Dienstag, 30. März 2010

"Starke Raucher weniger empfänglich für Schockfotos" (Das Gesundheitswesen 2009)


Gesundheitswesen 2009; 71
DOI: 10.1055/s-0029-1239200

"Starke Raucher weniger empfänglich für Schockfotos"- Eine randomisierte kontrollierte Studie (Randomized Controlled Trial - RCT) zur Wirkung bildgestützter Warnhinweise auf Zigarettenpackungen

S Schneider 1, A Fischer 1
1 MIPH - Mannheimer Institut für Public Health, Sozial- und Präventivmedizin, Medizinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg

 

Hintergrund: Bildgestützte Warnhinweise auf Zigarettenpackungen zählen zu den derzeit am intensivsten diskutierten Forderungen der WHO Framework Convention on Tobacco Control (FCTC). Jüngst hat die EU-Kommission allen Mitgliedsstaaten eine Einführung empfohlen und einen verbindlichen Bildkatalog erarbeitet (2003/641/EG). Derzeit wird auf höchster politischer Ebene kontrovers diskutiert, ob bildgestützte Warnhinweise auf Zigarettenschachteln zu einer stärkeren Ausstiegsmotivation als ausschließlich textliche Warnhinweise führen.

Material und Methoden: Insgesamt nahmen 88 erwachsene Raucher an dieser randomisierten kontrollierten Studie (RCT) teil. Das Stimulusmaterial bestand aus Furchtappellen in Form ausschließlich textlicher Warnhinweise oder in Form bildgestützter Warnhinweise aus dem offiziellen Text- und Bildkatalog der EU-Kommission. Auf Basis etablierter Scores wurden das Hauptzielkriterium Ausstiegsmotivation sowie die Nebenzielkriterien Furchtintensität, Vulnerabilität, Schweregrad der Bedrohung und Wirksamkeitserwartungen mittels einer 7stufigen Likertskala (von 1="überhaupt nicht" bis 7="voll und ganz/sehr stark") erfasst.

Ergebnisse: Bildgestützte Warnhinweise auf Zigarettenschachteln führen zu einer stärkeren Ausstiegsmotivation als ausschließlich textliche Warnhinweise. Die Motivationswerte der Vpnen, die zusätzlich zu den Texten auch abschreckende Bilder sahen, lagen auf der 7stufigen Likertskala um etwa 1,5 Einheiten über den Werten der Kontrollen (p<0,05). Außerdem lösen bildgestützte Warnhinweise auf Zigarettenschachteln eine stärkere Furcht als reine Texthinweise aus (4,3±1,2 vs. 3,1±1,2, p<0,05).

Schlussfolgerungen: Unklar muss die Zeitstabilität der gefundenen Effekte bleiben, also die Frage, wie lange die beobachtbaren Effekte nach der Exposition anhalten. Dieses Problem entschärft sich aber bei einer flächendeckenden Einführung von Bildhinweisen, weil die meisten Raucher dann mehrmals täglich solchen Hinweisen ausgesetzt wären. Die Studie zeigt auch deutlich die Grenzen bildgestützter Warnhinweise auf: Bei starken, abhängigen und nicht aufhörwilligen Rauchern sind "Schockfotos" gewöhnlichen Texthinweisen nicht überlegen, den Raucher von der Schädlichkeit des Rauchens und der Wirksamkeit eines Rauchstopps zu überzeugen.

Literatur: Hammond, D., Fong, G. T., Borland, R., Cummings, K. M., McNeill, A., & Driezen, P. (2007). Text and graphic warnings on cigarette packages: findings from the international tobacco control four country study. Am J Prev Med, 32(3), 202-209.

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Montag, 29. März 2010

Beschimpft, gejagt, geschlagen - gleich zwei antisemitische Vorfälle hat es am vergangenen Wochenende in Berlin gegeben.


Antisemitismus

Beleidigungen und Schläge

Beschimpft, gejagt, geschlagen – gleich zwei antisemitische Vorfälle hat es am vergangenen Wochenende in Berlin gegeben. Die Jüdische Gemeinde warnt vor Gewalt von Migranten.

