Dienstag, 14. Mai 2013

Je ärmer der Staat, desto leichter lassen sich Privatisierungen oder Teilprivatisierungen über ÖPP-Modelle durchsetzen.


Jetzt jammern sie über die Folgen

der von ihresgleichen systematisch betriebenen Verarmung des Staates

 
[via Nachdenkseiten]
 
 

 
 

In Springers „Welt" erschien heute ein Artikel, in dem beklagt wird, die marode Infrastruktur schwäche den „Standort Deutschland". Die Infrastruktur sei eine Stärke Deutschlands gewesen und jetzt werde sie verspielt. – Das ist wieder einmal eine jener zu späten Erkenntnisse aus den Medien-Häusern jener Ideologen, die uns seit Jahren predigen, der Staat solle sich zurückziehen, der schlanke Staat sei angesagt.

Das war zwar immer Blödsinn, aber es diente dazu, den ideologisch gleich gefärbten und zugleich auf finanziellen Vorteil bedachten Spezies neue Geschäftsfelder zu eröffnen. Je ärmer der Staat, desto leichter lassen sich Privatisierungen oder Teilprivatisierungen über ÖPP-Modelle durchsetzen.

Oder auch die Privatfinanzierung der Verkehrsinfrastruktur. Seit langem weisen wir auf diese Fehlentwicklung hin: Hier zum Beispiel finden Sie als Ziffer 8 die Wiedergabe des Kapitels 13 aus „Meinungsmache" („Die Verarmung des Staates als strategischer Hebel").

Albrecht Müller.

Und hier haben wir auf einen Artikel von Barbara Supp im Spiegel hingewiesen. Den Essay gibt es inzwischen online.

Die systematisch betriebene Verarmung hat Folgen auf verschiedenen Feldern, nicht nur bei der Straßeninfrastruktur. Zum Beispiel:

Der ehemalige Bahnchef Mehdorn ließ mit Zustimmung der Bundesregierung zur Vorbereitung des Börsengangs der Deutschen Bahn AG das Schienennetz über weite Strecken verkommen.

Bei den Lehrern wird gespart. Ohne Rücksicht auf die folgenden Schwierigkeiten für die Unterrichtsplanung und die Qualität des Unterrichts – ohne Rücksicht auf die betroffenen Menschen sowieso.

SpiegelOnline berichtet gerade:

„Befristete Verträge: Länder entlassen vor Sommerferien Tausende Lehrer. Die Arbeitslosenzahlen schnellen jeden Sommer offenbar auch deshalb in die Höhe, weil Tausende befristete Lehrer vor den großen Ferien entlassen werden. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, sparen die Verträge der nicht beamteten Lehrkräfte die Sommerferien aus".

In weiten Teilen Europas kann man aktuell beobachten, was eine falsche und obendrein erfolglose Sparabsicht anrichtet.

Aber all diese vorhersehbaren Erfahrungen zeitigen keine Konsequenzen. Das hat etwas damit zu tun, dass die erwähnten kritischen Artikel eigentlich nur der Erhöhung der Glaubwürdigkeit von Medien dienen, die ansonsten dem Hauptstrom der Politik und Publizistik verpflichtet sind. Sie haben Alibicharakter.




Freitag, 10. Mai 2013

Die Mindestlohn-Forderung von 10 Euro-Std. - bereits im Jahr 2005


Die Mindestlohn-Forderung von 10 Euro-Std. – bereits im Jahr 2005
 
von Reinhold Schramm
 
[via scharf-links.de]
 
 


Im Jahr 2013 fordern SPD, Grüne und DGB nur 8,50 Euro-Std. Mindestlohn von der deutschen BDA-Wirtschafts- und Gesellschaftsführung

»SPD, Grüne und Gewerkschaften wollen einen gesetzlichen Mindestlohn. Die weiter steigende Zahl der Hartz-IV-Aufstocker unterstreicht diese Forderung {...}«
(Vgl. Tageszeitung)

Bereits im Diskussionspapier vom 31. März 2005 fordert der Arbeitslosenverband Deutschland (ALV): »Statt Hartz IV und Armutsarbeit – Mindesteinkommen und Mindestlohn!«

So forderte der Arbeitslosenverband „ein armutsverhinderndes und diskriminierungsfreies Mindesteinkommen für Nicht-Erwerbstätige und einen existenzsichernden Mindestlohn für Erwerbstätige" (März 2005). *

 

Zum »Mindestlohn für Erwerbstätige« heißt es schon im März 2005 beim Arbeitslosenverband: „In Deutschland leben 2 Millionen Erwerbstätige und deren Familien in Armut. Diese Einkommensarmut wendend ist ein Mindestlohn in Höhe von ca. 1.700 Euro pro Monat (Brutto; Vollzeit) bzw. 10 Euro pro Stunde (Brutto). Der Mindestlohn soll einer anwachsenden, unabgesicherten Tagelöhnerei, Gelegenheitsarbeit und Minijobs unter dem existenzsichernden Minimum entgegen wirken. Dem Lohndumping und der zerstörerischen Konkurrenz um niedrige Löhne soll ein Riegel vorgeschoben werden"

(Mindestlohn-Forderung im März 2005) *(Vgl. ALV-Diskussionspapier) *

Kommentar zum Mini-"Mindestlohn" von SPD, Grüne und DGB-Führung

Mit einem Mini-"Mindestlohn" von Brutto "8,50 Euro"-Std., so die DGB-Forderung, besteht kein Rentenanspruch oberhalb der Sozialhilfe bzw. gesetzlichen Grundsicherung, so auch nicht nach 50 Jahren in Vollzeitarbeit.

