Montag, 26. Dezember 2011

Sonntag, 25. Dezember 2011

"Es ist bequem, mit den Wölfen zu heulen (...)" [Weihnachtsansprache v. 24.12.1971 v. Bundespräsident Gustav Heinemann]

Bürgermut

Liebe Mitbürger!

Wir alle wissen es: auch an dieser Weihnacht als Fest des Friedens zwischen Gott
und den Menschen wird Krieg geführt und Gewalt ausgeübt.

Flüchtlinge verlassen ihre Heimat; Kinder rufen nach einem Stück Brot.

Menschenrechte werden mißachtet.

(...)

Einiges haben wir gelernt.
Wir haben gelernt, das der Staat kein höheres Wesen mit Anspruch auf
unterwürfigen Gehorsam ist.

(...)

Das Fremdwort für Bürgermut kennen wir besser als das deutsche Wort,
es heißt >>Zivilcourage<<. Wie steht es damit?

Wir besitzen einen großartigen Freiheitsbrief in der Gestalt unseres
Grundgesetzes, das zum erstenmal in unserer Geschichte jedem von

uns unantastbare, jeder staatlichen Gewalt vorgehende Freiheitsrechte zuspricht.

Achten wir diesen Freiheitsbrief, und schöpfen wir seine Möglichkeiten aus?

(...)

Wir alle haben die Freiheit, nach unserem Gewissen zu leben.

Wir alle haben die Freiheit, unsere Meinung zu äußern,

einschließlich der Presse-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit.

(...)

Auch ich weiß, daß Recht und Wirklichkeit nicht immer übereinstimmen.

Wo es an Übereinstimmung fehlt, geht es darum, sie Schritt um Schritt herbeizuführen.

Auf der anderen Seite ist es aber auch so, daß wir uns selber in unserem
Freiheitsraum einengen, wo wir nicht mutig genug sind, wo wir nicht die
Zivilcourage haben, ihn auch gegenüber unserer Umgebung wahrzunehmen.

Die Grundrechte können uns wohl davor schützen, daß wir - wie unter dem
nationalsozialistischen Regime - wegen freier Meinungsäußerung mit dem
Verlust der Freiheit oder gar mit dem Leben zu bezahlen.

Sie können uns aber nicht gewährleisten, daß wir sie untereinander gelten lassen.

Im Umgang mit unseren Mitbürgern müssen wir alle selber unsere
Freiheit erkämpfen.

Was ich meine ist dies:

Es ist bequem, unangenehme Wahrheiten zu verschweigen.

Es ist bequem, sich um eine Kindesmißhandlung in der Nachbarschaft
nicht zu kümmern.

Es ist bequem, mit den Wöfen zu heulen, wenn ein Wohngebiet sich gegen ein
neues Heim für körperlich oder für geistig behinderte Mitmenschen in seinem
Bereich wehrt, wie es auch unlängst in Bayern vorgekommen ist.

Bequem ist es ebenfalls, im Betrieb schweigend zuzusehen, wenn ein Gastarbeiter
wie ein minderwertiger Mensch behandelt wird.

In solchen und unzähligen anderen Fällen kommt es jeden Tag darauf an,
als einzelner nicht vor der Hürde stehenzubleiben, die da lautet:
Was tun die anderen, was tut man nicht?

Solidarität ist eine gute Sache, wenn sie in Hilfsbereitschaft für diejenigen

geübt wird, die selber nicht mithalten können.

Solidarität ist eine schlechte Sache, wo sie als ein gemeinsames Schweigen geübt

wird, anstatt beim Namen zu nennen, was man schlecht oder gefährlich hält.

Nur wer bekennt, findet den, der mit ihm bekennt.

Nur wer Bürgermut lebt, macht andere Bürger lebendig.

Sprechen wir also das, was wir denken oder meinen, auch dann aus,
wenn es unserer Umgebung nicht gefällt!