Bei einer Auseinandersetzung in der U-Bahn sind in der Nacht zu Sonnabend auf dem Bahnhof Güntzelstraße in Wilmersdorf zwei 23-jährige Frauen und ein 25-jähriger Mann von Unbekannten – einer davon soll augenscheinlich aus einer Einwandererfamilie stammen – antisemitisch angegriffen worden. Dem 25-jährigen Opfer wurde eine Flasche auf dem Kopf zerschlagen. Zuvor sind die drei gefragt worden, ob sie "Juden" seien.

Die Jüdische Gemeinde Berlin sprach am Montag von "jugendlichen Schlägergruppen", die immer häufiger aus Zuwandererkreisen stammten. Einer Einschätzung der Amadeu-Antonio-Stiftung zufolge ist Antisemitismus in "großen urbanen Wohnquartieren mit überwiegend muslimischer Wohnbevölkerung" ein ernstes Problem. Gesicherte Zahlen über den ethnischen oder religiösen Hintergrund antisemitisch aufgefallener Täter in Berlin gibt es nicht. Es sei aber nötig, erklärte die Jüdische Gemeinde, endlich Ursachen und Auswirkungen von Antisemitismus, besonders unter jungen Türken und Arabern, zu erfassen.

Das sehen die Experten vom Projekt "amira – Antisemitismus im Kontext von Migration und Rassismus" ähnlich. "Antisemitische Gewalt ist aber nicht nur ein Jugendproblem – und nicht nur ein Phänomen unter Migranten", erklärte Projekt-Mitarbeiterin Susanna Harms. Bereits am Freitag wurden zwei zehnjährige Mädchen, wie im Tagesspiegel berichtet, am S-Bahnhof Wannsee von einem 61-Jährigen antisemitisch beleidigt. Als ein junger Passant schlichtend eingreifen wollte, hat der ältere Mann laut Polizeiangaben eine Bierflasche gegriffen und die Mädchen verfolgt, die aber flüchten konnten. Der Täter wurde festgenommen, dabei habe sogar Pfefferspray eingesetzt werden müssen. Die Vorfälle vom Wochenende sind nicht die einzigen in diesem Jahr: Vor wenigen Wochen warfen Schüler Schneebälle gegen die Fenster einer Wohnung in Charlottenburg. An sich nichts Ungewöhnliches, doch der dort lebende Vater zweier Kinder ging zur Polizei. Er kennt die Anfeindungen, die seine jüdische Familie auf sich zieht. Im Sommer, befürchtet er, könnten aus Schneebällen vielleicht Steine werden. Wenige Tage zuvor hatten Unbekannte an einem Haus in Prenzlauer Berg, in dem ein linkes Projekt untergebracht ist, zwei Davidsterne neben ein Hakenkreuz gesprüht. Zuvor hatte jemand an die Wand des "Anne Frank Zentrums" in der Rosenthaler Straße das Wort "Jude" geschrieben.

Im Jahr 2008 wurden offiziell 197 Taten in Berlin als "antisemitisch motiviert" eingestuft. Aktuellere Zahlen gibt es noch nicht, behördenintern geht man aber davon aus, dass es 2009 zu ähnlich vielen Vorfällen gekommen ist. Von den 2008 bei der Polizei registrierten Taten waren sechs gewaltsame Angriffe, etwa Schläge gegen erkennbar jüdische Schüler. In vier Fällen wurden die Täter ermittelt. Häufiger aber sind anonyme Drohungen, bei denen die Ermittlungen ohne Ergebnis bleiben.

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[idw] ZBW wird dauerhafter IT-Betreuer für Open-Access-Journal "Economics"

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften, Dr. Doreen
Siegfried, 29.03.2010 17:15


ZBW wird dauerhafter IT-Betreuer für Open-Access-Journal "Economics"


Die Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften -
Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW) hat eine
Kooperationsvereinbarung mit dem Kieler Institut für Weltwirtschaft
(IfW) abgeschlossen. Dank dieser Kooperation kann das peer-reviewed
E-Journal "Economics" dauerhaft betrieben und informationstechnisch
weiterentwickelt werden.


Nach Auslaufen der DFG-Förderung für die IT-Betreuung der
elektronischen Fachzeitschrift "Economics: The Open Access Open
Assessment E-Journal" des Instituts für Weltwirtschaft () übernimmt nun die Deutsche Zentralbibliothek
für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) federführend die technische
Betreuung des Journals. Dies beinhaltet im Wesentlichen die
Programmierung und Administration des Journal-Webauftritts und des
passwortgeschützten Redaktionsbereiches.


