle angetroffenen Meinungen als gleichberechtigt anzusehen (Wahrheit liege irgendwo in der Mitte, wir meiden das als „extrem" Bewertete => ganz wichtige Technik im politischen Geschäft, das zulässige, verantwortbare Spektrum zu definieren)

Selbsteinschätzung-Verhaltens-Paradox

  • Nationen können mit Billigung und Unterstützung der Mehrzahl ihrer Bürger schlimmste Greueltaten – wie Folter, Massenmorde und Völkermord – begehen und dennoch davon überzeugt sein, dass ihre Taten moralisch nicht verwerflich seien

Wie lassen sich „politisch nachteilige" Fakten moralisch unsichtbar machen?

  • kleine Fakten unsichtbar machen
    • strukturelle Gewalt durch westliche Finanzorganisationen ist weitgehend „kognitiv unsichtbar" (Beispiel: Weltbank verletzt Menschrechte weltweit)
    • Schwere Menschenrechtsverletzungen lassen sich „kognitiv unsichtbar" machen. Deutschland duldet Folter, wenn dies politisch opportun ist
  • große Fakten unsichtbar machen: Wie viel Zivilisten sind seit dem Zweiten Weltkrieg von den USA getötet worden?
    • US-Interventionen: Bombardierungen von Ländern seit 1945, verdeckte Umsturzaktionen (Listen aus Wikipedia) => Fakten „unsichtbar" machen durch eine Re-Kontextualisierung wie Behauptung „humanitäre Interventionen", „Kampf für Demokratie und Freiheit" => alles gut dokumentiert => allein 4 Millionen tote Muslime seit 1990 => Quellenangaben
    • Zivile Opfer durch US-Angriffe auf andere Staaten, „the worlds greatest force for peace and freedom, for democracy and security and prosperity":
      • 10 bis15 Millionen tote Zivilisten direkt durch die USA während der Kriege in Korea, Vietnam und der beiden Irak-Kriege
      • 9 bis14 Millionen tote Zivilisten durch Erfüllungsgehilfen der USA in Afghanistan, Angola, Kongo, Ost-Timor, Guatemala, Indonesien, Pakistan, Sudan => insgesamt: 20 bis 30 Millionen Menschen!
  • Wie kann es eigentlich gelingen, solche monströsen Dimensionen für die Bevölkerung praktisch vollständig unsichtbar zu machen?
    • Wessen Leben zählt? Elimination „unserer" Verbrechen aus dem öffentlichen Gedächtnis
    • Martin Luther King, New York, April1967: The United States is „the greatest purveyor of violence in the world today"
    • Nelson Mandela, Johannisburg 2003: „If there is a country that has committed unspeakable atrocities in the world, it is the United States of America. They don't care for human beings."
    • Die Fakten sind bekannt, sie sind aber nicht sichtbar! Wenn sie nicht sichtbar sind, können sie auch nicht das natürliche moralische Empörungsvermögen der Bevölkerung aktivieren! => Zu diesem Zweck wurden Kontrolltechniken entwickelt.
    • „Der gefährlichste Feind der Regierung ist die öffentliche Meinung": Nicht die Anzahl der Toten ist das Schreckliche, sondern die Wahrnehmung dieser Toten in der Bevölkerung, das ist das Gefährliche. => Beispiel Vietnamkrieg

„Taking the risk out of democracy" => Meinungs- und Empörungsmanagement

  • Meinungsmanagement:
    • Selektion, Distraktion und Aufmerksamkeitsmanagement
    • Fakten als Meinung deklarieren
    • De- Kontextualisierung und Fragmentierung von Fakten
    • Re-Kontextualisierung von Fakten
    • = „normale" Funktionsweise der Massenmedien
  • Empörungsmanagement:
    • Empörungsreaktionen gegen eigene oder befreundete Regierungen: => eindämmen => „Aufstandsbekämpfung"
    • Empörungsreaktion gegen unerwünschte Regierungen, wo ein Regime Change angestrebt wird: => anfachen => Aufstandsorganisation