Wir wollen eine Gemeinschaft der Vielfalt sein.

Wo aber alle dasselbe denken, denkt wahrscheinlich niemand sehr viel.

Wo einer sich den Bürgermut nehemen läßt, etwas Gebotenes trotz

möglicher Schwierigkeiten zu tun, trägt er dazu bei, daß unsere

Freiheiten in Gefahr geraten.

(...)

Das tut auch, wer als Vorgesetzter, als Behördenvertreter oder als
Politiker seine Macht einsetzt gegen diejenigen, die Mißstände oder
Ungerechtigkeiten aufdecken.

Wir gefährden unsere eigene Freiheit auch dann, wenn nicht
ebenfalls jeder andere sagen kann, was ihn bewegt.

Jeder von uns ist  nur so lange ein freier Bürger,
als wir alle es sind.

(...)

[Bürgermut, Weihnachtansprache 1971 v. 24.12.1971, Gustav Heinemann,
Präsidiale Reden, edition suhrkamp, 2. Auflage, 1977, Seiten 201ff

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Freitag, 23. Dezember 2011

Viel Glück in schwieriger Zeit. Alles könnte ohne große Mühe besser sein. [via Nachdenkseiten]


Viel Glück in schwieriger Zeit.

 

Alles könnte ohne große Mühe besser sein.

[via Nachdenkseiten]
 
http://www.nachdenkseiten.de/?p=11701

Der Jahreswechsel und das bevorstehende Weihnachtsfest sind für die Macher der NachDenkSeiten immer eine Zeit der Ermunterung. Wir bekommen viele E-Mails von Leserinnen und Lesern mit guten Wünschen und oft mit dem Bekenntnis, dass die NachDenkSeiten ein bisschen dabei geholfen haben, die wirren Ereignisse um uns herum etwas besser einordnen zu können und zu durchschauen. Das freut uns natürlich sehr. Deshalb zuerst einmal ein Dankeschön für Ihre ermunternden und freundlichen Worte. Und natürlich auch vielen Dank für die kritischen Stimmen das Jahr über. Sie haben uns weitergebracht.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein paar schöne Feiertage und im neuen Jahr persönliches Glück und die Kraft, wegen des politischen und gesellschaftlichen Geschehens nicht zu resignieren oder gar zu verzweifeln. Die Lage ist ja schon zum Verzweifeln. Aber Sie und wir, wir alle sollten versuchen, darüber nicht unseren Mut und unsere Hoffnung zu verlieren.

Viele unserer Nutzerinnen und Nutzer empfinden diesen Wunsch vermutlich nicht sonderlich passend. Das gilt für jene Freundinnen und Freunde der NachDenkSeiten, die schon Opfer der herrschenden Politik geworden sind. Wir können sehr gut nachvollziehen, dass viele Menschen verzweifelt sind. Ihnen wünschen wir ganz besonders, dass sich im neuen Jahr ein Stück Hoffnung auftun möge.

Wir, die beiden Herausgeber der NachDenkSeiten, möchten den Abschluss der Arbeit vor Weihnachten auch dafür nutzen, denjenigen zu danken, denen Sie, liebe Leserinnen und Leser das tägliche Angebot der NachDenkSeiten wesentlich verdanken. Das sind jene Mitwirkenden, die meist in Abend- und Nachtarbeit die Hinweise des Tages aus den verschiedenen Quellen zusammentragen, kommentieren und zusammenstellen. Wir bedanken uns auch bei all jenen, die als Autorinnen und Autoren ohne Honorar den NachDenkSeiten ihre Artikel zur Verfügung stellen. Und unsere große Anerkennung und unseren Dank verdienen natürlich vor allem auch Jens Berger, der in diesem Jahr neu zu uns gestoßen ist, und unser Webmaster Lars Bauer und sein Team.
Ihnen allen verdanken die NachDenkSeiten ihre Zuverlässigkeit und das hoffentlich markante und aufklärerische Profil im Mainstream der Medien.

