Donnerstag, 22. April 2010

--->>> "Das Bild einer brennenden Zigarette weckt bei Rauchern die Lust auf Nikotin."<<<---


Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Julius-Maximilians-Universität Würzburg,
Gunnar Bartsch, 14.04.2010, 13:11

Anschauliche Lustbremsen



Das Bild einer brennenden Zigarette weckt bei Rauchern die Lust auf Nikotin.

"Nicht unbedingt", sagen Psychologen der Universität Würzburg.

Wie sie herausfanden, schaffen es manche Bilder sogar, im Gehirn Prozesse
anzustoßen, die das Verlangen nach der Droge wahrscheinlich hemmen.

Es gibt Bilder, die sind in der Lage, bei einem Raucher das Verlangen
nach der nächsten Zigarette anzustacheln.

Bilder, die den Anfang des Rauchrituals darstellen, können dies besonders gut
-beispielswiese eine frisch angezündete Zigarette.

Damit einher geht eine Aktivierung der sogenannten Belohnungszentren im Gehirn.

Doch die Macht der Bilder wirkt auch in die andere Richtung:  "Wir haben erstmals festgestellt,
dass Bilder, die das Ende des Rauchrituals darstellen, das Suchtnetzwerk im Gehirn
nicht nur nicht aktivieren, sondern sogar hemmen", erklärt Professor Paul Pauli.

Der Inhaber des Lehrstuhls für Psychologie I der Universität Würzburg
forscht seit Langem über die Abhängigkeit vom Nikotin. Das Ergebnis
seiner neuesten Untersuchung, die er im Rahmen der von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft geförderten Forschergruppe "Emotion und
Verhalten" gemeinsam mit Psychologen der Universität Gießen
durchgeführt hat, wurde vor Kurzem in der renommierten Fachzeitschrift
Neuropsychopharmacology veröffentlicht. Darauf aufbauend wollen die
Forscher nun prüfen, ob diese Bilder auch zur Reduzierung des
Rauchverlangens, zum Beispiel im Rahmen einer
Raucherentwöhnungsbehandlung, eingesetzt werden können.

Der Ablauf der Studie

In dieser Studie haben die Psychologen Rauchern sowie Nichtrauchern
Bilder gezeigt, die den Beginn oder das Ende des Rauchrituals
darstellen. "Da waren zum einen Zigaretten zu sehen, die gerade frisch
angezündet wurden, andere waren schon fast vollständig
heruntergebrannt, wiederum andere lagen ausgedrückt im Aschenbecher",
sagt Pauli. Die Tatsache, dass eine gerade angezündete Zigarette bei
einem Raucher viel mehr Verlangen auslöst als eine ausgedrückte, war
den Wissenschaftlern schon aus früheren Studien bekannt. "Nicht
bekannt war hingegen, ob es Reize gibt, die die Belohnungszentren im
Gehirn sogar hemmen", so Pauli.

Um diese Frage zu klären, haben die Wissenschaftler ihren
Versuchspersonen nicht nur unterschiedliche Bilder präsentiert.
Gleichzeitig erfassten sie die von den Bildern ausgelösten Reaktionen
im Gehirn mit einem Magnetresonanztomografen.

Das Studienergebnis

Das Ergebnis: Bilder einer frisch angezündeten Zigarette aktivieren
das Suchtnetzwerk im Gehirn, insbesondere Zentren, die die Erwartung
einer Belohnung beeinflussen. Diese Aktivierungen sind nach Ansicht
der Psychologen für das Verlangen nach der Droge verantwortlich. Ganz
anders die Aufnahmen von ausgedrückten Kippen im Aschenbecher: Sie
sorgen dafür, dass in diesen Teilen des Gehirns sogar Deaktivierungen
zu verzeichnen waren, jeweils im Vergleich zu Kontrollbedingungen.
"Diese Reize, die das Ende des Rauchens markieren, sind also auf der
einen Seite sehr klar mit dem Rauchen assoziiert, scheinen aber auf
der anderen Seite das Suchtnetzwerk im Gehirn zu hemmen", sagt Pauli.

Weiterführende Untersuchungen nötig

Der Befund, dass die Aktivität des Suchtnetzwerks im Gehirn durch
spezifische Reize gehemmt werden kann, ist nach Ansicht der
Psychologen ein wichtiger Schritt auf dem Weg, das Rauchen in
bestimmten Situationen einzudämmen. Möglicherweise können solche Reize
auch als Hilfe benutzt werden für Raucher, die von der Zigarette und
ihrem Verlangen danach los kommen wollen.
Dafür sind aber noch weitere Untersuchungen nötig, die nach Paulis
Worten in Würzburg und Gießen bereits angelaufen sind. In ihnen kommen
die gleichen Bilder zum Einsatz. Diesmal wird jedoch deren Wirkung auf
Menschen untersucht, die sich vor unterschiedlich langer Zeit das
Rauchen abgewöhnt haben.

Neural Responses to BEGIN- and END-Stimuli of the Smoking Ritual in
Nonsmokers, Nondeprived Smokers, and Deprived Smokers, Bastian
Stippekohl, Markus Winkler, Ronald F Mucha, Paul Pauli, Bertram
Walter, Dieter Vaitl and Rudolf Stark: Neuropsychopharmacology (2010)
35, 1209-1225; doi:10.1038/npp.2009.227

Kontakt: Prof. Dr. Paul Pauli, T: (0931) 312842; E-Mail:
pauli@psychologie.uni-wuerzburg.de

Arten der Pressemitteilung:
Forschungsergebnisse
Wissenschaftliche Publikationen

Sachgebiete:
Ernährung / Gesundheit / Pflege
Psychologie


Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/pages/de/news364141

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter:
http://idw-online.de/pages/de/institution99

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--->>> "Das Bild einer brennenden Zigarette weckt bei Rauchern die Lust auf Nikotin."<<<---


Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Julius-Maximilians-Universität Würzburg,
Gunnar Bartsch, 14.04.2010, 13:11

Anschauliche Lustbremsen



Das Bild einer brennenden Zigarette weckt bei Rauchern die Lust auf Nikotin.

"Nicht unbedingt", sagen Psychologen der Universität Würzburg.

Wie sie herausfanden, schaffen es manche Bilder sogar, im Gehirn Prozesse
anzustoßen, die das Verlangen nach der Droge wahrscheinlich hemmen.

Es gibt Bilder, die sind in der Lage, bei einem Raucher das Verlangen
nach der nächsten Zigarette anzustacheln.

Bilder, die den Anfang des Rauchrituals darstellen, können dies besonders gut
-beispielswiese eine frisch angezündete Zigarette.

Damit einher geht eine Aktivierung der sogenannten Belohnungszentren im Gehirn.

Doch die Macht der Bilder wirkt auch in die andere Richtung:  "Wir haben erstmals festgestellt,
dass Bilder, die das Ende des Rauchrituals darstellen, das Suchtnetzwerk im Gehirn
nicht nur nicht aktivieren, sondern sogar hemmen", erklärt Professor Paul Pauli.

Der Inhaber des Lehrstuhls für Psychologie I der Universität Würzburg
forscht seit Langem über die Abhängigkeit vom Nikotin. Das Ergebnis
seiner neuesten Untersuchung, die er im Rahmen der von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft geförderten Forschergruppe "Emotion und
Verhalten" gemeinsam mit Psychologen der Universität Gießen
durchgeführt hat, wurde vor Kurzem in der renommierten Fachzeitschrift
Neuropsychopharmacology veröffentlicht. Darauf aufbauend wollen die
Forscher nun prüfen, ob diese Bilder auch zur Reduzierung des
Rauchverlangens, zum Beispiel im Rahmen einer
Raucherentwöhnungsbehandlung, eingesetzt werden können.

Der Ablauf der Studie

In dieser Studie haben die Psychologen Rauchern sowie Nichtrauchern
Bilder gezeigt, die den Beginn oder das Ende des Rauchrituals
darstellen. "Da waren zum einen Zigaretten zu sehen, die gerade frisch
angezündet wurden, andere waren schon fast vollständig
heruntergebrannt, wiederum andere lagen ausgedrückt im Aschenbecher",
sagt Pauli. Die Tatsache, dass eine gerade angezündete Zigarette bei
einem Raucher viel mehr Verlangen auslöst als eine ausgedrückte, war
den Wissenschaftlern schon aus früheren Studien bekannt. "Nicht
bekannt war hingegen, ob es Reize gibt, die die Belohnungszentren im
Gehirn sogar hemmen", so Pauli.