      Empörungsmanagement „Aufstandsbekämpfung":

      • militärische Einsätze unterhalb der Kriegsschwelle => ist mittlerweile der größte und wichtigste Bereich von Interventionen, der die klassische Kriegsführung bei weitem übertroffen hat. Techniken: Drohnen, Kill/Capture, Show of Force Operations, Tötung von Führungspersonen, Abschreckung, Information Operations => Jeremy Scahill, Dirty Wars: The World Is a Battlefield (2013)
    • Was ist Terrorismus? Laut einer offiziellen militärischen Definition: nicht legitimierte Gewalt, um die Bevölkerung in Schrecken zu versetzen, um ideologische und politische Ziele zu erreichen. => die oben genannten Techniken/Aktionen erfüllen also die offizielle Definition von Terrorismus, heißen aber „Counterterrorism" = Antiterrorismus => Der einzige Unterschied ist, ob wir oder unsere „Feinde" sie einsetzen. WICHTIG: Hier müssen die impliziten Prämissen unserer Begrifflichkeiten untersucht werden, um zu fragen, welche Art von Vorannahmen stecken dahinter?
    • Was ist Aufstandsbekämpfung? Was sind Aufständische? => Welche impliziten Prämissen bzw. Vorannahmen stecken in diesen Begriffen? => Aufständische sind immer diejenigen, die aus Sicht der Regierung bzw. einer befreundeten Regierung gegen etwas kämpfen.
    • Was sind Freiheitskämpfer? Diejenigen, die gegen eine verfeindete Regierung kämpfen. = implizite Prämisse bzw. Vorannahme
  • Das Wort „Aufstandsbekämpfung" ist ähnlich wie das Wort „Terrorismus" ein zutiefst ideologisch getränkter Begriff!
  • Die Erforschung von Möglichkeiten der Aufstandsbekämpfung ist also ein ideologisches Unterfangen, vor allen Dingen wenn es im Kontext von Intention und Erfolg der Sicherung hegemonialer Interessen, etwa der NATO, dient!
  • blutigere Formen der Aufstandsbekämpfung werden von speziellen Einheiten übernommen, unterliegen keiner politischen Kontrolle: u.a. durch CIA, JSOC (Joint Special Operations Command) => Bericht über diese Aufstandsbekämpfung in der NYT, 7. Juni 2015: Schlachtfest an Zivilisten
    „SEAL Team 6: A Secret History of Quiet Killings and Blurred Lines. The unit best known for killing Osama bin Laden has been converted into a global manhunting machine with limited outside oversight."
  • Unsichtbarmachen von geschichtlicher Kontinuität:
    • lange Tradition: auch im Vietnamkrieg gab es solche Spezialeinheiten, die ausschließlich dazu dienten, Zivilisten zu metzeln => Tiger Force => Übersetzung eines 4-teiligen US-Reports in Spiegel-Online, 16.04.2004, Wikipedia-Artikel => wird dort alles beschrieben => niemand ist bisher zur Rechenschaft gezogen worden
  • Wichtig: Keine Einzelfälle!, auch wenn sie immer wieder so dargestellt worden sind. (Fragmentierung) => Wir wissen heute aus freigegebenen Dokumenten, dass der damalige General William Westmoreland (= Oberbefehlshaber der US-Truppen im Vietnamkrieg 1964-1968) seine Einheit explizit dazu ermuntert hat, solche Schlachtfeste zu betreiben.

Empörungsmanagement „extern" => Aufstandsorganisation:

=> in feindlichen Staaten nennen wir das „democracy promotion" => finanzielle Unterstützung durch NGO's für „Demokratie" und „Menschenrechte", z.B.:

  • National Endowment for Democracy
  • Freedom House
  • National Democratic Institute
  • Soros Foundation (= George Soros)
  • Open Society Institute (= George Soros)
  • Organisation „sanfter Revolutionen/Farbrevolutionen" durch NGO's im Dienste eines „Systemwechsels"
  • ehemalige verdeckte Aufgaben der CIA wurden hierdurch privatisiert
  • Artikel in Spiegel-Online, bezogen auf die Ukraine, über „Robert Helvey: Der Umsturzhelfer", 21.11.2005 (Helvey, ehemaliger CIA-Agent, der Handbücher für bunte Revolutionen geschrieben hat).
  • Artikel in Spiegel 46+47/2005, Spiegel-Online: Die Revolutions GmbH (I+II): „Der Mann vom US-Militärgeheimdienst bittet die Revolutionäre zum Lehrgang ins Hilton." „In Kiew wird kofferweise Bargeld aus den USA angeliefert – Hilfe für die Opposition."