Unsere Hochachtung verdienen auch alle, die sich um die NachDenkSeiten-Gesprächskreise kümmern und sich dort engagieren.

Weihnachtspause?

Ja, eigentlich wollen wir bis zum 2. Januar2012 pausieren. Es kann aber sein, dass auch zwischendurch Artikel eingestellt werden. Wenn es Ihre Feiertagslaune nicht stört, dann schauen Sie gelegentlich bei uns rein.

Wenn Sie ein paar Musestunden nutzen wollen, um Freunde und Bekannte mit interessanten Beiträgen zu versorgen, dann stöbern Sie ein bisschen, scrollen Sie zurück, suchen sich passende Stücke aus und schicken diese an Ihre Lieben oder möglicherweise Interessierte

Wir brauchen, oder genauer gesagt: die Sache braucht Sie als Multiplikator. Nur so wird es gelingen, immer mehr Menschen zu interessieren und ihnen beweisen zu können: es macht sogar Spaß, sich noch eigene Gedanken zu machen und sich einzumischen.

Alles Gute und herzliche Grüße

Ihr Albrecht Müller und Ihr Wolfgang Lieb
Herausgeber der NachDenkSeiten
Für das kleine Team der NachDenkSeiten und die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer.




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--->>> #Die #Krise #kurz #erklärt --->>> Die etwas anderen #FAQ #zur #kapitalistischen #Dauerkrise - lesenswert!!!


Die Krise kurz erklärt

 

 

von Tomasz Konicz

 

[via heise.de]

 

 

http://www.heise.de/tp/artikel/36/36123/1.html

 


Was Sie schon über die Krise wissen wollen, aber nie zu fragen wagten.

Die etwas anderen FAQ zur kapitalistischen Dauerkrise

Haben Sie sich in der Dauerkrise schon häuslich eingerichtet? Können Sie noch den Überblick behalten, bei all den über uns zusammenbrechenden Schuldenbergen? Für alle, die endlich im Krisendickicht durchblicken wollen, hier nun ein ganz besonderer Service: Werden Sie in wenigen Minuten zum Krisenexperten und Bescheidwisser, mit den großen FAQ zur Krise - diesmal mit verbesserter Kapitalismuskritikformel! In wenigen Antworten auf selbst erfundene Fragen werden die Krisenursachen benannt und die häufigsten Krisenmythen entlarvt. Der Clou dabei: Am Ende einer jeden Antwort finden sich Links zu Texten, die weitergehende Infos und Hintergründe zu den entsprechenden Themenkomplexen bieten. Soviel Krise war noch nie - jetzt neu mit krisenbedingter Zufriedenheitsgarantie!

Überall türmen sich gigantische Schuldenberge auf. Wer ist nun schuld an der gegenwärtigen Schuldenkrise? Die faulen Südeuropäer oder unsere gierigen Banker?

Statt nach "Schuldigen" müssen wir nach den systemischen Ursachen der Verschuldungsdynamik suchen. Diese gigantischen Schuldenberge sind in den vergangenen Jahrzehnten entstanden, weil sie notwendig waren, um den Kapitalismus überhaupt funktionsfähig zu erhalten. Ohne Schuldenmacherei zerbricht das System an sich selbst. Private und/oder staatliche Verschuldung stellt im zunehmenden Maße eine Systemvoraussetzung dar, ohne die der Kapitalismus nicht mehr reproduktionsfähig ist.

Wir müssen uns nur vergegenwärtigen, dass die Kreditaufnahme eigentlich einen Wechsel auf die Zukunft darstellt, bei dem Finanzmittel im Hier und Jetzt zur Verfügung gestellt werden, die erst später vom Kreditnehmer erwirtschaftet und zurückgezahlt werden müssen. Und diese Kredite werden ja für Investitionen, Bautätigkeit oder Konsum aufgewendet. Somit schafft die Verschuldung eine zusätzliche, kreditfinanzierte Nachfrage, die stimulierend auf die Wirtschaft wirkt.