Um diese Frage zu klären, haben die Wissenschaftler ihren
Versuchspersonen nicht nur unterschiedliche Bilder präsentiert.
Gleichzeitig erfassten sie die von den Bildern ausgelösten Reaktionen
im Gehirn mit einem Magnetresonanztomografen.

Das Studienergebnis

Das Ergebnis: Bilder einer frisch angezündeten Zigarette aktivieren
das Suchtnetzwerk im Gehirn, insbesondere Zentren, die die Erwartung
einer Belohnung beeinflussen. Diese Aktivierungen sind nach Ansicht
der Psychologen für das Verlangen nach der Droge verantwortlich. Ganz
anders die Aufnahmen von ausgedrückten Kippen im Aschenbecher: Sie
sorgen dafür, dass in diesen Teilen des Gehirns sogar Deaktivierungen
zu verzeichnen waren, jeweils im Vergleich zu Kontrollbedingungen.
"Diese Reize, die das Ende des Rauchens markieren, sind also auf der
einen Seite sehr klar mit dem Rauchen assoziiert, scheinen aber auf
der anderen Seite das Suchtnetzwerk im Gehirn zu hemmen", sagt Pauli.

Weiterführende Untersuchungen nötig

Der Befund, dass die Aktivität des Suchtnetzwerks im Gehirn durch
spezifische Reize gehemmt werden kann, ist nach Ansicht der
Psychologen ein wichtiger Schritt auf dem Weg, das Rauchen in
bestimmten Situationen einzudämmen. Möglicherweise können solche Reize
auch als Hilfe benutzt werden für Raucher, die von der Zigarette und
ihrem Verlangen danach los kommen wollen.
Dafür sind aber noch weitere Untersuchungen nötig, die nach Paulis
Worten in Würzburg und Gießen bereits angelaufen sind. In ihnen kommen
die gleichen Bilder zum Einsatz. Diesmal wird jedoch deren Wirkung auf
Menschen untersucht, die sich vor unterschiedlich langer Zeit das
Rauchen abgewöhnt haben.

Neural Responses to BEGIN- and END-Stimuli of the Smoking Ritual in
Nonsmokers, Nondeprived Smokers, and Deprived Smokers, Bastian
Stippekohl, Markus Winkler, Ronald F Mucha, Paul Pauli, Bertram
Walter, Dieter Vaitl and Rudolf Stark: Neuropsychopharmacology (2010)
35, 1209-1225; doi:10.1038/npp.2009.227

Kontakt: Prof. Dr. Paul Pauli, T: (0931) 312842; E-Mail:
pauli@psychologie.uni-wuerzburg.de

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--->>> 10.000 Familienunternehmen stehen zwischen 2010 und 2014 zur Übernahme an <<<---

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Institut für Mittelstandsforschung Bonn, Oliver Arentz, 21.04.2010
22:00

IfM Bonn schätzt: 110.000 Familienunternehmen stehen zwischen 2010 und
2014 zur Übernahme an

Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn schätzt seit Beginn
der 1990er Jahre die Anzahl der anstehenden Unternehmensübertragungen
in Deutschland. Aufgrund neuer, erst seit kurzer Zeit verfügbarer
Datenquellen konnte die Methodik zuletzt weiterentwickelt und die Güte
der Ergebnisse verbessert werden. Das IfM Bonn geht auf Grundlage der
neuen Berechnungen davon aus, dass die Nachfolgefrage im Zeitraum von
2010 bis 2014 für knapp 110.000 Familienunternehmen relevant sein
wird.

Die Nachfolgefrage stellt sich in Familienunternehmen dann, wenn der
Eigentümer aus der Führung seines Unternehmens alters- oder
krankheitsbedingt ausscheidet oder verstirbt und das Unternehmen ein
hinreichendes Potenzial für eine Übernahme bietet. Wie viele
Familienunternehmen in den nächsten fünf Jahren vor der
Herausforderung stehen, einen Nachfolger finden zu müssen, hat das IfM
Bonn mittels eines verbesserten Schätzverfahrens ermittelt. Demnach
steht in knapp 110.000 Familienunternehmen in dem Zeitraum von 2010
bis 2014 die Übergabe an (ca. 3 % aller Familienunternehmen). Dies
entspricht 22.000 Übergaben pro Jahr (siehe Abbildung). Von den
Übergaben werden im Fünf-Jahres-Zeitraum 1,4 Mio. Beschäftigte oder
287.000 Beschäftigte pro Jahr betroffen sein. Den häufigsten
Übergabegrund stellt dabei mit einem Anteil von 86 % das Erreichen des
Ruhestandsalters dar, gefolgt durch Übergaben aufgrund von Tod (10 %)
und Krankheit des Eigentümers (4 %).

Warum die Zahl der Unternehmensübertragungen gesunken ist

Im Vergleich zu den vorhergehenden Schätzungen ist die nunmehr
ausgewiesene Zahl der Unternehmensübertragungen deutlich gesunken.
Dies liegt im neuen Schätzverfahren begründet. Neuerdings zugängliche
Datenquellen erlauben eine sachgerechtere Abgrenzung sogenannter
übernahmewürdiger Unternehmen. Dies sind Unternehmen, die über eine
hinreichende Substanz verfügen, die sie für Übernehmer wirtschaftlich
attraktiv machen. In der Vergangenheit wurde hierfür mangels besserer
Daten ein Jahresumsatz von mindestens 50.000 Euro angesetzt.
Mittlerweile liegen Informationen zu den Gewinnen der Unternehmen vor,
die wesentlich besser geeignet sind, die Übernahmewürdigkeit zu
bestimmen. Nach dem neuen Verfahren gilt ein Unternehmen als
übernahmewürdig, wenn es mindestens einen Jahresgewinn in der Höhe
eines durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommens zuzüglich des
Arbeitgeberanteils zur Sozialversicherung (derzeit: rund 49.500 Euro)
erwirtschaftet.

Schätzungen der Zahl der Unternehmensübertragungen in den einzelnen
Bundesländern folgen in Kürze.

Hintergründe zum IfM Bonn

Das IfM Bonn wurde im Jahr 1957 gegründet. Träger des Instituts sind
das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und das
Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes
Nordrhein-Westfalen. Das IfM Bonn erforscht die Lage, Entwicklung und
Probleme des Mittelstands rund um die Themenfelder Mittelstand und
Gesellschaft/Staat, Lebenszyklus von Unternehmen, Unternehmensführung
und stellt umfangreiche Daten zur Mittelstands- und Gründungsstatistik
bereit.

Ansprechpartner

Professor Dr. Frank Wallau
Tel.: 0228 - 72 997 - 48
E-Mail: Wallau@ifm-bonn.org

Sven Boerger
Tel.: 0228 - 72 997 - 36
E-Mail: Boerger@ifm-bonn.org

Arten der Pressemitteilung:
Forschungsergebnisse
Wissenschaftliche Publikationen

Sachgebiete:
Politik
Wirtschaft

Zu dieser Mitteilung finden Sie Bilder unter der WWW-Adresse:
http://idw-online.de/pages/de/image113993
Jährliche Unternehmensübertragungen und betroffene Beschäftigte nach Übertragungsursache im Zeitraum 2010 bis 2014

Die gesamte Pressemitteilung inkl. Bilder erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/pages/de/news365296

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--->>> "Manager meist ohne Chance zum Nachdenken. Helfen Sie" <<<--- (Nachdenkseiten)


Manager meist ohne Chance zum Nachdenken.

Helfen Sie.

Ein NachDenkSeiten-Freund und Wirtschaftsprüfer, mit dem ich seit einer Begegnung bei einer Buchlesung Gedanken austausche, berichtete jetzt über seine Erfahrungen als neu etablierter Manager in einem Großkonzern. Die Chancen zur kritischen Betrachtung des Geschehens haben bei ihm drastisch abgenommen. Er regt bei NachDenkSeiten-Lesern an, diesen Kreis von Menschen nicht außen vor zu lassen und gezielt anzusprechen. Es folgt seine Mail in leicht gekürzter Fassung. Albrecht Müller.