    => Diese Informationen bleiben durch Fragmentierung für uns unsichtbar!

  • Privatisierung des Empörungsmanagements. „Wir verkaufen Realität"
    • große Konzerne: Hill & Knowlton, Burson & Marsteller; Artikel in Spiegel-Online: „‚Wir unterstützen Journalisten'. PR-Altmeister Harold Burson, 85, über Propaganda und die Arbeit seiner Agentur für Diktaturen", 31.7.2006, „mindestens 40 Prozent der Informationen einer Tageszeitung stammen bereits von PR-Agenturen"
    • Astroturfing" => Vortäuschung einer spontanen Graswurzelbewegung vieler verschiedener geographisch getrennter Einzelpersonen, die zentral gesteuert wird => die Bevölkerung hat immer den Eindruck, es handelt sich um eine Bewegung, die von unten getragen ist. (Artikel in Wikipedia)

      => Bursen-Marsteller => wirbt damit, dass sie die führende Graswurzelbewegung der Welt sind => man kann eine Graswurzelbewegung kaufen!

    Wie kann man die Bevölkerung täuschen? => The Science of Deception American Psychological Association (APA) im Dienste der CIA

    • The Official C.I.A. Manual of Trickery and Deception
    • APA Works with CIA and RAND to Hold Science of Deception Workshop => wie kann die neueste Forschung der Psychologie nutzbar gemacht werden, um die Bevölkerung zu täuschen?
    • The Art of Deception => Manual des britischen Geheimdienstes GCHQ (Government Communications Headquarters) => Sammlung von Techniken mit dem Ziel, Menschen so zu täuschen, dass sie es gar nicht mitkriegen, dass sie getäuscht werden.
    • Artikel darüber in The Intercept, von Glenn Greenwald: How Covert Agents Infiltrate the Internet to Manipulate, Deceive, and Destroy Reputations, 25.2.2014
    • Wie lassen sich Fakten kognitiv und affektiv „unsichtbar" machen? => Beiträge der Psychologie => Hochkarätige psychologische Forschung, die hier genutzt wird. => Wichtig: Selbst wenn wir wissen, wie diese Techniken funktionieren, sind wir nicht gegen sie gefeit! Diese Dinge laufen unbewusst, unsichtbar für uns selbst ab, wir schaffen es nicht, ihnen zu entgehen. => Wir dürfen uns also nicht einbilden, dass wir, nur weil wir diese Dinge jetzt wissen, dagegen gewappnet sind.
    • Aber wir können uns schützen! Wie? => Wir müssen die Mechanismen aufdecken. Nur wenn wir uns bewusst sind, dass wir in einem Manipulationskontext sind und diesen Kontext aktiv vermeiden, haben wir eine Chance, uns zu schützen. Nur wenn wir bereit sind, Dinge zu hinterfragen: SAPERE AUDE! => Wage es, zu erkennen! => Das ist keine leichte Aufgabe, aber eine andere Wahl haben wir nicht. Die Entscheidung liegt bei uns.




Dienstag, 14. Juli 2015

"Über die Gewinne der Kapitaleigner wird nie diskutiert, die Erträge der Vermögenden sind tabu." [Ulrike Herrmann]

 
 
 

 
 
 
 
 
 

"Über die Gewinne der Kapitaleigner wird nie diskutiert, die Erträge der Vermögenden sind tabu. (...)" (S. 96)
 
[Ulrike Herrmann - Hurra, wir dürfen zahlen (2010)]