Im Endeffekt ist es egal, ob der Staat, die private Wirtschaft oder die Konsumenten sich verschulden: Gemeinhin stimuliert diese kreditgenerierte Nachfrage die Konjunktur und führt zu weiterem Wirtschaftswachstum. Ob nun der amerikanische Staat neue Marschflugkörper ordert, in Spanien zur Spekulationszwecken neue Ferienhäuser gebaut oder in Osteuropa Konsumentenkredite vergeben werden: All diese Aktionen generieren Nachfrage, schaffen Arbeitsplätze und beleben die entsprechenden Industriezweige. Wenn die Verschuldungsdynamik stark genug ist, dann entsteht eine sogenannte Defizitkonjunktur. Hierbei handelt es sich um einen Wirtschaftsaufschwung, der durch das Anhäufen von Schulden, also von Defiziten, getragen wird.

Es waren gerade diese Defizitkonjunkturen, die in der Epoche vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise in 2008 als maßgeblicher Motor der Weltwirtschaft fungierten. Hierbei handelt es sich um einen langfristigen, graduell an Intensität gewinnenden Prozess, der zeitgleich mit der Durchsetzung des Neoliberalismus und dem Aufstieg des Finanzsektors in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts einsetzte. Diese mit der Expansion der Finanzmärkte einhergehende Verschuldungsdynamik ging mit der Ausbildung von gigantischen Spekulationsblasen auf dem Finanzsektor einher, die ebenfalls - bis zu ihrem Zusammenbruch - stimulierend auf die Wirtschaft wirkten. Hier sind insbesondere die zwischen 2007 und 2008 geplatzten Immobilienblasen zu nennen, die ja vielfältige belebende Effekte auf die Industrie zeitigten, da sie ja mit realer Bautätigkeit einhergingen.

Es verschuldeten sich aber nicht alle Länder gelichmäßig: Die stärksten Defizitkonjunkturen - mitsamt den einhergehenden Schuldenbergen - bildenden mit weitem Abstand die USA aus, gefolgt von Südeuropa, Osteuropa, Irland und Großbritannien. Diese Länder und Regionen wiesen immer weiter ansteigende Leistungsblianz- und/oder Handelsdefizite aus, während sie zugleich eine fortschreitende Deindustrialisierung erfuhren.

Daneben bildete sich in einem scharfen Verdrängungswettbewerb eine Reihe von Ländern aus, die enorme Handelsüberschüsse erwirtschaften konnten und weiterhin über einen nennenswerten Industriesektor verfügen. In diesem Zusammenhang müssen China, Deutschland, Japan oder Südkorea genannt werden. Diese Länder konnten vermittels ihrer Handelsüberschüsse von den Verschuldungsprozessen in den USA oder Südeuropa profitieren, ohne sich selber verschulden zu müssen. Die enormen globalen und europäischen "Ungleichgewichte" in den Handelsbilanzen sind genau auf diese Entwicklung zurückzuführen.

Der Kapitalismus als ein Weltsystem kann ohne diese Defizitkonjunkturen und die damit einhergehenden Ungleichgewichte nicht mehr funktionieren: Sobald die - private oder staatliche - kreditgenerierte Nachfrage wegbricht, setzt eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale ein, in der Überproduktion zu Massenentlassungen führt, die wiederum die Nachfrage senken und weitere Entlassungswellen nach sich ziehen.

Weitere Informationen:

Wieso sollte der Kapitalismus, der als eine auf höchstmögliche Effizienz ausgelegte Wirtschaftsweise gilt, nicht mehr ohne Schuldenmacherei funktionieren? Was ist die Ursache dieser angeblichen Abhängigkeit des kapitalistischen Weltsystems vom Kredit?