Für die gesetzliche Grundsicherung – auf Antragstellung – kommt es dann auch noch zur dauerhaften (Konto-)Überprüfung der Bedürftigkeit, analog dem Hartz-IV-Strafvollzug für Arbeitslose, trotz lebenslanger Billig-Lohnarbeit und Ausbeutung.

Die Mehrzahl der vermögenslosen Beschäftigten erreicht auch keine 40 Vollzeit-Arbeitsjahre, vor allem auch nicht Mütter und Väter.

Um nach 35 Jahren in Vollzeitarbeit ein Rentenniveau entsprechend der gesetzlichen Grundsicherung/Sozialhilfe zu bekommen, bedarf es bereits heute eines "durchschnittlichen" Brutto-Arbeitslohns von "15 Euro-Std."

Richtig wäre auch eine gesetzliche Grundsicherung im Rentenalter nicht unter mtl. 1100 Euro, plus die eigene erworbene (gesetzliche) Altersrente, zusammen nicht unter mtl. Netto: 1400 Euro! Für Vollzeit-Erwerbstätige nach 35 Arbeitsjahren und für Mütter/Väter nach 25 Arbeitsjahren – nach erreichen der gesetzlichen Altersgrenze – nicht unter Netto: 1400 Euro [ohne Kürzungen durch Steuern und Sozialabgaben].

Bei der zukünftigen (allgemeinen) gesetzlichen Rentensicherung müssen alle privaten Vermögen, einschließlich Erbschafts- und Kapitaleinkünfte, einbezogen werden. Jeder Bürger muss entsprechend seiner Leistungsfähigkeit und Einkünfte in die (allgemeine) gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, auch Staatsbeamte und Selbständige. Auch die reale Produktivkraftentwicklung in Deutschland muss hierbei berücksichtigt werden. Anmerkung: Bei Steuer- und Abgabeflucht erfolgt die entschädigungslose Enteignung und (internationale) Strafverfolgung. (Vgl. Kommentare in der Taz.)

Zur kausalen Begründung der Forderung nach einem auskömmlichen "Mindesteinkommen und Mindestlohn" heißt es beim Arbeitslosenverband Deutschland (ALV) im März 2005:

„Wir leben in einer hochproduktiven Gesellschaft, die mit immer weniger Arbeitsvolumen immer mehr Güter produziert und Dienstleistungen erbringt. Die Gewinne der Unternehmen steigen, ebenso die Einkommen aus Vermögen.

Der gesamte Reichtum unserer Gesellschaft wird von allen Menschen geschaffen – ob in Erwerbsarbeit, Erziehungs- und Sorgearbeit, im kulturellen, sozialen, ökologischen und politischen Engagement oder in der Aneignung und Weitergabe von Wissen und Kompetenzen. Daraus erwächst der Anspruch aller auf eine angemessene Teilhabe an diesem Reichtum und auf die eigenverantwortliche Teilnahme an der Gestaltung der Gesellschaft. {...}" (Vgl.) *

Vgl.: Existenzminimum trotz Arbeit:

Zahl der Hartz-IV-Aufstocker wächst - taz.de, 08.05.2013
www.taz.de/Existenzminimum-trotz-Arbeit/!115940

"Die Löhne müssen steigen", taz am 90.05.2013, Kommentare
www.taz.de/!c115807p15

* ALV-Diskussionspapier, 31. März 2005: Der Arbeitslosenverband Deutschland e. V. fordert: Statt Hartz IV und Armutsarbeit – Mindesteinkommen und Mindestlohn! Erarbeitet von Ronald Blaschke. Vorgestellt zum Pressegespräch aus Anlass der 15-jährigen Bestehens des Arbeitslosenverbandes Deutschland e.V. sowie ersten konkreten Auswirkungen des 4. Gesetzes zur Modernisierung der Dienstleistungen am Arbeitsmarkt - Zusammenlegung der Arbeitslosenhilfe und der Sozialhilfe - sog. Hartz IV.

labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/kombilohn/mindest_blaschke.pdf


VON: REINHOLD SCHRAMM




Aus "Weg von Hartz IV" ist plötzlich "Hartz IV - 500 Euro" geworden. [via RotFuchs] sehr sehr lesenswert!!!