Professor Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft,
begrüßte die enge Zusammenarbeit mit dem Infrastrukturdienstleister
ZBW: "Ich freue mich sehr darüber, dass wir mit der ZBW einen
vertrauensvollen und kompetenten Partner gefunden haben, der uns bei
der technischen Weiterentwicklung des E-Journals Economics
unterstützt. Mit dieser engen Kooperation stärken wir gemeinsam die
internationale Open-Access-Bewegung."


"Economics" ist eine seit 2007 erscheinende rein elektronische
Fachzeitschrift, die nach dem Prinzip des Open Access konzipiert ist.
Sie ist als klassisches Peer-Review-Journal organisiert. Darüber
hinaus werden eingereichte Beiträge auch durch registrierte
Nutzerinnen und Nutzer der Zeitschrift bewertet. Die vorgenommenen
Bewertungen sind auf den Webseiten offen einsehbar (Open Assessment).
Nach einer kurzen Begutachtungszeit von 8 bis12 Wochen wird dann
jeweils entschieden, welche Beiträge als Peer-Reviewed Journal
Articles veröffentlicht werden.


Sowohl bei den Gutachterinnen und Gutachtern als auch für das
Editorial Board konnten international renommierte Forscherinnen und
Forscher gewonnen werden, darunter auch mehrere Nobelpreisträger.
"Economics" hat als rein englischsprachiges Journal eine sehr
internationale Ausrichtung. Die mittlerweile über 100 publizierten
Journal Articles werden in allen wichtigen Fachdatenbanken wie
EconLit, ECONIS, EBSCO und RePEc nachgewiesen und bereits ausgiebig
genutzt und zitiert. Seit Kurzem ist das Journal auch im Ranking des
Handelsblatts vertreten.

Pressekontakt:

Dr. Doreen Siegfried
Leiterin Marketing und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0431 8814-455
Fax: 0431 8814-520
E-Mail: d.siegfried@zbw.eu

ZBW - Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften
Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft
Düsternbrooker Weg 120
D-24105 Kiel
www.zbw.eu

Standort Hamburg:
Neuer Jungfernstieg 21
D-20354 Hamburg

Arten der Pressemitteilung:
Forschungsprojekte
Kooperationen

Sachgebiete:
Wirtschaft

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.economics-ejournal.org
http://www.zbw.eu

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E-Journal Economics

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Tschechischer Salon - Kafka und Deutsche Literatur aus Prag - 30-03-2010 - 19:30 Uhr - Dresden

Lässt sich die soziale Einstellung der Menschen in einer Gesellschaft verändern? (Nachdenkseiten)


Lässt sich die soziale Einstellung der Menschen in einer Gesellschaft verändern?

Und einige Anmerkungen zu einem Interview von Rifkin.

Nachdenkseiten

Gibt es Veränderungen im sozialen Bewusstsein, im Umgang miteinander? Sind Menschen von Natur aus egoistisch oder eher empathisch und auf Zusammenhalt angelegt? Wird die soziale Einstellung geprägt? Zum guten, zum schlechten und wie? Diese Fragen bewegen einen – insbesondere angesichts der zurzeit sehr aggressiven Töne gegen die Schwächeren unter uns. In einem Interview mit dem Tagesspiegel äußert sich auch der amerikanische Soziologe Rifkin zum Thema. Albrecht Müller

Das
Interview ist lesenswert. Ich weise darauf hin, obwohl mich wie oft bei Rifkin, einiges irritiert. (Auf einiges Irritierendes wird im folgenden auch jenseits der Fragestellung meines Beitrags eingegangen.)

 

Rifkin bezieht sich auf die Hirnforschung und stellt zum Beispiel fest:

 