Es ist gerade diese in den vergangenen Jahren immer weiter gesteigerte betriebswirtschaftliche Effizienz, die den Kapitalismus auf volkswirtschaftlicher Ebene in einen regelrechten Verschuldungszwang treibt. Das System ist zu produktiv, um weiterhin seine Reproduktion innerhalb seiner Produktionsverhältnisse ohne Defizitbildung aufrechterhalten zu können.

Frei nach Marx ließe sich zusammenfassen: Die Produktivkräfte sprengen gerade die Fesslen der Produktionsverhältnisse. Diese kapitalistische Systemkrise ist also tatsächlich eine Krise des Kapitals. Das Kapital muss hier bei als ein soziales Verhältnis, als ein Produktionsverhältnis begriffen werden: Der Unternehmer investiert sein als Kapital fungierendes Geld in Maschinen, Arbeitskräfte und Rohstoffe, um in Fabriken hieraus neue Waren zu schaffen, die mit Gewinn auf dem Markt verkauft werden. Das hiernach vergrößerte Kapital wird in diesem uferlosen Verwertungsprozess des Kapitals reinvestiert, um wiederum noch mehr Waren herzustellen. Dieser Prozess der Akkumulation oder Verwertung von Kapital funktioniert nicht mehr ohne die besagte Schuldenmacherei.

Um diese Diagnose vollauf verständlich zu machen, müssen die berühmten Widersprüche kurz dargelegt werden, die der kapitalistischen Produktionsweise innewohnen. Neben dem bekannten Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit prägt das System noch eine weitere fundamentale Unvereinbarkeit, die einen permanenten Strukturwandel zur Folge hat.

Obwohl Lohnarbeit die Substanz des Kapitals bildet, strebt das Kapital zugleich danach, die Lohnarbeit möglichst weitgehend durch Rationalisierung aus dem Produktionsprozess zu verbannen: Es ist eine Art Wettlauf mit den Maschinen. Die Marktkonkurrenz zwingt die Unternehmer in allen Industriezweigen dazu, ihre Produktion dank wissenschaftlich-technischer Innovationen immer weiter zu rationalisieren, sodass die Beschäftigung in den Wirtschaftszweigen immer weiter fällt, die schon längere Zeit etabliert sind und deren Märkte schon erschlossen sind.

Der gleiche technische Fortschritt, der zum Arbeitsplatzabbau in den etablierten Industriezweigen führt, lässt aber auch neue Industriezweige entstehen. Schon immer gab es in der Geschichte des Kapitalismus einen Strukturwandel, bei dem alte Industrien verschwanden und neue hinzukamen, die wiederum Felder für Investitionen und Lohnarbeit eröffneten. Folglich ist die Geschichte des Kapitalismus durch eine Abfolge von Leitsektoren der Wirtschaft gekennzeichnet, die als Akkumulations-, Konjunktur-, und insbesondere Beschäftigungslokomotiven fungierten: Textilindustrie, Schwerindustrie, Chemie, Elektroindustrie, Fahrzeugbau.

Dieser Strukturwandel funktioniert aber mit dem Aufkommen der dritten industriellen Revolution der Mikroelektronik und Informationstechnologie nicht mehr. Die IT-Industrie schafft zwar Arbeitsplätze, aber ihre Technologien und Produkte erfahren eine gesamtwirtschaftliche Anwendung, bei der im Zuge von Rationalisierungsmaßnahmen weitaus mehr Arbeitsplätze verschwinden. Es findet ein Prozess des Abschmelzens der Lohnarbeit innerhalb der Warenproduktion statt: Immer weniger Arbeiter können in immer kürzerer Zeit immer mehr Waren herstellen.