Weder sich verbiegen noch sich verbeugen
[RotFuchs - Ausgabe Mai 2013 - Seite 10]


--->>> Es mangelt an günstigen Wohnungen [via Westfalen-Blatt ] zur Vertiefung


 
Es mangelt an günstigen Wohnungen
(Westfalen-Blatt Bielefelder Zeitung - Ausgabe vom 16.11.2012)


Freitag, 3. Mai 2013

Deutschland: reale Einzelhandelsumsätze mit -2,8% zum Vorjahresmonat [Aufgaben für alle PR- u. Werbeagenturen inkl. Printdesign]


 
Deutschland: reale Einzelhandelsumsätze mit -2,8% zum Vorjahresmonat
 
[via Nachdenkseiten]
 
 


Das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtete heute Morgen erneut schwache deutsche Einzelhandelsumsätze, diesmal für den Monat März 2013. Die nominalen Einzelhandelsumsätze bei den unbereinigten Originaldaten sanken um -1,4% zum Vorjahresmonat und die unbereinigten realen Umsätze sanken um -2,8% zum Vorjahresmonat. Der März 2013 hatte allerdings mit 25 Verkaufstagen zwei Verkaufstage weniger als der März 2012. Berücksichtigt man die Saison- und Kalendereffekte lagen nominal die Einzelhandelsumsätze unverändert, im Vergleich zum Vormonat und real ging es um -0,5% zum Vormonat abwärts! Weiter dokumentieren diese Daten für Deutschland eine langanhaltende Konsumschwäche der privaten Haushalte, denn immer noch liegen die saisonbereinigten und realen Einzelhandelsumsätze um -1,9% unter dem Niveau von 2000 und um -2,1% unter dem Jahr 1994, dem Beginn der langen Datenreihe!
Quelle:
Querschüsse

Anmerkung RS:

Wie ich es schon gestern gesagt habe:

"Anmerkung RS: Wie ein Uhrwerk: Die GfK berichtet von der guten „Kauflaune" der Deutschen, und dann kommen ein Paar Tage später die Hiobsbotschaften aus dem Einzelhandel. Wetten wir, dass es diesmal auch so ist?"

Wie ein Uhrwerk!

dazu: Finde den Fehler:

Es ist übrigens immer derselbe
Was stimmt hier bloß nicht? Wissen Sie es? Die Meldungen stammen beide von heute und spiegeln zum einen die Gewichtung zwischen Wirklichkeit und Traumwelt wider – letzterer wird deutlich mehr Raum zugebilligt – wie auch die Qualität eines Mediums, das auf Nachdenken offenbar verzichtet.
Quelle: André Tautenhahn



-->> dass in Deutschland wirklich brutales Lohndumping betrieben wird. [via Nachdenkseiten]


Schweiz: Miese Bezahlung in vielen Schuhgeschäften
 
[via Nachdenkseiten]
 
 


Ein Drittel der Schuhverkäuferinnen in der Schweiz verdient weniger als 4000 Franken im Monat. Dabei haben viele von ihnen sogar eine abgeschlossene Berufslehre, wie die «Rundschau» zeigt. Dem Branchenverband ist das Problem bekannt, er ist dennoch gegen einen Mindestlohn. Der Bund ist alarmiert. [...]
Der «Rundschau» liegt ein Arbeitsvertrag des deutschen Schuh-Discounters Reno vor. Reno zahlt einer Verkäuferin einen Stundenlohn von 16, 95 Franken. [...]Spiess wundert sich, dass es Frauen gibt, die für diesen Lohn überhaupt arbeiten. [...]
Es ist nicht nur der deutsche Discounter Reno, der für Schweizer Verhältnisse schlecht zahlt. Bei Bata, der Nummer drei in der Branche, gibt es ein Beispiel für einen Lohn von 3400 Franken in einem 100-Prozent-Pensum.
Quelle:
SRF

Anmerkung JK: 16,98 Franken sind bei aktuellem Kurs 13,88 €! Das wird in der Schweiz als skandalös angesehen während man in Deutschland einen Mindestlohn von 8,50€ für zu hoch hält. Es wäre interessant zu erfahren was Reno in Deutschland zahlt?
Sicher lässt sich die Situation in der Schweiz nicht verallgemeinern, da in der Schweiz sehr gute Löhne gezahlt werden. Allerdings zeigt dieser Vergleich, dass in Deutschland wirklich brutales Lohndumping betrieben wird.
Nach WSI-Tarifarchiv beträgt der tarifliche maximale Lohn für Einzelhandel in NRW nach einer 2-jährigen kaufm. Berufsausbildung 2248€ (4000 SFR = 3276€). Die Frage ist aber wo überhaupt Tariflohn gezahlt wird? Gerade bei Schuh- oder Kleidungsdiscountern ist das zu bezweifeln.

Anmerkung JB: Ein Blick in die Schweiz ist für Deutsche in dieser Hinsicht ein Blick in ein besseres Land. Ich habe für Sie einmal zwei Tabellen mit den Schweizer Mindestlöhnen in der Raumpflege- und Einzelhandelsbranche angehängt:

Tabellen mit den Schweizer Mindestlöhnen in der Raumpflegebranche

Tabellen mit den Schweizer Mindestlöhnen in der Einzelhandelsbranche

Felix Helvetia!



--->>> Nebelwerfern Paroli bieten! [RotFuchs - Ausgabe März 2013 - Seite 10]


Nebelwerfern Paroli bieten!
[RotFuchs - Ausgabe März 2013 - Seite 10]