  1. "Ist es der menschliche Trieb, aggressiv, gewalttätig und konkurrenzorientiert zu sein? Oder ist er nicht vielmehr sozial und hilfsbereit, eben empathisch? … Entscheidend ist …, was dominiert. Die Ergebnisse der Hirnforschung belegen: Menschen sind darauf ausgelegt, empathisch zu sein und einen starken Sinn für Zusammenhalt zu entwickeln. Nur wenn diese Triebe von Eltern, Schule und Kultur blockiert werden, nehmen Aggression und Gewalttätigkeit überhand. …
  2. "Der primäre Trieb, das belegen inzwischen viele Experimente mit Kleinkindern und sogar Babys, ist der soziale."
  3. (Diese Erkenntnis) … "zeigt, wie unser Bewusstsein und damit unser Handeln sich ändern könnten. Und wir wissen, dass es das früher auch schon getan hat."
  4. Rifkin zeigt sich enttäuscht von Obama und beschreibt, dass sich dort beim Klimaschutz und bei der Energiepolitik brutale Interessen durchgesetzt haben. Und er interpretiert diese Entwicklung so: "Wenn Ideen und Ideologien sich durchsetzen, dann hat das Konsequenzen. Wenn alle denken, der Mensch ist von Natur aus selbstsüchtig und egoistisch, dann bekommen wir eben die Politiker, die so sind. Bei uns (in den USA, d.Verf.) setzen sich die Leute durch, die krankhaft gierig sind. Sie sind Ausdruck des physischen und moralischen Bankrotts in unserem Land. Aber wir können das ändern, und das hat mit der modernen Pädagogik auch längst begonnen. Wenn es gelingt, dass die Menschheit besser über sich selbst denkt, dann kann sie auch tatsächlich besser werden."

Rifkins Enttäuschung über Obama ist gepaart mit Bewunderung für

 Angela Merkel und in den EU-Kommissionspräsidenten Barroso, die er nach eigener Auskunft berät. Rifkin hat offensichtlich ein ziemlich groteskes Bild von der sozialen Orientierung dieser Personen. Mein Eindruck ist, dass Rifkin nicht realisiert hat, wie sehr gerade diese beiden Politikerinnen und Politiker mit ihrer praktischen Politik sich von dem auch von Rifkin bewunderten europäischen Sozialstaat entfernen. Der Lissabon-Prozess und Angela Merkels schwarz-gelbe Reformpolitik, ihre Zurückhaltung gegenüber Westerwelle und anderer Aggressionen gegen die Schwächeren sind beredte Zeugen einer Entwicklung, die Rifkin mit den in d) zitierten Äußerungen beschreibt. Bei uns hat sich eben auch genau diese egoistische Ideologie der neoliberalen Bewegung durchgesetzt; wenn Rifkin meint, unsere so genannten Eliten seien nicht moralisch bankrott, dann hat er nicht verstanden, was bei uns abgegangen ist und abgeht, und wenn er die genannten Personen berät und sich dessen rühmt, dann hat er nicht einmal verstanden, dass er – bekannt als Bewunderer der Europäischen Sozialstaatlichkeit – der Imagepflege von Angela Merkel, dem windowdressing, dient. Es ist vorauszusehen, dass er dann auch als Beleg für die Sozialdemokratisierung von Angela Merkel und der Union hergenommen werden wird.


Ich persönlich traue trotz vieler Enttäuschungen Barack Obama immer noch eine sehr viel höhere soziale Kompetenz und auch mehr Fähigkeit zur Empathie zu als Angela Merkel und in jedem Fall eine höhere als Barroso und der Mehrheit der Europäischen Kommission.

 

Rifkin spricht von großen Sprüngen im sozialen Bewusstsein der Menschen und er verbindet diese dann mit revolutionären Veränderungen bei der Energiegewinnung und der Kommunikation. Das ist der Rifkin, der mit seinen großen Erklärungsmustern viele Menschen beeindruckt. Nichtsdestotrotz halte ich gerade diesen Rifkin für ziemlich uninteressant, eigentlich für irreführend und verdummend. Zum ersten Mal fiel mir das bei seinem Buch über das Ende der Arbeit auf. An diese These glauben schrecklich viele Leute. Sie erscheint nur mithilfe von assoziativen Verknüpfungen als begründet. Mir gingen seine Ableitungen so auf den Nerv, dass ich diese Urlaubslektüre abbrach.

Auch die Chancen zur Veränderung des sozialen Verhaltens verknüpft Rifkin mit einem großen Wurf. Er verbindet sie mit einer "dritten industriellen Revolution". Es scheint mir besser zu sein, nüchtern zu bleiben und die Gründe der Demoralisierung zu analysieren, die wir heute auch in Europa erleben, und dann an diesen Erkenntnissen anzusetzen und zu überlegen, was zu tun wäre, um soziales Verhalten wieder nach vorne zu bringen.