Die avancierten kapitalistischen Gesellschaften gerieten folglich in die Krise der Arbeitsgesellschaft, die mit steigender Arbeitslosigkeit, allgemeiner Prekarisierung und/oder einem stagnierenden Lohnniveau einhergeht. Zugleich steigen mit dem technischen Niveau der Produktion die Aufwendungen für Infrastruktur, Bildung oder Produktionsinvestitionen, was wiederum die Massennachfrage und/oder die Unternehmensgewinne belastet. Die gesamtgesellschaftlichen notwendigen Investitionen zur Aufrechterhaltung der Akkumulation von Kapital wachsen immer weiter an, wodurch das Verhältnis zwischen profitabler Kapitalverwertung und den hierfür notwendigen Aufwendungen sich zugunsten der Letzteren verschiebt.

Die wahren Krisenursachen liegen also konträr zu der populistischen Parole, wonach die Bevölkerung der Schuldenländer Europas oder der USA "über ihren Verhältnissen" gelebt habe. Es verhält sich gerade umgekehrt: Der Kapitalismus hat ein derartig hohes Produktivitätsniveau erreicht, dass er nur noch durch ein "Leben über den Verhältnissen", also durch Schuldenmacherei eine Zeit lang eine Art Zombieleben führen kann - bis zum großen Crash.

Weitere Informationen:

Posted via email from Daten zum Denken, Nachdenken und Mitdenken

--->>> #Deutschland mit im #internationalen #Vergleich #stärkstem #Zuwachs #an #Niedriglohnanteil [via jjahnke.net]


global news 2568 23-12-11:

Deutschland mit im internationalen Vergleich stärkstem Zuwachs an Niedriglohnanteil

bei auf den Schulen ausgebremster Aufwärtsmobilität

[via jjahnke.net]


Seit Jahren sind in Deutschland befristete und Leiharbeitsverhältnisse hochgewachsen, die in der Regel wesentlich schlechter bezahlt sind und deren Zahl nun schon bei 3,6 Millionen liegt. Nach Berechnungen der OECD hat der Niedriglohnanteil in keinem Vergleichsland über die 10 Jahre bis 2008 so stark zugenommen wie in Deutschland (Abb. 15921).

Nach der gestrigen Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts stiegen die Reallöhne 1m 3. Quartal 2011 nur noch um magerste 0,6 % gegenüber Vorjahr und setzten damit den Rückgang seit mehr als einem Jahr fort (Abb. 13457). Ausgerechnet in dem so wichtigen Bereich Erziehung und Unterricht kam es sogar zu einer Absenkung um 1,4 %.
Eine andere Statistik des Statistischen Bundesamts zeigt, wie stark die Aufwärtsmobilität in Deutschland schon an den Schulen ausgebremst wird. Die Bildungsabschlüsse der Kinder entsprechen weitgehend denjenigen der Eltern (Abb. 17215). Den Gymnasialabschluß erreichen Kinder, bei denen 59 % der Eltern die Fachhochschul- oder Hochschulreife erreicht hatten, und weniger als 9 % nur bis zum Hauptschulabschluß gekommen waren. Umgekehrt haben Eltern von Kindern mit Hauptschulabschluß zu mehr als 46 % selbst nur die Hauptschule besucht und nur zu 13 % die Fachhochschul- oder Hochschulreife.


Posted via email from Dresden und Umgebung

Mit #Ritalin + anderen #Psychopharmaka werden #Kinder #fit #gemacht f. d. #Konkurrenz [Ist auch Dörtes Wunderkind Adrian dabei?!]

   
 
(...)

Eine Psychologie, die ihre Erkenntnisse ans Business verschachern will, muss die Systemfehler beim einzelnen Mitarbeiter suchen und nicht bei den Strukturvorgaben einer kapitalistischen Wirtschaft. Die akademische Psychologie ist auf dem gesellschaftlichen Auge blind und versucht deshalb, wie Peter Brückner bemerkte, "den Stand der Gestirne bei bereichsweise bedecktem Himmel zu bestimmen".