 

"Seit der Jahreswende habe ich einen neuen Job in einem internationalen Konzern. Ich arbeite auf Managementebene. Nach rund vier Monaten kann ich Ihnen sagen, dass ich schon seit Wochen nicht mehr dazu komme, die NDS täglich zu lesen, geschweige denn, mich intensiver damit auseinander zu setzen. Ich stehe von morgens bis abends unter Strom, lese und schreibe bereits beim Frühstück E-Mails. Teilweise steige ich nach zwei Stunden aus dem Flugzeug aus und habe bis zu zwanzig neue Mails, die gelesen und bearbeitet werden müssen. Was ich damit sagen möchte: ich bin noch nicht mal auf Top-Managementebene und komme kaum noch dazu, Nachrichten auch kritisch zu lesen und zu hinterfragen. Das bedeutet für mich, dass diejenigen wie die NDS und andere kritische Geister kaum die Chance bekommen, auch mal Personen zu erreichen und zum Nachdenken bzw. Umdenken zu bewegen, die auf einer gewissen Ebene auch Entscheidungen treffen können.
Geht man nun davon aus, dass die meisten Führungskräfte nicht wie ich auch mal Phasen hatten, in denen sie sich sehr intensiv mit kritischer Meinungsbildung beschäftigen konnten, muss man feststellen, dass die meisten Führungskräfte der perfekten Meinungsmache unserer Medien wie Springer und Bertelsmann erlegen sind.


Ich halte dies für eine ziemlich traurige und bedenkliche Feststellung, weiß aber noch nicht, welchen Schluss ich daraus ziehen soll.

Vielleicht sollte man die Leser der NDS einmal dazu anregen, die Führungskräfte, die sie kennen und die sie für empfänglich halten, auch mal mit kritischen Informationen zu versorgen.

Vielleicht könnten sich daraus Kontakte entwickeln, bei denen Führungskräfte bewusst in gewissen Abständen mal zur Teilnahme an NDS-Gesprächskreisen eingeladen werden und ein offeneres Ohr für die Mitte unserer Gesellschaft bekommen.


Herzliche Grüße"

 

Ergänzung AM: Meine aktuellen Erfahrungen mit Führungskräften bestätigen den Eindruck unseres NachDenkSeiten-Freundes. Sie sind in einer Mühle, die ihnen Kraft und Zeit zum kritischen Hinterfragen nimmt. Bei vielen ist Unbehagen damit gepaart. Das könnte der Anknüpfungspunkt sein.
Überlegen Sie bitte, ob es in Ihrem Umfeld Betroffene gibt. Danke.

Posted via email from Beiträge von Andreas Rudolf

--->>> Die größten Verbrechen an der Menschheit sind von intelligenten Menschen begangen worden. <<<---


Die größten Verbrechen an der Menschheit sind von

intelligenten Menschen begangen worden.

Die größten Errungenschaften auch.

http://bedingungslosesgrundeinkommen.wordpress.com/


Was sind die größten Verbrechen und was sind die größten Errungenschaften der Menschen, denen man eine niedere Intelligenz zuschreibt? Nennen wir sie der Einfachheit halber die "Unterschicht".

Man lege dieses nun in die Waagschale:

  • Man tötet sich gegenseitig (Mord und Massenmord)
  • Man diskriminiert sich gegenseitig (ethnische, rassistische, geschlechtliche Vorurteile)
  • Man bestiehlt sich gegenseitig (Delikte im Bereich finanzieller und materieller Diebstähle)
  • Man vertritt Interessen (gegenseitiger Natur)
  • Man vererbt sich etwas (Land, Boden, Geld)
  • Man profitiert vom technischen Fortschritt (Mobilität, Arbeitsumfeld- und bedingungen, medizinische Versorgung, Wohnen etc.)

Die Antworten gebe man sich bitte selbst.

Den Unterschichten der Gesellschaft ein Grundeinkommen nicht zu gönnen, liegt in der Angst, diese würden eine so genannte gesellschaftliche "De-Evolution" bewirken.  Genau wie im Übrigen die Annahme eines noch größeren Machtmissbrauchs in der High Society bzw. den Reichen, Mächtigen und Elitären, denen ein Grundeinkommen nach Meinung einiger gerade richtig käme, um alle unter ihnen Stehenden zu gängeln. Nicht in diesem Thread, sondern an anderer Stelle diskutiert worden.

Ein Grundeinkommen wäre die Chance darauf, dass sich die jetzigen Unterschichten mit den Mittelschichten stärker verbünden könnten, da die Bedingungen für beide Schichten sich anglichen. Und damit die Gefahr, von oben missbraucht zu werden, sich verringert statt vergrößert.

Doch es wird angenommen, blöd bleibt, wer blöd ist.

Hierzu rate ich jetzt auch einmal, etwas zu lesen: George Orwell und sein Werk 1984, wonach er die Klassengesellschaft ziemlich treffend analysiert hat. Der "Mob" wird immer als gefährlicher angenommen, als er wirklich ist. Die echte Gefahr geht vom intelligenten Wesen aus, das sich immer schon anschickte, die Verantwortung für die weniger intelligente Spezies übernehmen zu wollen und es auch angeblich besser zu können.

Tatsächlich wäre es wohl kein Beinbruch für die Umwelt, wenn sich eine De-Evolution bemerkbar machte, würde man so etwas als wahrscheinlich erachten. Der intelligente Mensch hat es nämlich bisher einfach zu gut verstanden, seine kurzfristigen Interessen über alles andere zu stellen.

Posted via email from 01159 Dresden Löbtau-Süd und Umgebung

-->> Wäre doch Stefan Raab auf dem attac-Bankentribunal gestürzt. (Nachdenkseiten) <<--


Wäre doch Stefan Raab auf dem attac-Bankentribunal gestürzt …

… dann wäre in den deutschen Medien mit Sicherheit das attac-Bankentribunal

wenigstens nebenbei erwähnt worden.

Eine vorläufige Analyse des Medienechos. Wolfgang Lieb

http://www.nachdenkseiten.de/?p=5165#more-5165




Das attac-Bankentribunal war immerhin eine Veranstaltung mit ausverkaufter Volksbühne in Berlin, die auch in zahlreichen anderen Städten über Videoleinwände übertragen wurde. Und es ging um ein tief greifendes Thema, nämlich um die Analyse der Ursachen der schwersten Krise seit mindestens achtzig Jahren und um die Frage, wer dafür Verantwortung trägt und wie ein derartiger Kollaps künftig verhindert werden könnte.

 

Natürlich ist attac nicht der Nabel der Welt, aber schon der Versuch von überwiegend ehrenamtlich Engagierten eine breitere Debatte über die Finanzkrise mit dem Bankentribunal anzustoßen, hätte jedenfalls auch mediale Aufmerksamkeit und im Sinne der Meinungsvielfalt eine sachliche Berichterstattung über die auf dem Bankentribunal vorgetragenen Inhalte verdient.

 

Man stelle sich nur mal für einen Moment die Schlagzeilen und das Ausmaß der Berichterstattung vor, wenn sich Stefan Raab auf dem Bankentribunal durch einen Sturz verletzt hätte. Gar nicht daran zu denken, welcher Presswirbel entfacht worden wäre, wenn am Rande des Tribunals vor der Berliner Volksbühne wirklich nur rein zufällig ein Auto in Flammen aufgegangen wäre. Wetten, dass, dass selbst die BILD-Zeitung eingestiegen wäre. (Natürlich nur, um den Verdacht eines linksradikalen Umsturzes zu schüren.)

 

Die Welt, die FAZ haben bisher das abgelaufene Tribunal keiner Zeile Wert befunden.


dpa - Bankentribunaldpa hatte ein Foto mit Transparenten von attac vor dem Kanzleramt angeboten. Eine Meldung von Deutschlands größter Nachrichtenagentur habe ich im Internet trotz langer Suche nicht entdeckt.

Die ARD hat das Tribunal in der Abendschau von rbb als ein Lokalereignis mit einem 2.53-Minuten-Filmchen gewürdigt. Mit einer geradezu ärgerlichen Anmoderation, nach der "wir alle, die wir unsere Fernseher auf Pump kaufen" an der Bankenkrise schuld seien. Bei ARD tageschau.de blieb meine Suchanfrage genauso erfolglos wie beim ZDF.

 

Laut infonitor Medienanalyse und Medienresonanzanlayse gab es in der Zeit vom 16. März bis 12. April 2010 insgesamt 84 Artikel in 50 Quellen. die Frankfurter Rundschau Printausgabe berichtete 11-mal und die FR-Online-Ausgabe 8-mal, Neues Deutschland 4-mal, taz.de und Tagesspiegel je 3-mal, Süddeutsche.de, stern.de, Spiegel Online, die junge Welt und 5 erfasste Lokalzeitungen 2-mal, Financial Times Deutschland, Zeit Online, Nürnberger Zeitung und eine Reihe Regionalzeitungen 1-mal.
Das war die ganze Ausbeute.