Wir haben in unserem Land erlebt, dass sich Sozialverhalten und soziale Einstellung unter dem Eindruck von Ideologien und der damit verbundenen Praxis und Propaganda auch in relativ kurzen Zeiträumen wie etwa den letzten drei Jahrzehnten verändern können. Auf eine kurze Zeitspanne, in der Sozialstaatlichkeit und soziale Sicherheit öffentlich als große Errungenschaften gelobt und in der Praxis ausgebaut wurden, und in der auch die Erziehung in den Familien und Schulen menschenfreundlichere Ansätze zeigte, folgte die Verhöhnung des sozialeren Miteinanders als Sozialklimbim und soziale Hängematte und der ideologische Bannstrahl für menschenfreundlichere Formen der Erziehung.


Nicht total aber immerhin merkbar wurden die Akzente verschoben: jeder ist seines Glückes Schmied, Du musst dich wehren, Du musst stark sein, das Boot ist voll – das und einiges mehr waren und sind bis heute die Sprüche der herrschenden Ideologie. Und das prägt natürlich.


Von Bedeutung war zudem die Kommerzialisierung der elektronischen Medien und die massive Ausweitung von Gewaltdarstellungen.


Von Bedeutung war auch die massive Propaganda und die daraus folgenden Taten gegen alle gemeinschaftlichen Einrichtungen und für Entstaatlichung. Wir haben drei Jahrzehnte der Propaganda und Prägung gegen öffentliche Güter und Dienstleistungen hinter uns. Auch das prägt soziales Verhalten.


Hinzu kommt die wirtschaftliche Verunsicherung der Mehrheit der Menschen in unserer Gesellschaft. "Erst das Fressen, dann die Moral." Vermutlich immer noch keine falsche Diagnose, selbst wenn da und dort gelten mag, dass Not zusammenschweißt.

Aus der Diagnose folgen auch die therapeutischen Ansätze: Veränderung der Erziehung (ein mühsamer Weg); Entzauberung der herrschenden Ideologie und selbstbewusstes Werben für die humanere Form des Zusammenlebens, für solidarisches Verhalten, soziale Sicherheit, Sozialstaatlichkeit, Ausweitung der öffentlichen Versorgung und öffentlicher Güter, gesicherte Arbeitsverhältnisse, Kampf gegen Leiharbeit und Niedriglöhne, Entkommerzialisierung wichtiger Bereiche des Zusammenlebens, usw. – Das wird vermutlich ein langer Weg. Aber es bedarf dafür keiner neuen industriellen Revolution, so schick das auch klingen mag. Es bedarf allerdings der Erkenntnis, welche Bedeutung der Meinungsmache zukommt. So oder so.

 

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--->>> Europa könnte bis 2050 komplett mit Strom aus Erneuerbaren Quellen versorgt werden <<<---

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Uta Pohlmann, 29.03.2010
12:56

Europa könnte bis 2050 komplett mit Strom aus Erneuerbaren Quellen
versorgt werden

Wenn ein leistungsfähiges europäisches Fernübertragungsnetz und ein
vereinter Elektrizitäts-Binnenmarkt geschaffen werden und mit
ähnlichen Netzen und Märkten in Nordafrika verbunden werden, können
bis zur Mitte des Jahrhunderts Erneuerbare Energieträger in großem
Maßstab genutzt werden. Das geht aus einem in der vergangenen Woche
von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers
veröffentlichten Bericht hervor. Eine Gruppe von Energie- und
Klimaexperten des Unternehmens hatte gemeinsam mit Wissenschaftlern
vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), dem International
Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) und dem European
Climate Forum mögliche Transformationen des europäischen und
nordafrikanischen Stromsektors untersucht. Die Umstellung auf
Erneuerbare könnte Energiesicherheit bieten, die Stromerzeugung
dekarbonisieren und Energiearmut verringern, heißt es in dem Bericht.

Zum ersten Mal wurde mit dem Gutachten eine Roadmap für die Umstellung
des europäischen und nordafrikanischen Strommarktes auf einhundert
Prozent Erneuerbare Energien bis 2050 erstellt. Dazu untersuchten die
Forscher den Markt hinsichtlich der notwendigen finanziellen,
infrastrukturellen und regierungspolitischen Meilensteine für
politische Entscheidungsträger und Unternehmen.