Sie kann nicht erkennen, dass die beklagten Phänomene eine Begleiterscheinung des neuen kapitalistischen Zeitalters darstellen, das sich im Abschied von der traditionellen "stakeholder value"- zugunsten der "shareholder value"-Orientierung Ende der 90er Jahre ankündigte. Die entfesselt und hemmungslos, also, wenn man so will, "psychopathisch" gewordene Geldwelt zieht wie ein Magnet "psychopathische" Menschen an und produziert sie.
 
(...)
 

Exzessives Spielen – von im Kern "dissozialen" Computerspielen – trägt dazu bei, "funktionale Psychopathen" zu erzeugen und qualifiziert den Nachwuchs für ein Leben in der kapitalistischen Welt von heute und morgen. Unter unseren Augen bildet sich ein neues Kindheitsmuster aus, das man als Geräte-Sozialisation bezeichnen kann. In einer Form von postmoderner Kindsaussetzung werden die Kinder zeitig vor elektronische Apparate und technische Geräte gesetzt, die ihre Sozialisierung übernehmen.

Auch heutige Eltern wollen, dass ihre Kinder "brav" sind und funktionieren, aber sie sind nicht bereit, durch persönlichen Einsatz von Nerven und Lebenszeit dazu beizutragen. Sie überlassen die anstrengende Erziehungsarbeit den Lehrern und vertrauen auf den großen "Bravmacher" Ritalin.

Diese psychoaktive Substanz – der im Ritalin enthaltene Wirkstoff Methylphenidat gehört zu den Amphetaminen – wird einer ständig wachsenden Zahl von Kindern beinahe wie ein Nahrungsergänzungsmittel täglich verabreicht.

Mit Ritalin und anderen Psychopharmaka werden Kinder fit gemacht für die Konkurrenz, der sie früh ausgesetzt sind und in die sie sich einüben sollen.

Der alles beherrschende und von allen vergötterte Markt wirft seine Schatten voraus und so ist das Klima in unseren Schulen gekennzeichnet durch Leistungsdruck, Vereinsamung, Mobbing und Feindseligkeit untereinander.

Es steht zu fürchten, dass sozialdarwinistische Leistungskonkurrenz, Bindungslosigkeit, Kälte und Indifferenz sich im Inneren der Kinder als psychische Frigidität, Empathie- und Gewissenlosigkeit reproduzieren werden. Der Narzisst mag heute noch tonangebend sein, die Zukunft gehört dem Psychopathen.

Sicher sind nur die Katastrophen, auf die wir sehenden Auges zusteuern. Alles andere hängt vom verändernden Eingriff der Menschen ab. Bei der Verwirklichung der in der gegenwärtigen Gesellschaft immer noch angelegten besseren Möglichkeiten können wir uns weder auf eine der Geschichte innewohnende Tendenz, noch auf ein kollektives Subjekt verlassen, das sie realisieren wird. Wir, die heute lebenden Menschen, sind es, die den Wahnsinn der rasenden Ökonomie und der losgelassenen Märkte stoppen und die Kontrolle über die Ökonomie zurückgewinnen müssen.

Eine von der Tyrannei der Ökonomie befreite Gesellschaft hätte ihr Hauptaugenmerk auf die Erfindung und Schaffung neuer verlässlicher Räume zu richten, in denen es Kindern möglich ist, unter Bedingungen raum-zeitlicher Konstanz und leiblicher Anwesenheit von Erziehungspersonen ihre psychische Geburt zu vollenden und sich zu Menschen in einer menschlichen Gesellschaft zu entwickeln.

Eine Gesellschaft, die ihre soziale Integration und den zwischenmenschlichen Verkehr auf Formen solidarischer Kooperation gründet, statt auf einer letztlich a-sozialen Vergesellschaftung durch Markt und Geld, wird auch andere psychische Strukturen und andere Formen der Vermittlung von Psychischem und Gesellschaftlichem hervorbringen, für die uns Heutigen die Begriffe fehlen.

(...)

Die "Psychopathen" kommen

Posted via email from Dresden und Umgebung