 

Die FTD titelt "Beinahe ein Freispruch für Ackermann". Sie berichtet über die große Wut des Publikums, nennt einige Anklagepunkte, bekundet Mitleid mit Wolfgang Kaden, dem früheren Chef des "Manager Magazins", und auf dem Tribunal "Pflichtverteidiger" des Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann. Der Autor des Beitrags zeigt sich erstaunt über den letztlich milden Urteilsspruch: "Es dürfte Deutsche-Bank-Aktionäre geben, die ein solches Urteil gern unterschreiben."

 

Ähnlich auch der Tenor auf stern.de: "Wie Attac plötzlich feige wurde". Niemand sei schuldig oder freigesprochen worden und das sei eine "große Peinlichkeit für Attac". Immerhin attestierte die Autorin Theresa Breuer eine auf "sehr hohem Niveau geführte Debatte", um dann letztlich doch wieder nur das Stereotyp von der "altlinken Polemik" auszupacken.

 

Auch die taz ("Zur Strafe Karl Marx lesen"), zeigt sich erstaunt, dass keine Strafe ausgesprochen wurde, sondern nur ein dickes Bündel von Empfehlungen zur Reform der Finanz- und Sozialpolitik. Und das, obwohl die taz-Redaktionskollegin Ulrike Herrmann als "Richterin" auf dem Tribunal eine glänzende Rolle abgab.
Wohl in vorauseilender Ausgewogenheit bietet die taz auch noch ein Interview mit dem früheren Chefredakteur des Manager-Magazins, Wolfgang Kaden, in dem er ein Demokratieversagen schlichtweg als Nonsens erklärt und Merkel, Steinbrück unterstützt von Ackermann dafür lobt, dass sie Schlimmeres verhindert hätten.

 

Die Süddeutsche Zeitung kritisiert schon in der Einleitung die mangelnde "Objektivität". (Ach, wenn sie das doch auch täte, wenn sie über Bankenkongresse berichtet oder unkommentiert Experten zitiert, deren Interessenbezug offenkundig ist.) Statt Argumente der Ankläger zu entkräften, kommt das wohlfeile Totschlagsargument, dass die Anklage immer wieder in "altlinke Verschwörungstheorien abzurutschen" drohte. Mehr war wohl im Wirtschaftsteil der SZ nicht zu erwarten, wo der "alt-neoliberale" Marc Beise die Redaktionslinie vorgibt, die selbstverständlich als "objektiv" gilt.

 

Der Berliner Tagesspiegel und mit demselben Beitrag auch Zeit Online sprechen der Veranstaltung schon mit der Bezeichnung "Show-Tribunal" das Attribut von seriöser Aufklärung ab. Miriam Schröder merkt nicht einmal, dass sie damit ihren eigenen Kollegen, Harald Schumann, der nun wirklich nur Fakten auftischte, als Show-Man in die Pfanne haut. Die Artikelschreiberin kommt nicht ohne die Falschmeldung aus, dass das Durchschnittsalter "geschätzt bei 60 Jahren" liege.
Selbst wenn das eine Tatsache wäre, würde das die Meinung dieser älteren Menschen abwerten? Hat die Autorin jemals über eine Parteiversammlung berichtet und sich dabei über den Altersdurchschnitt mokiert?
Immerhin anerkennt der Beitrag, dass das Tribunal viel mit "demokratischer Kontrolle" zu tun habe und diese eigentlich ins Parlament gehöre.

Der Spiegel ("Sprüche statt Aufklärung") wirft sich in gewohnt arrogante und zugleich staatstragende Pose und reklamiert – natürlich dank eigener Einsicht – ein Regelwerk, das die Spekulationsexzesse der Banken wirksam zu unterbinden helfe. Das aber nur, um dann herablassend dem Tribunal jede "differenzierte Analyse" abzusprechen. Auch der Autor Michael Kröger tut Versuche, die Finanzkrise in größere Zusammenhänge zu stellen, als "Verschwörung" ab. Auf dem Tribunal vorgetragene Fakten oder Argumente gelten ihm pauschal als "Mutmaßungen" und "Unterstellungen". Besonders eitel erweist sich der Autor, wenn er in die Rolle des sachlich über den Dingen stehenden Spiegel-Redakteurs schlüpft und seine persönlichen Einwände gegen die Finanzindustrie vorträgt. Einwände, die von vielen Teilnehmern des Tribunals längst weitaus differenzierter vorgetragen wurden, die der Schreiber aber offenbar entweder nicht gehört oder nicht verstanden hat. Selbstverständlich geht Kröger davon aus, dass nur an den von ihm genannten Krisenursachen eine "fruchtbare Diskussion" einsetzen könne. Doch daran habe die überwiegende Mehrheit der Versammlung ja kein Interesse gehabt. Dabei zeigt dieser Beitrag nur umgekehrt, dass der Autor an der Versammlung kein Interesse hatte, sonst hätte er sich ja womöglich mit den zahllosen kritischen Argumenten auseinandersetzen müssen.

 

Einzig und allein die Frankfurter Rundschau bemühte sich um eine Einordnung der Veranstaltung vor und stellte sie in den Zusammenhang der früheren zivilgesellschaftlichen Tribunale, also des Russel-Tribunals über den Krieg in Vietnam im Jahre 1966. Die FR referierte auch die wichtigsten Aussagen des abschließenden Urteils.
Die FR hatte als "Medienpartner" des Tribunals schon im Vorfeld mehrere längere Beiträge von Mitwirkenden am Tribunal veröffentlicht und als einzige Tageszeitung auf diese Veranstaltung mehrfach aufmerksam gemacht.
Bemerkenswert sind allerdings die teilweise wirklich bösartigen Kommentare gegen dieses Engagement der FR und gegen die Veranstalter in der Kommentarfunktion.

 

Das Blatt Neues Deutschland und die "junge Welt" schilderten nicht nur Eindrücke und nicht nur beteiligte Personen, sondern nachrichtlich über vorgetragene Argumente und das ND schloss sich dem Urteil des Wirtschaftsethikers Friedhelm Hengsbach an, der in dem Tribunal einen "Beitrag zur polit-ökonomischen Alphabetisierung" sah.

 

Bemerkenswert ist, dass die Nürnberger Nachrichten, wenigstens bei den in Nürnberg bei der Liveübertagung versammelten hereingeschaut haben.

 

Auch in den Blogs gab es sowohl im Vorfeld als auch an den Veranstaltungstagen überraschend wenig Resonanz. Infonitor verzeichnete gerade einmal 111 Artikel, dabei zählen die NachDenkSeiten schon zu den Top 5-Quellen. Das ist ein Beleg dafür, dass selbst die Blogger, die oft als alternative Informationsquelle genannt werden, tatsächlich keine mächtige Stimme der Gegenaufklärung sind bzw. sich ziemlich wenig um alternative politische Informationen kümmern.
Über Twitter gingen 472 Beiträge mit allerdings über zweihunderttausend sog. Followers, also potenziellen Lesern oder Nachrichten (aber was besagt das schon). Dabei war allerdings attac selbst der
Hauptvermittler zum Tribunal.

 

Das war es aber auch schon, was ich – nach ziemlich intensiver Suche auch mit Unterstützung unserer Leserinnen und Leser – an Berichterstattung über das attac-Bankentribunal gefunden habe.

 

Das Medienecho auf diese "zivilgesellschaftliche Anklage" ist also eher schwach und vor allem fast durchweg abwertend kritisch – jedenfalls wann man es mit den medialen Lauffeuern vergleicht, das – um nur ein einziges Beispiel zu nennen – etwa das Karl-Bräuer-Institut des Steuerzahlerbundes mit der falschen Behauptung entzündet, Hartz IV-Bezieher bezögen mehr Einkommen als viele Arbeitnehmer in mehreren Wirtschaftszweigen. Wenn das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) oder die Herren Raffelhüschen oder Rürup oder sonstige "Experten" ihre interessengeleiteten Positionen in den Medien verkünden dürfen, würde man sich eine vergleichbar kritische Haltung nur allzu gerne wünschen. Über einen Auftritt von Herrn Sarrazin am Abend der Eröffnung des attac-Tribunals berichtete am Samstagmorgen der Tagespiegel auf Seite eins und eher mit Sensationslust als mit kritischer Distanz.