Die Roadmap umfasst die vier wichtigsten Handlungsbereiche Politik,
Märkte, Investitionen und Infrastruktur. Politische Führung wird als
wichtigstes Element erachtet. Sie kann für einen langfristigen
ordnungspolitischen Rahmen sorgen, der Investitionen fördert und den
Aufbau der notwendigen Versorgungskette und Netzinfrastruktur
ermöglicht.

Gus Schellekens von PricewaterhouseCoopers sieht Europa und andere
Weltregionen an einem Scheideweg, an dem sich die Gelegenheit bietet,
großräumig Erneuerbaren Strom zu gewinnen. "Mit Strom aus sauberen und
erschwinglichen Energiequellen hat man in den vergangenen 150 Jahren
zwar geliebäugelt, aber sie nie konsequent nutzbar gemacht. Das könnte
sich jetzt ändern", sagt Schellekens.

Das Gutachten benennt als wichtigste Schritte bis 2050:

* Entwicklung europaweiter Business Cases für Erneuerbaren Strom bis
2015 sowie Netzinfrastrukturprojekte auf europäischer Ebene mit
langfristigen Zielen für Erneuerbare Energien und Klimaschutz
* Aufbau großer Kapazitäten zur Stromübertragung ab 2015, um die
Potenziale von Wind und Sonne effizient zu nutzen
* Abbau von Subventionen für fossile Brennstoffe bis 2020 und
Entwicklung eines strategischen Zeitplans für den Ausstieg aus den
Finanzhilfen für Erneuerbare Energien
* Festlegung von Zielen für Erneuerbare Energien für Nordafrika bis
2020
* Schaffung eines europäischen Binnenmarktes für Strom bis 2020
* Strategische Stilllegung von fossilen Kraftwerken in der EU und in
Nordafrika ab 2030, um ihre Leistung bis 2040 durch Stromerzeugung aus
Erneuerbaren Energien zu ersetzen.

Die Wissenschaftler sehen Bedarf für ein länderübergreifendes
Stromnetz in Europa. Ein so genanntes SuperSmart Grid könnte,
unabhängig davon, wann und wo der Strom erzeugt wird, die komplette
Integration Erneuerbarer Energiequellen ins Stromnetz ermöglichen.
Dadurch wäre sowohl für den in Elektrizitätswerken als auch dezentral
erzeugten Strom ein effizientes Lasten- und Nachfragemanagement
gewährleistet.

Das Gutachten bestätigt, dass alle Voraussetzungen gegeben sind, mit
der Umstellung zu beginnen: Die Technologie ist vorhanden und die
Potenziale Erneuerbarer Energiequellen und ihrer Speicherung sind
bekannt. Auch die Notwendigkeit, die Kapazitäten für den
Stromtransport stark zu erweitern sowie die Rollen dezentraler
Stromerzeugung und der Energieeffizienz sind vollständig erkannt.

Europa und Nordafrika hätten gemeinsame Interessen, heißt es im
Gutachten. Die Entwicklung stabiler Kooperationen für die großräumige
Nutzung Erneuerbarer Energien könne die Abhängigkeit von
Energieimporten verringern und wechselseitige Beziehungen zwischen
Europa und seinen afrikanischen Nachbarn stärken.

"Klimawandel erfordert ambitionierte Visionen und eine enge
Zusammenarbeit auch über Grenzen und Barrieren hinweg, die wir vorher
nicht gesehen haben", sagt Antonella Battaglini vom Potsdam-Institut
für Klimafolgenforschung (PIK). "Wenn wir die Kunst des Machbaren
nicht ausschöpfen, werden wir die wichtigen politischen Entscheidungen
dafür nicht unterstützen können, die eher heute als morgen getroffen
werden müssen", fügt Battaglini hinzu. Die Studie sei ein Meilenstein
der Bemühungen, den gordischen Knoten der Politik zu lösen und
gangbare Lösungswege für eine sichere und kohlenstoffarme
Stromversorgung der EU zu finden.

Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft kann der Bericht als
Leitfaden dienen, das "2050-Szenario" schrittweise zu erreichen. In
einem vollständig auf Erneuerbare umgestellten Europa würden
veränderte Bedingungen für Konsumenten und Unternehmen herrschen.
Neben höherer Preisstabilität erhielten Verbraucher mehr Macht durch
wirksamere Technologien des Nachfragemanagements. In nordafrikanischen
Ländern würde die zuverlässige Bereitstellung von Solarenergie die
Grundlage für eine umfassende soziale und wirtschaftliche Entwicklung
schaffen.