 

Aber beim Bankentribunal von attac wurden ja überwiegend nur Mindermeinungen vertreten und da konnte es sich die veröffentlichte Mehrheitsmeinung leicht machen, diese entweder gleich ganz tot zu schweigen oder allenfalls darüber herzufallen. Die Positionen die öffentlich nur von Minderheiten vertreten werden, selbst wenn sie der Meinung der durch Umfragen erhobenen großen Mehrheit der Bevölkerung entsprechen, gelten eben in den Mainstreammedien eben als verschwörerisch oder ihnen werden abwertende Etiketten wie "altlinks" oder tendenziös angeheftet. Albrecht Müller hat ein ganzes Buch darüber geschrieben, wie diese Meinungsmache funktioniert. Die wichtigste Aufgabe der sog. Vierten Gewalt in einer Demokratie, nämlich Meinungsvielfalt herzustellen, um über einen möglichst vielfältigen öffentlichen Diskurs die Qualität der politischen Entscheidungen zu verbessern, wird erst gar nicht angenommen. Die Berichterstattung über das Bankentribunal ist ein Beleg für das Ergebnis der Medienanlyse von Arlt und Storz wonach das journalistische Verhalten gegenüber der regierenden Politik und gegenüber Vertretern der Wirtschaft überwiegend nur als "devot" bezeichnet werden kann. Devotheit gegenüber den politisch und wirtschaftlich Mächtigen – und das gerade von den "Wachhunden" und von den Vermittlern der öffentlichen und damit politischen Meinungsbildung – ist ein Armutszeugnis für eine lebendige Demokratie. Bei der Analyse und der Bekämpfung der Ursachen der Finanzkrise ist die Verweigerung einer kritischen Berichterstattung geradezu lebensgefährlich.

 

Man muss zugestehen, dass das Themenfeld das sich das Tribunal vorgenommen hat, viel zu groß und komplex ist, als dass man es in eineinhalb Tagen trotz größter Disziplin vernünftig durchackern könnte. Da wäre eine Konzentration auf weniger Themen sicherlich hilfreicher gewesen. Auch war der Anspruch vielleicht ein wenig zu hoch, das attac-Bankentribunal in eine Reihe mit den Russel-Tribunalen zu stellen und vielleicht haben sich manche Journalisten deshalb so herblassend geäußert.

 

Dennoch kommt attac das Verdienst zu, dass wenigstens der Versuch unternommen wurde, eine kritische öffentliche Debatte anzustoßen.

 

Leider ist es bei uns ja nicht so, wie in Island, wo vom Parlament eine unabhängige Kommission eingesetzt wurde, die nun einen 2.300 Seiten umfassenden Bericht über die "extreme Nachlässigkeit" der politischen Führung gegenüber der Finanzkrise vorlegte, der nun reisenden Absatz findet und sogar öffentlich verlesen wird.

 

In der ärmsten Stadt Deutschlands, in Berlin, fühlen sich fast zwei Drittel (63%) von den Auswirkungen der Finanzkrise nicht berührt.

 

Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn ein Sturz eines Spassmacher wie Stefan Raab als Aufmacher in die Schlagzeilen gehoben wird, die sich auftürmende Schuldenlast und ihre konkreten Auswirkungen auf Kindertagesstätten, Schwimmbäder, Theater oder Verkehrsbetriebe aber nicht in einen Zusammenhang mit der Finanzkrise gestellt werden dürfen, weil das ja verschwörerisch argumentiert wäre.

 

Es bleibt nur, dass die Menschen die Angelegenheit selbst in Hand nehmen. Nach dem Bankentribunal in Berlin geht es in Hamburg am 15.04. gleich weiter: Demonstration zur HSH NORDBANK Problematik in Hamburg.

 

Posted via email from Beiträge von Andreas Rudolf

--->>> Der kontrollierte Embryo - Pränataldiagnostik zwischen Wahlmöglichkeit und Erwartungsdruck ( Die Hebamme 2009)


Diskussion
Pränataldiagnostik
Hebamme 2009; 22: 76-80
DOI: 10.1055/s-0029-1233332

© Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG
 
 
Der kontrollierte Embryo -
Pränataldiagnostik zwischen Wahlmöglichkeit und Erwartungsdruck
 
Elisabeth Beck-Gernsheim
 

Literatur
 
 

 

Zum Thema

Was könnte natürlicher sein als der Wunsch nach einem gesunden Kind? So jedenfalls meinen viele. Und doch können wir ganz direkt miterleben - als Zeitgenossen gewissermaßen - wie die Einstellungen, Hoffnungen, ­Wünsche, die um Elternschaft kreisen, einen tiefgreifenden Wandel durchmachen.

 

Mediziner, die in der Pränataldiagnostik und Reproduktionsmedizin tätig sind, berichten von einer zunehmenden Anspruchshaltung aufseiten der werdenden Eltern, so z. B. der Humangenetiker Jan Murken:
"Die Pränataldiagnostik kann man nicht mehr aus der Welt schaffen. Aber dieses Kontinuum von den wirklich bedrohlichen Krankheiten, wo jeder nachvollziehen wird, dass die Unzumutbarkeit, die Schwangerschaft fortzusetzen, gegeben ist, bis hin zu den wirklichen Banalitäten, bis hin zur Geschlechtsselektion - das macht es schwer, eine Grenze zu ziehen … Ich habe nie gedacht, dass sich das plötzlich so selbständig macht und solch eine Ausweitung hat" [
1].

Ähnlich äußert sich Hermann Hepp, Direktor der Frauenklinik im Klinikum Großhadern in München:
"Mit diesen Fortschritten [der Pränataldiagnostik] werden weitere Begehrlichkeiten geweckt und vertieft. Der zunehmende Anspruch auf ein gesundes Kind" mag am Ende dazu führen, dass eine Art "Pflicht zum unbehinderten Kind" sich entwickeln könnte" [
2].

Nach der gängigen Deutung sind solche Ansprüche ein Produkt des Egoismus und der Maßlosigkeit der Eltern, ein Ausdruck ihrer persönlichen Neigungen, Zwänge, Neurosen; oder anders gesagt, sie sind ein Ausdruck individueller Marotten und Macken. Die Steigerung und Ausweitung der Wünsche wird meiner Meinung nach aber durch die Pränatal-diagnostik selbst miterzeugt.

 

Gesundheit im Zeitalter der modernen Medizintechnologie

Mit dem Aufstieg der neuen Biotechnologien, die in den letzten Jahren eine enorme Dynamik entfaltet haben, hat das Gesundheitsprojekt der Moderne - die Gesundheitserwartung, die Gesundheitsverheißung - zusätzlich an Reichweite und Schubkraft gewonnen. In der Verbindung von Medizin, Biologie und Genetik eröffnen sich ganz neue Formen des Eingriffs in die Substanz menschlichen Lebens. Zur Verhandlung steht an, was der Mensch ist, sein soll, werden kann.

 

Die Gesundheitsverheißung

Wie eng die Verknüpfung zwischen Gesundheit und Gentechnologie tatsächlich ist, ist umstritten. Während manche Wissenschaftler dramatische Fortschritte von der Nutzung der Genomanalyse erwarten, halten andere solche Erwartungen für weit überzogen. Sicher ist beim gegenwärtigen Forschungsstand nur, dass bisher eine enorme Kluft besteht zwischen den Möglichkeiten der Diagnose und denen der Therapie. Ob diese Kluft jemals verschwindet, ob die großen Durchbrüche bei der Therapie tatsächlich kommen - dies ist auch ­innerhalb der Naturwissenschaften durch­aus umstritten.

In der öffentlichen Diskussion freilich wird die Gesundheitsverheißung gezielt eingesetzt, um in leuchtenden Farben das Bild einer besseren, gesünderen, glücklicheren Zukunft zu malen.

Mit der Berufung auf Gesundheit werden Hindernisse beiseite geschoben, Zweifel ausgeräumt und Kritiker zum Schweigen gebracht: Eine Erosion der noch geltenden Tabuschwellen und Grenzen setzt ein. Dazu zwei Beispiele.

 

Die Expansion des Gesundheitsbegriffs

 

Beispiel 1:

In der britischen Zeitschrift The Economist erschien ein Titel-Essay, gewidmet dem Thema "Changing your genes", also etwa "Wie man die Gene verändert" [5]. Als Einstiegssatz diente das berühmte Diktum von Freud, die Biologie sei unser Schicksal, und vor diesem Hintergrund wurde dann das Bild einer Zukunft entworfen, in der Freuds Satz nicht mehr gilt, weil die Menschen ihre Gene gezielt auswählen, abwählen, neu sortieren und kombinieren. Heute, so hieß es da, zielten die Therapien auf Gene, die bösartig sind. Aber morgen könne es um Gene gehen, die nicht nur aus einem schlecht funktionierenden Körper einen gut funktionierenden machen, sondern aus dem gut funktionierenden einen noch besseren, also: noch schneller, noch stärker, noch schöner.