Download des Gutachtens:

Vollversion: http://www.pik-
potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/dateien/100_percent_renewable_electricity.pdf

Executive Summary: http://www.pik-
potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/dateien/1003_renewable-vision-
europe-exec-sum.pdf

Zur Mitteilung von PricewaterhouseCoopers (englisch):
http://www.ukmediacentre.pwc.com/News-Releases/Come-sun-rain-or-high-
wind-Europe-could-create-a-100-renewable-electricity-supply-
by-2050-e5e.aspx

Weitere Statements zum Gutachten (nur in englischer Sprache):

Anthony Patt, International Institute for Applied Systems Analysis:
"The combination of increased demand for electricity and security of
supply is a very powerful driver of major power sector change in
Europe and worldwide. The study and the roadmap have been formulated
to stimulate a debate about energy and climate change policy
possibilities in Europe."

Richard Gledhill, PricewaterhouseCoopers LLP: "Decarbonising the power
sector to meet climate change goals is likely to require big increases
in renewables and nuclear, as well as the deployment of carbon capture
and storage at commercial scale. What the study demonstrates is the
reality of the game changing policy and business decisions we will
have to make, whatever our energy mix. But it also de-bunks some of
the conventional criticisms of large scale renewables. It is a
challenging vision, but it shows how geographic and technological
diversification can help address cost and security of supply concerns.
Integration with North Africa would unlock allow Europe to huge
additional solar capacity. This would require a sustained partnership
and the development of closely linked energy policies going forward,
but it could pay big dividends in terms of regional development,
sustainability and security."

Hinweise an die Redaktionen:

- Der Bereich Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energiequellen ist in
den Mitgliedsstaaten der EU unterschiedlich stark gewachsen. Dänemark
und Deutschland verzeichnen sehr hohe Wachstumsraten von rund 60 bzw.
80 Prozent seit 2000. In Frankreich und Österreich fällt die
Wachstumsrate aufgrund steigender Stromnachfrage und stagnierender
Erzeugungskapazitäten aus Erneuerbaren negativ aus.

- Die europäische Windkraftkapazität ist in den letzten 15 Jahren um
durchschnittlich 25 Prozent pro Jahr gewachsen.

- Die Treibhausgasemissionen des europäischen Stromsektors sind in den
1990er Jahren gesunken, aber danach wieder gestiegen. Sie sind heute
nur etwa fünf Prozent niedriger als 1990.

- Europa importiert heute mehr als die Hälfte der Brennstoffe für den
Strom- und Energiesektor; dieser Anteil könnte bis 2030 auf mehr als
zwei Drittel anwachsen.

- Fast alle europäischen und nordafrikanischen Länder hängen vom
Import fossiler und nuklearer Brennstoffe für die Stromerzeugung ab,
vor allem Erdgas, Kohle und Uran. Nur Polen, Tschechien, Algerien und
Libyen können sich selbst versorgen.

- Abbildung 11 im Gutachten (S. 68) stellt typische
Stromgestehungskosten und die weltweit installierte
Erzeugungskapazität verschiedener Technologien dar. URL: http://www
..pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/dateien/kosten-
kapazitaeten-technologien.png

Kontakt:

PricewaterhouseCoopers LLP
Rowena Mearley, Corporate media relations, PricewaterhouseCoopers LLP
Tel: +44 (0)213 47 27, Mobile: 07952 715739, E-Mail:
rowena.mearley@uk.pwc.com, http://www.pwc.co.uk/

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
Uta Pohlmann, Patrick Eickemeier, PIK Pressestelle
Tel. : +49 (0)331 288 25 07, E-Mail : presse@pik-potsdam.de,
http://www.pik-potsdam.de/

International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA)
Leane Regan, Communications Department, The International Institute
for Applied Systems Analysis, Tel: +43 2236 807 316, E-Mail:
regan@iiasa.ac.at, http://www.iiasa.ac.at/

Arten der Pressemitteilung:
Forschungs- / Wissenstransfer
Wissenschaftliche Publikationen

Sachgebiete:
Energie
Umwelt / Ökologie
Verkehr / Transport
Wirtschaft

Zu dieser Mitteilung finden Sie Bilder unter der WWW-Adresse:
http://idw-online.de/pages/de/image112611
Ein SuperSmart Grid (SSG) würde Nordafrika, die Mittelmeerregion und Europa miteinander vernetzen und erneuerbaren Strom über große Distanzen übertragen.

http://idw-online.de/pages/de/image112612
Typische Stromgestehungskosten und die weltweit installierte Erzeugungskapazität verschiedener Technologien (S. 68, Abb. 11 des Gutachtens).