Danach wurden knapp ein paar ethische Einwände gestreift, um dann engagiert ein Plädoyer dafür anzustimmen. Wahlfreiheit über alles, für alles, auch für die Gene! Mit der genetischen Wahl bricht ein neues Zeitalter der Freiheit an! So der Grundton durchgängig, konsequent dann zum Schlusssatz hinführend: "With apologies to Freud, biology will be best when it is a matter of choice". ("Entschuldigung, lieber Herr Freud, aber unsere Biologie wird erst optimal, wenn wir sie selbst wählen können".)

 

Beispiel 2:

In der amerikanischen Wochenzeitung Newsweek schrieb der Mediziner Michael Crichton einen Essay zur Zukunft der Medizin [6]. Der Tenor ist ähnlich, der Optimismus noch ausgeprägter, die Zukunft wird in leuchtenden Farben geschildert. Als Pate wird Charles Dickens bemüht, genauer sein Buch Great Expectations: Crichtons Artikel trägt den Titel "Greater Expectations", und dies ist durchaus wörtlich zu verstehen.

"Der Arzt als Lebensstil-Experte, als Wegweiser zu Wohlbefinden wird heute schon in Ansätzen sichtbar. Und in dem Maß, wie genetische Profile und andere Prognose-Instrumente genauer werden, wird sich auch die Kunst der Prävention immer weiter entfalten … Einen zentralen Stellenwert wird die Gentherapie einnehmen, bei der fehlende oder defekte Gene vom Arzt ersetzt werden … All dies bedeutet, dass sich unser Konzept von Medizin radikal ändern wird … Die Medizin wird ihren Schwerpunkt verlagern von der Behandlung zur Stärkung, von der Wiederherstellung zur Verbesserung, von der Bekämpfung der Krankheit zum Ausbau der Leistungsfähigkeit".

In solchen Bildern kündigt sich ein epochaler Einschnitt an. Mit den Gesundheitsverheißungen, die mit der Gentechnologie hier verknüpft werden, wird eine Expansion des Gesundheitsbegriffs eingeleitet: schleichend, gewissermaßen unter der Hand; aber im Ergebnis deswegen nicht weniger radikal.

Biologie, als genetische Grundausstattung verstanden, ist jetzt nicht mehr Schicksal, sondern Ausgangsmaterial.

Der alte Gesundheitsbegriff erscheint allzu eng, allzu bescheiden, die Erwartungen werden jetzt höher gesteckt: Steigerung, Verbesserung, Optimierung heißt das Gebot.

 

Freiwilliger Zwang

Ob eine solche Gen-Optimierung einmal Wirklichkeit wird, das kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt keiner mit Sicherheit sagen. Sicher ist jedenfalls, die Möglichkeiten der Gen-Diagnose schreiten in schnellem Tempo voran. Damit entsteht die Möglichkeit, die eigenen ­Risikofaktoren zu klären (z. B. in Bezug auf Herzinfarkt oder Diabetes) und diese genetischen Informationen als Bezugspunkte und Rahmendaten in die ­per­sönliche Lebensplanung aufzunehmen. Vorbeugende Schadensabwehr ist, so schreibt Wolfgang van den Daele, "Element des self-management, das vom modernen individualisierten Menschen erwartet wird. Wenn methodische Lebensführung sich durchsetzt, … dann muss die vorbeugende Sicherung der Gesundheit hohe Relevanz bekommen" [7].

Dieses Muss meint nicht direkten Zwang, aber erst recht nicht bloße ­Freiwilligkeit.

Man könnte, bewusst paradox, von freiwilligem Zwang sprechen oder von "präventivem Zwang", wie van den Daele es tut. Sein Kernargument lautet: Die technischen Möglichkeiten der Prävention haben es heute leicht, den Status des Legitimen und Rationalen zu gewinnen, der Widerspruch kaum noch zulässt. Denn Optionen zur Vermeidung von Gesundheitsrisiken gelten einerseits als Ressourcen selbstbestimmter Lebensplanung. Und sie werden andererseits in Form von Leistungsansprüchen auch gegen den Staat gekehrt. Der Einzelne sucht Sicherheit gegen die Wechselfälle des Lebens (gegen Krankheit und Unfall, Behinderung und Pflegebedürftigkeit) in Versicherungen aller Art, bezahlt von der Allgemeinheit.

Unter diesen Voraussetzungen muss die Nichtausnutzung präventiver Angebote zum Problem werden - die Tatsache also, dass viele Menschen die Möglichkeiten gesundheitsorientierter Lebensführung ausschlagen.

In diesem Sinne schreiben z. B. Hans-Harald Bräutigam und Liselotte Mettler, zwei prominente Vertreter der Reproduktionsmedizin: "Die eigene Kenntnis des Genoms sollte zur verantwortlichen Lebensgestaltung veranlassen" [8]. Ähnliche Äußerungen finden sich in der einschlägigen Diskussion häufig. Immer wieder taucht, fast wie ein Refrain, das Schlüsselwort "Verantwortung" auf. Dabei ist Verantwortung, ähnlich wie Gesundheit, ein Begriff, der zu den Leitwerten der Moderne gehört. Wie kann man dagegen sein, wer wollte für unverantwortliches Handeln plädieren?

Die Frage ist nur: Was ist gemeint? Was wird in diesen Begriff hineingesteckt? Und die Frage ist auch, ob sich mit den Fortschritten der modernen Medizintechnologie vielleicht nicht nur der Gesundheitsbegriff verändert, unter der Hand expandiert - sondern auch der Verantwortungsbegriff.

 

Schwangerschaft und Elternschaft im Zeitalter der ­Medizintechnologie

 

Die Pille als Einstieg

Die "Antibaby-Pille" kam 1961 in Deutsch­land auf den Markt und gewann in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre allmählich größere Verbreitung. Damit begann eine neue Epoche für Frauen. Wahlfreiheit hieß die neue Verheißung: Frauen konnten selber entscheiden, wann sie ein Kind wollten und wie viele sie wollten. Sie konnten abwarten, bis der Kinderwunsch hineinpasste in die sonstigen Vorgaben in ihrem Leben. Und sie konnten sich ggf. auch dagegen entscheiden.

Wenn wir zurückblicken, stellt sich die Frage: Wie ist die tatsächliche Entwicklung verlaufen? Ist die Verheißung der Wahlfreiheit in Erfüllung gegangen?

Die Antwort, so meine ich, ist komplizierter als ein einfaches Ja oder Nein. Wenn man mit der Situation früherer Zeiten vergleicht, brachte die Pille zweifellos einen wichtigen Durchbruch in der Geschichte der Frauen. Jetzt endlich gab es ein Verhütungsmittel, das einfach anzuwenden und hochgradig zuverlässig war, jetzt endlich war nicht mehr die Angst vor einer Schwangerschaft allgegenwärtig. Und indem Frauen mehr Verfügung über ihre Fruchtbarkeit gewannen, gewannen sie damit zugleich auch mehr Autonomie über ihr Leben insgesamt. In diesem Sinne bedeutete die Pille unbestreitbar einen enormen Fortschritt.

Allerdings hatte der Fortschritt, wie sich bald zeigen sollte, auch seinen Preis. Betrachtet man die Entscheidungssituation genauer, die mit der Pille entstand, so kann man durchaus auch fragen: Wie frei ist die Wahlfreiheit wirklich? Die Geschichte der Technik hat nämlich vielfach gezeigt, dass das Mittel auf die Zwecke zurückwirkt und ebenso leise wie nachhaltig die Entscheidungssituation selbst verändert. Anders gesagt: Eine neue Technik ist im sozialen Raum nicht neutral, sondern birgt ein ganzes Programm des sozialen Wandels in sich. Auf die Pille bezogen heißt das:

Unter dem Eindruck neuer Möglichkeiten der Geburtenkontrolle verändern sich auch die Einstellungen, Erwartungen und Normen auf diesem Gebiet.

Man kann annehmen, dass die Entwicklung etwa so verläuft: Indem die Pille enorm schnell in die Schlagzeilen der Massenmedien rückt und zu vehementen Diskussionen in der Öffentlichkeit führt, wird auch ein Bewusstseinsprozess ausgelöst. Jetzt wird bis ins letzte Dorf hinein sichtbar, dass die Biologie nicht mehr Schicksal ist, dass es vielmehr Optionen gibt: die Entscheidung für oder gegen ein Kind.