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Architekt der Nachkriegszeit [idw]

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Bergische Universität Wuppertal, Michael Kroemer, 29.03.2010 13:21

Architekt der Nachkriegszeit

Bekanntestes Symbol der "Bonner Republik" ist das "Bundeshaus", bis
1999 Sitz des Deutschen Bundestages. Architekt dieses 1949 zeitgleich
mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland errichteten Gebäudes war
Hans Schwippert. Ein soeben im Jovis-Verlag, Berlin, erschienenes, von
der Wuppertaler Kunsthistorikerin Prof. Dr. Gerda Breuer
herausgegebenes Buch widmet sich auf fast 700 Seiten dem berühmten
Architekten.

Hans Schwippert stammte aus Remscheid, baute nach dem
Architekturstudium in Aachen sein erstes Haus für seine Eltern in
Duisburg und war von 1959 bis 1966 Rektor der Kunstakademie in
Düsseldorf. In der unmittelbaren Nachkriegszeit beschwor Hans
Schwippert (1899-1973) mit seiner sachlich-bescheidenen und offenen
Gestaltungsweise den Geist der Demokratie. Mit dem Bundestagsgebäude
habe er, so Prof. Breuer, einen Symbolbau geschaffen, "der Transparenz
und Bescheidenheit ausstrahlen sollte und eine deutliche Antithese zur
monumentalen Machtdemonstration nationalsozialistischer Vergangenheit
sein wollte". Fragen der Gestaltung seien für Schwippert immer kultur-
und gesellschaftspolitische Fragen gewesen. 1958, inzwischen
Vorsitzender des Werkbundes, dem "mächtigsten Netz der Architekten und
Designer der Nachkriegszeit", war Schwippert für den deutschen Beitrag
zur Weltausstellung in Brüssel verantwortlich. Er wählte moderne
Gestaltung - Architektur und Produktform - als "Botschafterin neuer
Inhalte". Prof. Breuer: "In dem der Alltag ins Scheinwerferlicht
rückte, verquickte sich in der Weltöffentlichkeit Menschliches wieder
mit dem Bild Deutschlands. Seine Konzeption wollte das Schreckensbild
revidieren helfen, das sich die Deutschen in aller Welt erworben
hatten."

Hans Schwippert, der während des 2. Weltkriegs in Aachen promovierte
und sich auch habilitierte, war 1944/45 kurzfristig Bürgermeister in
Aachen, dort auch Bauamtsleiter und wechselte dann ins
Wiederaufbauministerium nach Düsseldorf. Als viel gefragter Architekt
des Wiederaufbaus in Deutschland verantwortete er das Bundeskanzleramt
im Palais Schaumburg und den Wiederaufbau der St.-Hedwigs-Kathedrale
in Berlin, einem von mehreren kriegsbeschädigten Kirchenbauten. Er
habe sich nie auf die Seite der "radikalen Neuerer und ihrer
Abrissmentalität geschlagen", schreibt Prof. Breuer. Von Hans
Schwippert stammt auch das Karl-Arnold-Haus der Nordrhein-
Westfälischen Akademie der Wissenschaften in Düsseldorf. (Hans
Schwippert - Moderation des Wiederaufbaus; Hrsg. Gerda Breuer/Pia
Mingels/Christopher Oestereich, 688 Seiten mit ca. 550 Abbildungen,
Jovis-Verlag, Berlin, 2010, 52 Euro.)

Kontakt:
Prof. Dr. Gerda Breuer
Telefon 0202/439-5796/5703
E-Mail breuer@uni-wuppertal.de

Arten der Pressemitteilung:
Forschungsergebnisse
Wissenschaftliche Publikationen

Sachgebiete:
Bauwesen / Architektur
Geschichte / Archäologie
Gesellschaft
Kunst / Design
Politik

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.gerdabreuer.de
http://www.jovis.de

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