Und im Wechselspiel der Fragen, Standpunkte, Argumente, die in der öffentlichen Diskussion ausgetauscht werden, verschieben sich allmählich die Gewichte der "Beweislast".

Unter der Hand bahnt sich eine Veränderung der gesellschaftlich vorherrschenden Moral an: Aus dem Entscheidenkönnen wird die Pflicht zur bewussten Entscheidung.

Oder noch pointierter gesagt, mit der Verfügbarkeit der Pille wird die Entscheidung für oder gegen ein Kind gewissermaßen "privatisiert": aus den Zwängen der Biologie entlassen und in die Verantwortung von Frau und Mann gelegt. Wie die Soziologin Monika Häußler schreibt:

  • "Die neue Moral heißt bewusste, rationale, technisch-sichere Verhütung. Ihr Leitbild ist der aufgeklärte moderne Mensch, der verantwortungsbewusst mit dem Akt der Zeugung umgeht … Fast wird derjenige verdächtig, der im Zeitalter der unbegrenzten Verhütungsmöglichkeiten keinen Gebrauch davon macht. Verhütung wird vom notwendigen Übel zur aufgeklärten Staatsbürgerpflicht" [10].

Und diese Pflicht trifft nun vor allem die Frauen. Sie sind es, die mit dem Störfall Mutterschaft verantwortungsbewusst umgehen sollen, damit ihre Chancen im Bildungssystem und in der Berufswelt nicht eingeschränkt werden. Sie sollen Mutterschaft so unauffällig und so effizient wie möglich organisieren - dafür, so die Verheißung, dürfen sie dann auch an den Segnungen der Moderne teilhaben. Wie oft diese Verheißung in Erfüllung geht, ist eine andere Frage.

Aber offensichtlich ist, dass hier ein neues Leitbild seinen Aufstieg erlebt. In seinem Zentrum steht die junge Frau, aufgeklärt, aktiv und dynamisch, die ihren Lebensentwurf langfristig plant und rational umsetzt; die sich, das ist dabei ein wichtiger Punkt, nicht leichtfertig den Zufällen der Biologie unterwirft, sondern konsequent die Möglichkeiten der Geburtenkontrolle benutzt. Kurz, die erst einmal lange verhütet, weil sie eine qualifizierte Ausbildung absolviert; die selbstverständlich auch Zusatzqualifikationen erwirbt, also Sprachkurs, Auslandsaufenthalt, Betriebspraktika; die dann aus den verschiedenen Möglichkeiten des Berufseinstiegs die optimale auswählt; und die danach ihre Berufsposition ausbaut und konsolidiert - und frühestens dann die Pille absetzt und mit dem Mutterwerden beginnt.

In diesem Leitbild enthalten ist jedoch eine neue Gefahr, nämlich die der Planungsfalle.

Nach der neuen Devise sollen die Frauen den möglichst optimalen Zeitpunkt für die Geburt eines Kindes sorgfältig abwägen und entsprechend bestimmen. Aber dem steht als hartes Faktum entgegen, dass es diesen mythischen optimalen Zeitpunkt - fast niemals gibt.

Die moderne Arbeitswelt fordert, da in schnellem Wandel begriffen, ununterbrochenen Einsatz; wer da unterbricht, pausiert, die Arbeitszeit reduziert, muss mit erheblichen Einbußen rechnen. Statt dieses Problem als ein gesellschaftliches sichtbar zu machen und entsprechend nach gesellschaftlichen Lösungen zu suchen, wird das Problem nun leicht als privates definiert: Da wird die Verhütungstechnologie dazu benutzt, jene Frauen für irrational zu erklären, die sich "falsch" entscheiden oder sich weigern, "vernünftig" zu planen. Sie werden für "Fehlplanungen" persönlich verantwortlich gemacht: selber schuld, heißt es dann.

Die Frau, die "zu früh" Mutter wird - bevor sie ihre Ausbildung absolviert hat und im Beruf fest etabliert ist - ist heute ein "Problemfall" der individualisierten Leistungsgesellschaft.

 

Von der Pille zur Pränataldiagnostik

Aber was ist mit dem anderen Fall, wenn die Frau sich ins Leistungsprogramm einfügt und das Kinderhaben über Jahre hinweg aufschiebt? Dann gehört sie schließlich zur schnell wachsenden Gruppe der "späten Mütter" - und diese stellen nun ebenfalls eine Problemgruppe, genauer: eine Risikogruppe dar. Denn nachdem in den letzten Jahrzehnten Pränatal- und Gendiagnostik schnelle Fortschritte gemacht haben, nachdem sie die genetischen Grundlagen von Gesundheit und Krankheit immer genauer aufschlüsseln konnten, gerieten in der Folge die Risiken später Mutterschaft zunehmend ins Blickfeld. Und das Wissen um diese Risiken wurde in kürzester Zeit über Medien und nicht zuletzt Frauenzeitschriften verbreitet; wurde inzwischen zum Allgemeinwissen, dem keiner und keine entkommt - der Hinweis darauf gehört heute zur ärztlichen Aufklärungspflicht.

Passgerecht für die entsprechenden Ängste entwickelte sich bald ein eigenes Repertoire medizin-technischer Hilfsangebote aus Pränatal- und Gendiagnostik. Also Tests verschiedener Art, im Kern ein Normalitäts-Check für das Ungeborene, um die schwangere Frau zu beruhigen und ihr die Ängste zu nehmen.

Aber auch diese Verheißung hat ihre Kehrseite, denn bekanntlich können die Tests keinen Garantie-Schein für günstige Befunde anbieten.

Wenn alles gut geht, wenn keine Defekte oder Abweichungen sich zeigen, ist die werdende Mutter danach erleichtert und glücklich. Was aber dann, wenn der Befund diffus ist, unklar, mehrdeutig? Oder was, wenn er eindeutig ist, wenn er eine Behinderung ausweist? Oder wenn die Amniozentese gar eine Fehlgeburt auslöst: Ich bin jetzt 38, auf dieses Kind habe ich solange gewartet, vielleicht ist diese Schwangerschaft meine letzte und einzige Chance? Aber andererseits, wenn das Kind behindert sein sollte, dann müsste ich alles andere aufgeben - was soll ich nur tun?

 

Pränataldiagnostik und Verantwortung

Und diese Entscheidungssituation wird nun noch dadurch erschwert, dass sich ganz neue Verantwortungslasten damit verbinden. Dazu zunächst ein Beispiel aus einem Interview mit einer schwangeren Frau. Sie sagt:
"Ich fühlte mich in einer schaurigen Zwickmühle, rundherum hörte ich: Hast du jetzt die Untersuchung gemacht? Du musst unbedingt, wenn es diese Möglichkeiten gibt … Und falls du dann ein behindertes Kind hast? Du hast doch schon zwei Kinder, du musst auch an sie und an deinen Mann denken" [
11].

Hier zeigt sich der schleichende Bedeutungswandel, den der Begriff der Verantwortung durchmacht. Je mehr sichere Methoden der Empfängnisverhütung verfügbar wurden, desto mehr breitete sich zunächst die Idee der verantwortlichen Planung von Elternschaft heraus. Gemeint war dies damals in quantitativem Sinn: Es ging darum, nur so viele Kinder zu bekommen, wie man angemessen ernähren und aufziehen konnte.

Inzwischen, mit den neuen Möglichkeiten der Pränataldiagnostik, hat sich auch der Begriff der Verantwortung weiterentwickelt, bekommt einen neuen Klang. Zunehmend wird er in Richtung einer qualitativen Auswahl gefasst, ansetzend bereits vor der Geburt, vielleicht sogar vor der Zeugung. Dabei werden freilich oft Formulierungen verwandt, die das Handlungsziel nur vage andeuten: Man spricht etwa von "Prävention" oder von "prophylaktischen Maßnahmen".

Und die Verantwortung, um die es hier geht, hat viele Adressaten und Bezugspunkte: Da ist zum einen die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, dann die Verantwortung gegenüber der Familie, wie sie in dem zitierten Interview-Ausschnitt anklingt, gegenüber dem Mann und den bereits geborenen Kindern (vielleicht auch gegenüber den Großeltern, die auf ein niedliches, vorzeigbares Enkelkind hoffen). Nicht zu vergessen auch die Verantwortung gegenüber dem ungeborenen Kind - kann man ihm denn das Schicksal der Behinderung aufbürden, eine Existenz zwischen Mitleid, Ablehnung, Abhängigkeit?

Hinzu kommt schließlich auch die Verantwortung für die eigene Person und das eigene Leben. In einer Arbeitswelt, die immer stärker Flexibilität und Mobilität fordert, sind Frauen schon behindert genug, wenn sie ein gesundes Kind haben. Denn sie sind nicht jederzeit abrufbar, sie können nicht beliebig Überstunden einschieben oder für drei Tage mal schnell auf Dienstreise gehen. Und damit sind sie, nach den heute geltenden Regeln der Arbeitswelt, nur "bedingt einsatzfähig", anders gesagt: defizitär.

Was aber dann, wenn sie nicht nur ein Kind zu versorgen haben, sondern gar: ein behindertes Kind? Dann, das wissen die Frauen sehr wohl, dann können sie gar nicht mehr mithalten. Dann sind sie "draußen": entweder ganz abgedrängt ins Private; oder - bestenfalls - abgedrängt in die Randzonen der Berufswelt, in Positionen, die wenig fordern, aber auch unsicher und schlecht bezahlt sind. Und erst recht heißt es dann: selber schuld. Du hättest ja den Test machen können. Du hättest den maximalen Störfall - das behinderte Kind - ja vermeiden können.

Bei so viel Verantwortung nach allen Seiten ist kaum überraschend, wenn immer mehr der so genannten "älteren Mütter" die entsprechenden Tests durchführen lassen. Und inzwischen sind es auch die jüngeren Frauen, die immer häufiger eine solche Rückversicherung suchen.

In der Folge setzt sich die "Schwangerschaft auf Probe" [12] immer mehr durch, wird zur Normalität. Das heißt, wenn der Testbefund günstig ist, dann wird die Schwangerschaft fortgesetzt und wir freuen uns auf den Familienzuwachs; andernfalls Abbruch und ein neuer, hoffentlich besserer Versuch.

 

Von der Pränataldiagnostik zur ­Präimplantations-Diagnostik

Und die Entwicklung geht weiter. Seit einigen Jahren gibt es die Präimplantations-Diagnostik, also die Untersuchung des Embryos auf genetische Gesundheit, jetzt schon vor der Einpflanzung in die Gebärmutter. Das ist, könnte man sagen, die "Zeugung auf Probe": eine Art ­vorverlagerter Normalitäts-Check. Davon erhoffen sich viele, gerade auch viele Mediziner, einen entscheidenden ­Vorteil. Denn die Belastungen eines Schwangerschaftsabbruchs lassen sich damit oft vermeiden, und dies auf ganz einfache Weise: indem im Fall eines genetischen Defekts die Schwangerschaft gar nicht mehr in Gang gesetzt wird. Deshalb, weil sie den Abbruch erspart, ist die Zeugung auf Probe weitaus ­weniger problematisch als die Schwangerschaft auf Probe, gerade auch aus ethisch-moralischen Gründen - so eine häufig vertretene Meinung.

In diesem Sinne hat der Mediziner Hermann Hepp die Präimplantations-­Diagnostik geradezu als "Lebensschutz" bezeichnet [13]. Hepp, und ähnlich viele andere Mediziner, auch die Bundesärztekammer, fordern deshalb die Zulassung dieses Verfahrens auch in Deutschland - selbstverständlich mit strengen Auflagen, beschränkt auf spezielle Fälle, also wohl die ganz schweren Erkrankungen ohne Therapiechance. Solche Vorschläge haben freilich einen entscheidenden Mangel: Sie berücksichtigen die bisherigen Erfahrungen aus dem Bereich der Medizintechnologie nicht.

Wenn man sich aber an diese Erfahrungen erinnert, liegt die Frage auf der Hand: Wie lange wird eine Beschränkung Bestand haben? Wann werden die Begehrlichkeiten stärker sein und sich durchsetzen?

Die Antwort können wir, zumindest in Ansätzen, schon heute erkennen: Bekanntlich ist die Präimplantations-Diagnostik in Deutschland verboten - jedenfalls noch. Aber dafür sind in anderen ­Ländern inzwischen viele einschlägig spezialisierte Kliniken entstanden, ob Spanien oder Türkei, ob Russland oder ­Kalifornien. Das sind Länder, die sich, so heißt es in den entsprechenden Werbetexten, durch eine "liberale" Gesetzgebung auszeichnen, welche "das Recht, Kinder zu haben, verteidigt" [14]. Und diese Liberalität, das kann man den einschlägigen Web-Seiten entnehmen, bleibt nicht stehen bei den immanent medizinischen Zwecken.

Vielmehr wird teilweise ganz offen auch Präimplantations-Diagnostik zum Zweck der Geschlechtswahl angeboten: Sohn oder Tochter, ganz nach Wunsch. Hier werden die medizinischen Ziele nur noch am Rande erwähnt, als Nebeneffekt: "Sie sollten die Gelegenheit nutzen, Ihr zukünftiges Kind auch auf Down-Syndrom oder andere genetisch-bedingte Krankheiten untersuchen zu lassen" [15].

Zukünftiges Kind - das klingt schön, aber täuscht über die Realität hinweg. Denn wenn eine Krankheit festgestellt werden sollte, dann wird dieses "zukünftige Kind" wohl nie ein wirkliches Kind. Dann wird es nicht implantiert und nicht geboren. Dann wird es nicht Sohn und nicht Tochter, sondern "Embryo-Abfall".

 

Literatur

1 Experten-Interview mit Jan Murken, zit. in: Jan Kuhlmann: Abtreibung und Selbstbestimmung. Die Intervention der Medizin , p. S. 126

2 Hepp H. Ethische Probleme am Anfang des Lebens. In: Honnefelder, L./Rager, G. (Hg.): Ärztliches Urteilen und Handeln. Zur Grundlegung einer medizinischen Ethik. Frankfurt: 1994, p. S. 267

Kohli M. Sonderband 8: Lebenslauf und Lebensalter als gesellschaftliche Konstruktionen. In: Matthes, J. (Hg.): Zwischen den Kulturen?. Göttingen: Soziale Welt 1992, p. S. 295

Daele W van den. Mensch nach Maß? Ethische Probleme der Genmanipulation und Gentherapie. München: 1985, p. S. 11

5 The Economist. 25. April 1992, p. S.11f. (ohne Autor)

6 Crichton M. Greater Expectations. The future of medicine lies not in treating illness but in preventing it. Newsweek 24. September 1990

7 Daele W van den. Das zähe Leben des präventiven Zwanges. In: Schuller, Alexander/ Heim, Nikolaus (Hg.): Der codierte Leib. Zur Zukunft der genetischen Vergangenheit. Zürich - München: 1989, p. S. 207f

8 Bräutigam H-H, Mettler L. Die programmierte Vererbung. Möglichkeiten und Gefahren der Gentechnologie. Hamburg: 1985, p. S. 138

Beck-Gernsheim E. Die Kinderfrage heute. Über Frauenleben, Kinderwunsch und Geburtenrückgang. München: 2006

10 Häussler M. Von der Enthaltsamkeit zur verantwortungsbewußten Fortpflanzung. Über den unaufhaltsamen Aufstieg der Empfängnisverhütung und seine Folgen. In: Häussler, Monika et al. (Hg.): Bauchlandungen. Abtreibung - Sexualität - Kinderwunsch. München: 1983, p. S. 65

11 Interview-Aussage in Eva Schindele: Gläserne Gebär-Mütter. Vorgeburtliche Diagnostik - Fluch oder Segen. Frankfurt: 1990, p. S. 64

12 Katz-Rothman B. The Tentative Pregnancy. Prenatal Diagnosis and the Future of Motherhood. London: 1988

13 Hepp H. Zit. in: Widerspruch der Werte. Ärzte wollen Spätabtreibungen durch Präimplantationsdiagnostik verhindern. Süddeutsche Zeitung 28./29. April 2007 (ohne Autor)

14 Werbetext der Klinik Eugin, Barcelona/ Spanien, http://www.eugin.net/euginnet/infgeneral-detailext.aspx?id = info (26.02.2008). 

15 Werbetext der AVA-Peter Clinic, St. ­Petersburg/Russland, http://www.avapeter.com/sexselection/ (27.02.2008). 

Spiewak M. Nr. 41: Wie man in Deutschland geboren wird. DIE ZEIT 1.10.2003

 

Anschrift der Autorin:

Prof. Dr. Elisabeth Beck-Gernsheim
Universität Erlangen-Nürnberg
Institut für Soziologie
Kochstr. 4
91054 Erlangen
e-Mail: Elisabeth.Beck-Gernsheim@soziol.phil.uni-erlangen.de

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